Wissenswertes Rennsteiglauf anders als sonst

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Eine große Gemeinschaft: Die Rennsteigläufer, hier bei der 46. Auflage vor drei Jahren am Adler. Foto: Gerhard König

Das erste Oktoberwochenende gehört im Thüringer Wald in diesem Jahr dem Rennsteiglauf. Es liegen 9200 Anmeldungen vor. Wegen Corona findet der Lauf an zwei Tagen statt.

Schmiedefeld – Jedes Jahr im Mai kommen im Thüringer Wald tausende Laufsport-Enthusiasten zum Rennsteiglauf zusammen. Jedes Jahr? Das stimmt nicht ganz, denn 2020 wurde der Wettbewerb coronabedingt komplett gestrichen und in diesem Jahr auf den 2. und 3. Oktober verschoben, da die Pandemielage im Frühjahr keine andere Entscheidung zuließ. Im Vorfeld der 48. Auflage des traditionsreichen Laufes fasst unsere Zeitung die wichtigsten Informationen zusammen.

Warum wird das Eintagesrennen auf zwei Tage verteilt?

Das hat mit der Corona-Lage zu tun. Die Pandemie hat sich zwar in hiesigen Breiten abgeschwächt, ist aber noch nicht vorbei. Deshalb entschlossen sich die Ausrichter vom GutsMuths-Rennsteiglaufverein, die Rennen zu entzerren. „Es werden zwar deutlich weniger Starter sein als sonst, aber 9200 Meldung haben wir erhalten. Und Nachmeldungen sind für Supermarathon und Marathon sowie die Wanderungen möglich in den jeweiligen Startorten“, sagt Vereinspräsident Jürgen Lange. „Deshalb heißt es umlernen – von Mitte Mai auf Oktober und von einem Tag auf zwei, damit wir alles in unserer Kraft stehende tun, um größere Menschengruppen zu vermeiden.“ Dirk Ellinger, Aufsichtsratsvorsitzender der Rennsteiglauf Sport und Touristik GmbH, betont: „Die frühzeitige Entscheidung, den Lauf in den Oktober zu verlegen und auf zwei Tage zu verteilen, war eingedenk der anhaltenden pandemischen Lage richtig. Wir haben ein umfassendes Hygienekonzept für alle Startorte erarbeitet und den festen Willen, dies umzusetzen. Wir wollen stattfinden.“

Wie sieht das Hygienekonzept konkret aus?

Auf allen Strecken werden die Aktiven am Start in Blöcke mit jeweils 50 Läuferinnen und Läufern eingeteilt, der Zeitabstand zwischen den Blöcken beträgt jeweils 90 Sekunden. Massenstarts sind tabu, wodurch die Startphasen insgesamt deutlich länger dauern. Dies hat zum Teil auch Auswirkungen auf die Straßensperrungen. Laut Hygienekonzept muss im Startbereich ein Mindestabstand von 1,50 Metern eingehalten werden, zudem darf der obligatorische Mund-Nasen-Schutz erst unmittelbar vor dem Lauf abgenommen werden. Im Zielbereich ist er wieder aufzusetzen. Hier werden gemeinsam mit den Finisher-Medaillen Masken verteilt, sodass es nicht erforderlich ist, während des Laufes einen Mund-Nasen-Schutz mitzuführen.

Muss man sich von lieb gewordenen Traditionen trennen?

Ja, das lässt sich nicht vermeiden. Die Kloßparty, Schunkeleinlagen, das kollektive Singen des Rennsteigliedes und das gemeinsame Trinken aus einem Glas oder einer Flasche sind tabu. „Zudem verzichten wir auf geschlossene Räumlichkeiten, es findet quasi alles draußen statt“, erläutert Lauf-Gesamtleiter Christopher Gellert. Im Zielareal werden Klöße to go, also zum Mitnehmen, angeboten. Ein Ehrengastzelt gibt es nicht, auch keine Kabinen und Duschmöglichkeiten am Sportplatz in Schmiedefeld. Umkleidemöglichkeiten mit Sichtschutz sollen im Freien geschaffen werden. „Es gibt Einschränkungen, die bei einigen Teilnehmern möglicherweise für Unmut sorgen“, blickt Christopher Gellert voraus. „Aber wir müssen damit leben und sind froh, dass wir den Rennsteiglauf überhaupt durchführen können.“

Muss man geimpft, getestet oder genesen sein, um auf dem Höhenweg mitlaufen zu dürfen?

