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Ist in Sonnberg ein neuer Klassiker geboren worden?

Mit dem Kriterium "Rund um das Sonneberger Rathaus" schlägt der Radsportverein der Spielzeugstadt ein neues Kapitel seiner Wettkampfgeschichte auf. Hier könnte ein Klassiker geboren worden sein.



Vorgeschmack: Die stark besetzten Nachwuchsrennen (hier die U11) liefern einen Vorgeschmack auf das packende 65-Runden-Finale der Elite.	Foto: Zitzmann
Vorgeschmack: Die stark besetzten Nachwuchsrennen (hier die U11) liefern einen Vorgeschmack auf das packende 65-Runden-Finale der Elite. Foto: Zitzmann   » zu den Bildern

Sonneberg - Sonntag, kurz nach 16 Uhr in der Bahnhofstraße: Organisationschef Joachim Schuchmann hat gerade den nächsten Prämiengewinner über den Lautsprecher hinausposaunt, da zischt das fabrikneue, schwarze Führungsfahrzeug mit dem Stern auf der Haube am Rathaus um die Ecke. Gehetzt von einer Meute, die keine zwei Wimpernschläge später das raue Kopfsteinpflaster der Zielgeraden erreicht. Es wird laut, ziemlich laut. Und staubig. Die gut 40 Elite C-Fahrer (unterste Profiklasse) und U23-Akteure rattern mit bis zu 60 Sachen auf ihren extrem schmalen, sündhaft teuren Rennrädern über die knüppelharten kleinen Basaltquader, pusten im Verbund jede Menge Staub in die Luft und verschwinden - für gerade mal 84 Sekunden.

Das hat was. Trotz der weit über 30 Grad im Schatten verlangt dieses Erlebnis Gänsehaut. Diese fremde Kulisse in der Sonneberger Innenstadt, eingehüllt in Präriestaub, dazu die ungewohnte Geräuschkulisse, als ob ein klappriges Holzfuhrwerk über den Asphalt katapultiert wird, wenn die gut 40-köpfige Meute an den Zuschauern vorbeiflitzt. In anderen Orten Europas könnten just so jene Rennen entstanden sein, die sich heute "Klassiker" nennen dürfen.

Wettkampf-Kommissar Dietmar Scheibe vom RSV Blau-Weiß Meiningen gerät schnell ins Schwärmen. "Vor Jahren hatten wir das auch mal in der Innenstadt Meiningens. Nur dazu brauchst du ja allein so viele Helfer zum Absperren. Mittlerweile sind wir ins Gewerbegebiet umgezogen", meint das Ehrenmitglied des Thüringer Radsportverbandes. Zugegeben, Helfer sind auch am Sonntag in Sonneberg rar gesät. Davon kann Annette Liebermann ein Lied singen. Die RSV-Vereinschefin schafft es immer wieder, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein - zur Siegerehrung, zum Kuchentransport, beim Absperren oder Abbauen. Ihr zur Seite stehen Summa summarum 32 Helfer, doch: "Heute morgen hätte ich gerne noch fünf Mann mehr gehabt. Wir haben es trotzdem geschafft", meint sie, wischt sich mit dem Unterarm ihres langärmeligen, gelben Rad-Trikots den Schweiß von der Stirn und rennt ins Org-Büro.

Hier wartet schon André Glase, ein Sonneberger Radsport-Enthusiast um die 50, der in seinem Urlaub gerne auch mal auf den Klassiker-Pisten in Frankreich und Belgien unterwegs ist. Gut 200 Starter zählt er an diesem Sonntag, die meisten in den Altersklassen U11 und U13 (60). Und hier ist auch der Stimmungspegel hinter den Absperrungen am höchsten. Denn meist sind Eltern und Großeltern am Straßenrand und treiben ihre Flitzer tüchtig nach vorne.

Aus Gera, Waltershausen, Jena, Meiningen, Weimar, Sömmerda, Elxleben, Greiz und Erfurt sind sie angereist - die Nachwuchs-Asse aus den Leistungszentren des Freistaates. Sie fighten im Kriterium um die Prämiensprints nach einer vorher festgelegten Rundenanzahl. Und diese sind Prämien sind durchaus lukrativ. "Ich habe diese Kinderaugen gesehen, als sie hier im Org-Büro ihre Umschläge mit den Prämien abgeholt haben. Da waren manchmal nur 13, 14 Euro drin, aber sie haben gestrahlt", berichtet Glase von den Erlebnissen im Büro des Kreissportbundes und schiebt leise nach: "So ist das eben heute. Die Zeiten ändern sich. Die brauchen nicht die 50. Plastiktrinkflasche ..."

800 Euro gespart

Zuvor gibt's das Fette-Reifen-Rennen, fortan Andreas Kaufmann-Gedächtnis-Rennen genannt. Es erinnert an den am 3. März 2018 verstorbenen Sonneberger Polizisten. "Er war nicht in unserem Verein, aber er hat uns Radsportler verstanden, uns akzeptiert, unterstützt und geholfen", zählt Schuchmann einige Gründe für die Namensgebung auf. Auch wandert nicht jeder der wunderschönen Schieferpokale an die auf dem Podest vor der Sparkasse ganz oben Stehenden. Liebermann und Schuchmann reichen die Unikate auch an Bürgermeister Heiko Voigt und Susanne Traut vom Kreissportbund weiter. "Das sind genau solche Menschen, denen wir unendlich dankbar sind. Was sie für uns getan haben", holt Schuchmann zur Lobeshymne aus ...

Dabei haben er als Cheforganisator und sein Arbeitgeber, die Prysmian GmbH in Neustadt, auch zwei große Aktien am Erfolg des Kriteriums. "Wir hätten uns eine Rundenanzeige für gut 800 Euro anschaffen müssen", erklärt der Macher vom RSV. "Da habe ich mal vorsichtig bei uns in der Firma angefragt. Die Elektroniker haben das hinbekommen", freut sich Schuchmann über das große schwarze Display mit den rot leuchtenden Zahlen.

Als diese Tafel die letzte Runde des Tages einläutet, ist es kurz vor 17 Uhr. Zwar bringt nun der Schatten etwas Abkühlung, die Stimmung im Ziel heizt sich dennoch auf. U23-Ass Maximilian Möbis (BSV AdW Berlin) hat im Zielsprint nicht die Nase vorn, dafür zuvor die meisten (Geld)Prämien gewonnen und damit auch die Erstauflage des Kriteriums "Rund um das Sonneberger Rathaus", das mit einem Novum endet: Sieben Stunden Radsport, auch am Ende vom Allerfeinsten, aber kein einziger Sturz. Dieses Spektakel schreit nach einer Neuauflage ...

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Lars Fritzlar
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Veröffentlicht am:
22. 08. 2018
10:28 Uhr

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Lars Fritzlar

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Veröffentlicht am:
22. 08. 2018
10:28 Uhr



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