Maaßens Attacke „Ich will keine Vergrünung der CDU“

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CDU-Bundestagskandidat Hans-Georg Maaßen teilt gegen die Grünen-Versteher in der Union aus. Die Attacke der Kieler Ministerin Prien auf ihn sieht er als Aktion derer, die er für den Niedergang der CDU verantwortlich macht, sagt Maaßen im Interview unserer Zeitung.

An innerparteilichen Kritikern wie Karin Prien gefällt Hans-Georg Maaßen vor allen deren Offenheit für Koalitionen mit den Grünen nicht. Im Interview unserer Zeitung reitet der Südthüringer CDU-Bundestagskandidat die Gegenattacke: Nicht er, sondern der linke Parteiflügel ruiniere die Union. Seine Hoffnung: Eine starke Anti-Laschet-Truppe in der neuen Bundestagsfraktion.

Herr Maaßen, dass Frau Prien von Ihrer Wahl abrät, hat sie bereits Dienstagabend bei „Markus Lanz“ gesagt. So richtig aufsehen hat das erst durch Ihre Kritik am Donnerstag erregt. Mal ehrlich, war es wirklich überraschend für Sie, dass einer bekennende Anhängerin von Armin Laschet Ihre Kandidatur für die CDU nicht gefällt?

Ich kenne die Haltung von Frau Prien. Aber es war überraschend, dass sie sich in der jetzigen Situation so äußerte, denn wir führen einen schweren Wahlkampf. Täglich reden meine Mitstreiter und ich mit vielen Bürgern, kämpfen gegen den Stimmungstrend an und müssen den Bürgern erklären, warum sie Armin Laschet und die CDU wählen sollen. Gerade hier in Südthüringen schlägt mir viel Unverständnis entgegen, wenn ich sage: Es ist wichtig, jetzt CDU zu wählen: Die Leute wollen eine andere CDU, nämlich die, die ich vertrete, und nicht die grüne CDU von Frau Prien. Ihre Äußerung empfand ich als Beschuss durch die eigenen Truppen.

Aber es wurde und wird doch in der CDU oft so gesagt, wenn auch nicht so deutlich. Gerade aktuell hat der Thüringer CDU-Vorsitzende Christian Hirte, ebenso wie Sie Direktkandidat, nochmals betont, dass er sich für den Wahlkreis 196 einen anderen Bewerber gewünscht hat. Es gibt doch diese Stimmung in großen Teilen der CDU: Den Herrn Maaßen, den unterstützen wir nicht.

Es gibt eine Reihe von Unionspolitikern, die mich verteidigen, etwa der frühere Berliner Innensenator Frank Henkel oder Hans-Jürgen Irmer, Bundestagsabgeordneter aus Wetzlar. Diese sagen ganz klar: Die Priens dieser Welt sind für den Niedergang der Union verantwortlich.

Die CDU ist eine Volkspartei mit mehreren Strömungen, die miteinander durchaus auch hart umgehen. Dass man mit mir besonders hart umgeht, verstehe ich auch so: Maaßen ist gegen eine Koalition mit den Grünen, und das sehen manche als Gefahr für sich. Ich will keine Koalition mit den Grünen und ich will keine Vergrünung der CDU. Frau Prien und Ministerpräsident Daniel Günther, der ja auch meine Positionen kritisiert, machen das in Schleswig-Holstein. Ich möchte, dass wir nach der Bundestagswahl im Bund eine bürgerliche Koalition bilden, meinetwegen mit Unterstützung der Sozialdemokraten, aber ohne die Grünen. Vor allem aber muss das christlich-demokratische Profil zum Ausdruck kommen.

Nun wird Herr Laschet natürlich nicht auf Ihren Wunsch eingehen können, Frau Prien aus seinem Team zu werfen, und das wissen Sie auch. Wen Sie das nun trotzdem so lautstark fordern, schaden Sie dann nicht vor allem ihm und damit den Wahlchancen Ihrer CDU?

Ich weiß nicht, ob Herr Laschet nicht auf die Forderung eingehen kann. Ich bin überzeugt, dass Frau Prien uns mit dieser unüberlegten Äußerung massiv schadet. Sie schadet mir, sie schadet vielen anderen Wahlkämpfern der CDU, die um ein Direktmandat kämpfen, und sie schadet dem Wahlerfolg der Partei.

Angenommen, die Union steht am 26. September wirklich so schlecht da wie derzeit erwartet, und nehmen wir an, Sie gewinnen dennoch Ihren Wahlkreis. Dann wäre der Laschet-Flügel innerhalb der CDU natürlich extrem in der Defensive. Käme dann Ihr Lager zur ungeahnter Stärke?

Ich bin überzeugt: Der Merkel-Flügel innerhalb der CDU wird sehr stark in die Defensive geraten. Die neue Bundestagsfraktion der Union wird ganz anders aussehen als die derzeitige. Man muss sich dann zusammenraufen. Aber ich kann schon jetzt sagen: Mit Sicherheit wird die neue Bundestagsfraktion andere Akzente setzen als es die bisherige es getan hat.

Auch in der Regierung oder nur in der Opposition, wo die Union ja möglicherweise landen wird?

Ich kämpfe dafür, dass die Union die kommende Regierung führen wird. Und ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen können, denn den Wählern wird deutlich, dass Rot-Rot-Grün eine Politik machen wird, die nicht in ihrem Interesse ist und den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands gefährdet.

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