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Der Bums fehlt noch

Nach monatelanger Pause wegen eines Schlüsselbeinbruchs greift Biathlet Erik Lesser wieder ins Wettkampfgeschehen ein. Die Rückkehr ist kein Zuckerschlecken.



Kleiner Gruß an den Fotografen: MTB-Freak Erik Lesser beim Rennsteigride vor zwei Jahren. Foto: Gerhard König
Kleiner Gruß an den Fotografen: MTB-Freak Erik Lesser beim Rennsteigride vor zwei Jahren. Foto: Gerhard König  

Oberhof - Erik Lesser redet nicht lange um den heißen Brei herum. "Ich werde mir im Massenstart die Fresse polieren lassen, denn die Geschwindigkeiten, die die anderen laufen, kann ich noch nicht mitgehen. Dazu fehlt mir der Bums im rechten Arm", sagt er. Nicht gerade euphorisch, sondern realistisch blickt Thüringens bester Biathlet seinem Comeback entgegen.

Am Pfingstmontag hatte er sich das Schlüsselbein nach einem Sturz mit dem Mountainbike gebrochen. Nun, gut drei Monate später, kehrt er nach Operation, Reha und Sonderschichten im Training bei Teil zwei der Deutschen Meisterschaften in Ruhpolding endgültig wieder in den normalen Biathlon-Betrieb zurück. "Ja, ab Samstag bin ich wieder vollwertiges Mitglied der Trainingsgruppe", bestätigt Erik Lesser.

Die Geduldsprobe für den Schnellschützen hat also ein Ende. Wobei ihm die ungewollte Auszeit "nicht im Ansatz schwergefallen" sei: "Es war Sommer, schönes Wetter und ich habe meine kleine Tochter viel öfter gesehen." Zehn Tage nach dem Unfall und der Blitz-Operation in Erfurt - im Klinikum in Suhl wäre er erst eine Woche später an der Reihe gewesen - saß er mit dem Rad schon wieder auf dem Rollentrainer auf der heimischen Terrasse (bei Bedarf sogar unterm Sonnenschirm) und spulte mithilfe des Internets Fantasiestrecken ab. Kleiner Nebeneffekt: Der Rennrad- und MTB-Freak konnte während der Auszeit ausführlich jede Etappe der spannenden Tour de France live im Fernsehen verfolgen.

"Die Reha lief planmäßig. Mit leichten Stagnationen, aber ohne Rückschritte", erklärt Erik Lesser. Noch nie sei er so schwer und so lange verletzt gewesen, habe sich vielmehr mit Kleinigkeiten wie Entzündungen im Körper herumgeschlagen müssen. "Lieber einen Bruch als zwei Entzündungen", lautet nun sein überraschendes Fazit, "denn bei Entzündungen probierst du es immer wieder als Sportler und es wird nicht besser."

Auf einen erneuten Unfall mit schwerwiegenden Folgen möchte er aber verzichten. "Sonst wäre die Saison komplett im Eimer", betont Erik Lesser: "Der Sturz lässt mich aktuell die Berge etwas langsamer runterfahren." Immerhin. Lebensgefährtin Nadine nimmt die Aussage wohl zur Kenntnis, viel geben darauf tut sie nicht. "Ich habe gewusst, dass es irgendwann passiert, dass er irgendwann anruft und im Wald liegt", sagt sie.

299,3 Kilometer

Die anspruchsvolle Vier-Hübel-Tour in Oberwiesenthal über 83 Kilometer mit dem Mountainbike oder der Stoneman Miriquidi Road mit dem Rennrad gehörten in der langen Reha-Phase zu Lessers Trainingsprogramm. Zur Erklärung: Der Stoneman Miriquidi Road führt über 290 Kilometer durch das Erzgebirge und wirbt mit 4900 Höhenmetern und 13 giftigen Rampen zwischen jahrhundertealter Bergbautradition. Genau 299,3 Kilometer zeigte der Rad-Computer bei Erik Lesser nach Erreichen des Fichtelberges. Zwölf Stunden am Stück saß er im Sattel. Die Jedermann-Tour jüngst im Rahmen der Deutschland-Tour von Erfurt nach Oberhof und wieder zurück war für ihn dagegen ein Klacks.

Sind die Beine von Erik Lesser fit, hinken Armkraft und Schießen nach dem Schlüsselbeinbruch noch hinterher. Acht Wochen konnte der Doppel-Weltmeister von 2015 und mehrfache Olympia- und WM-Medaillengewinner nicht mit der Waffe trainieren, die Pause im Liegendschießen dauerte gar elf Wochen. "Beim Stehendschießen ist es einfacher. Da nimmst du die Waffe, stellst dich hin und schießt. Liegend dagegen musst du dich hinlegen und die Waffe richtig in die Schulter drücken. Das war anfangs schon schmerzhaft und auch ungewohnt angesichts der Metallplatte in der Schulter", klärt er auf.

Ebenso schwierig gestaltete sich die Mobilisierung und Kräftigung des rechten Arms. Unter Anleitung eines Sporttherapeuten aus Erfurt legt der Berufssoldat noch immer zwei Mal pro Woche eine Sonderschicht im Kraftraum ein. Lesser: "Das ist härteres Krafttraining, als ich es jemals gemacht habe. Aber es geht vorwärts und gibt mir neuen Input." Sein Fazit nach der Zwangspause: "Ich bin auf einem guten Weg, hänge aber dem Plan ein paar Wochen hinterher." Vor allem der Bums fehlt eben noch.

"Go" bis 2022

Bis zum Saisonbeginn Anfang Dezember in Östersund sollen die Defizite endgültig behoben sein: "Bis dahin müsste ich wieder ganz der Alte sein - der Alte von vor zwei Jahren." Damit meint er selbstkritisch, dass er mit der vergangenen Saison trotz starker WM-Rennen "überhaupt nicht zufrieden" gewesen sei: "Die letzte Saison war einfach scheiße." Die immer wieder aufkommenden Rückenprobleme sowie die Geburt seiner Tochter Anouk will er dabei nicht als Ausrede gelten lassen. "Arnd ist Vater und Weltmeister geworden", nannte er seinen langjährigen Teamkollegen Arnd Peiffer als positives Gegenbeispiel.

Rang 23 im Gesamtweltcup soll trotz großer Konkurrenz nun wieder eine Platzierung unter den Top Ten folgen, wenngleich der Routinier die härteren Einheiten nicht mehr so locker wegsteckt wie früher. "Die Regenerationszeit dauert doch etwas länger, dafür kann ich Ausfälle jetzt besser kompensieren", weiß er.

Was er im Herbst seiner Laufbahn noch nicht weiß, ist der Zeitpunkt des Karriereendes. "Natürlich reizt mich die Heim-Weltmeisterschaft 2023 in Oberhof, doch meinen Startplatz will ich nicht geschenkt bekommen, sondern mir mit Leistung verdienen", bekennt Erik Lesser. Bis zum den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking habe er das "Go" seiner Partnerin, "danach werden wir sehen". Also schau’n mer mal.

Autor

Thomas Sprafke
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
08:54 Uhr

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Autor

Thomas Sprafke

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Veröffentlicht am:
12. 09. 2019
08:54 Uhr



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