Nein, Stand jetzt werden keinerlei Nachweise dieses Art verlangt. „Wir wünschen uns sehr, dass wir bei dieser Regelung bleiben können“, hofft Jürgen Lange und vertraut der Läuferschar: „Wer läuft, ist im Normalfall äußerst gesundheitsbewusst und achtet auf die erforderlichen Maßnahmen.“ Auch hinsichtlich der zu erwartenden Zuschauer sorgt er sich nicht: „Wenn überhaupt, kommen Zuschauer in die drei Startorte, den Zielort und an Stellen wie den Inselsberg, den Grenzadler oder das Rondell. Das sollte zu managen sein.“ In Großstädten sei dies schwerer, deshalb verstehe er die Absage der für Oktober geplanten Marathonläufe in Köln und Frankfurt/Main. „Aber wir haben hier ganz andere Voraussetzungen. Wenn 25 000 Zuschauer im Fußballstadion sein dürfen, dann bin ich guter Dinge, dass wir trotz der Pandemielage einen guten Rennsteiglauf über die Bühne bringen.“

Wann findet welcher Lauf statt?

Der Supermarathon startet am 2. Oktober ab 6.30 Uhr auf dem Marktplatz in Eisenach und kann wie gewohnt auf der Strecke der Vorjahre stattfinden. Die Läufer müssen sich lediglich auf den verspäteten Sonnenaufgang im Vergleich zum Mai einstellen. Deshalb wird nicht, wie sonst üblich, um 6 Uhr losgelaufen. Auf der Marathon-Distanz ab Neuhaus am Rennweg gibt es eine kleine Streckenänderung. Die Route biegt am 2. Oktober (ab 8 Uhr) bereits am Ortseingang auf den Rennsteig ein, um eine längere Sperrung der B 281 zu vermeiden. Dies gilt auch für die Marathon-Wanderer, die kurz nach den Läufern auf die Reise geschickt werden. Ebenfalls ab Neuhaus findet der Minimarathon als Familienlauf (ab 11 Uhr) statt, der seine Ursprünge im Special Cross hat, während die Nordic-Walking-Tour und die 17-Kilometer-Wanderung am 2. Oktober in Oberhof beginnen. Der darauffolgende Tag steht gänzlich im Zeichen des Halbmarathons, der teilnehmerträchtigsten Strecke. Ab 7.30 Uhr erfolgt der Start auf dem Oberhofer Kunstrasenplatz. Durch das Konzept der Mindestabstände wird sich das Startprozedere arg in die Länge ziehen, eine Sperrung der Ortslage ist deshalb in diesem Jahr nicht möglich. Nichtsdestotrotz verzichten die Aktiven auf keinen Meter. Statt dem Stein 16 zu Beginn der Strecke wird der Weg über die Kalte Herberge in die Routenführung eingebunden.

Nachmeldungen doch noch möglich

Das ist eine erfreuliche Nachricht für alle kurzentschlossenen Laufenthusiasten:  Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie und der guten Prognosen für den 48. Rennsteiglauf am 2. und 3. Oktober ist es dem Veranstalter entgegen der ursprünglichen Planung nun doch möglich, begrenzte Teilnehmerkontingente für eine Nachmeldung zuzulassen.
Für den  Supermarathon, den Marathon, die  Nordic-Walking-Tour sowie die Wanderung  – alle vier Wettbewerbe gehen am 2. Oktober über die Bühne – ist eine Nachmeldung an der jeweiligen Startnummernausgabe in den Startorten am 1. Oktober (Freitag)  möglich. Für den Halbmarathon am 3. Oktober besteht die Möglichkeit, sowohl am 1. als auch am  2. Oktober  im Startort nachzumelden.
Bei der Anmeldung für die Restkontingente vor Ort gilt, dass die Teilnehmergebühr zuzüglich der Nachmeldegebühr mit Bargeld zu entrichten ist. Wichtig: Am Lauftag der jeweiligen Strecken ist keine Nachmeldung erlaubt! 

Startblöcke mit je 50 Läufern und Wanderern

Eine große Herausforderung beim Rennsteiglauf ist dieses Jahr  die Startblockeinteilung in 50er Blöcke und  der Startabstand von 90 Sekunden aufgrund der Corona-Pandemie. So ist es geplant:
Halbmarathon
Auf der Halbmarathon-Strecke von Oberhof nach Schmiedefeld am 3. Oktober werden die Startblöcke in Oberhof anhand der üblichen Regelung über ein  System eingeteilt.  Dabei sind die jeweiligen Ergebnisse der letzten drei  Austragungen (2017 bis 2019) des Rennsteiglaufs sowie die Ergebnisse des  Rennsteig-Herbstlaufs 2020 über 20 Kilometer ausschlaggebend. „Ersttäter“ werden entsprechend des Meldedatums in die hinteren Blöcke eingeteilt.
Marathon und Supermarathon
Auf den beiden Traditionsstrecken, die am 2. Oktober stattfinden,  werden die Blöcke anhand der Startnummern eingeteilt,  beginnend bei der niedrigsten Nummer. Die Organisatoren bemühen sich, die Kandidaten für den Gesamtsieg in den  ersten Startblock einzusortieren.  Entscheidend ist die  Netto-Zeit.
Wandern und Nordic Walking
Auch hier werden die Startblöcke anhand der Startnummern eingeteilt – beginnend mit  der niedrigsten Nummer. 

>>> Zum Programmheft des diesjährigen Rennsteiglaufes

Neue Halle in Schmiedefeld

Alles neu – macht der Oktober: Beim wegen Corona auf dieses Wochenende verlegten 48. GutsMuths-Rennsteiglauf feiert die neue Rennsteiglaufhalle in Schmiedefeld  ihre Feuertaufe.  „Das war ein langer Prozess. Wir brauchten ein eigenes Zuhause. Zudem sind die Kosten gestiegen für das Festzelt, in dem die Partys zum Rennsteiglauf stattfinden. Und wir brauchen immer etwa 30 Leute, die das Zelt auf- und abbauen“, sagt Dirk Ellinger, Aufsichtsratsvorsitzender der Rennsteiglauf Sportmanagement Touristik GmbH. Jetzt steht die neue Halle, die fortan während der Großveranstaltung genutzt werden kann und in  der zudem die Geschäftsstelle des Rennsteiglaufvereins nun ihr zuhause hat.
Der Neubau des rund 1800 Meter Quadratmeter großen Gebäudes hat 1,8 Millionen Euro gekostet.

50. Jubiläum am 13. Mai 2023

Ausfall und Verlegung: Im Jahr 2020 musste der Rennsteiglauf wegen der Corona-Pandemie  abgesagt werden, in diesem Jahr von Mai auf Oktober verlegt werden. Trotz aller Corona-Ungewissheiten  sind die Termine für die Großveranstaltung für die nächsten Jahre schon festgeschrieben. Hier eine Übersicht zum Vormerken:
2./3. 10.  2021: 48. Rennsteiglauf
21. Mai 2022: 49. Rennsteiglauf
13. Mai 2023: 50. Rennsteiglauf
25. Mai 2024: 51. Rennsteiglauf
17. Mai 2025: 52. Rennsteiglauf
09. Mai 2026: 53. Rennsteiglauf  
22. Mai 2027: 54. Rennsteiglauf  
13. Mai 2028: 55. Rennsteiglauf  
26. Mai 2029:  56. Rennsteiglauf  
08. Mai 2030: 57. Rennsteiglauf
17. Mai 2031:  58. Rennsteiglauf
22. Mai 2032: 59. Rennsteiglauf

Goldenes Finale am Rennsteig

Der Marathon beim  diesjährigen Rennsteiglauf am 2. Oktober von Neuhaus nach Schmiedefeld bekommt    eine goldene Note.  Bildet er doch das letzte, entscheidende  Rennen  der sogenannten  Golden Trail Series (GTS) – eine von einem Sportausrüster  ins Leben gerufene weltweite Trail Running-Wettkampfserie mit   prestigeträchtigsten Wettkämpfen  im deutschsprachigen Raum. Dazu gehören beispielsweise  der Chiemgau Trailrun, der Zugspitz Ultra Basetrail oder der  Eiger Ultra.
Ursprünglich sollte das GTS-Finale zum Rennsteig-Herbstlauf  ausgetragen werden. Da nun aber der „richtige“ Rennsteiglauf statt des Herbstlaufes stattfindet, wird  der Lauf der der Serie  im Marathonlauf integriert.    Zwar ist das technische Level im Vergleich zu den anderen Rennen  deutlich geringer, aber der Rennsteig wird aufzeigen, dass  auch das Mittelgebirge seine Tücken hat.  Bekannteste Starter dürften Anna Hahner und Moritz auf der Heide sein. Die GTS-Gesamtsieger  erhalten  eine Einladung zum großen Finale der Golden National Series auf den Azoren  im kommenden Jahr.  

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