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Suhl/ Zella-Mehlis

Stadt Suhl zieht ab sofort alle Leinen an

Wann passiert es schon mal, dass ein Justizminister persönlich in einer Redaktion anruft? Am Abend stattete er der Suhler Verwaltung einen Besuch ab, um sich über die Lage in der Erstaufnahmeeinrichtung zu informieren.



Stühle hoch: So wie alle anderen Kindergärten der Stadt Suhl hält auch die Kita Tausendfüßler nur noch eine Notgruppe offen. Foto: frankphoto.de
Stühle hoch: So wie alle anderen Kindergärten der Stadt Suhl hält auch die Kita Tausendfüßler nur noch eine Notgruppe offen. Foto: frankphoto.de  

Suhl - Die Informationen, die im Zusammenhang mit Corona stehen, überschlagen sich. In solchen Zeiten greift auch mal ein Minister persönlich zum Telefonhörer, um Dinge aufzuklären. Später am Tag stattete Dirk Adams der Verwaltung in Suhl persönlich einen Besuch ab. Der Grund: Vorkommnisse in der Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) auf dem Friedberg.

Zahlenmaterial mit Stand Montagabend

In der Stadt Suhl gibt es:

einen bestätigten Fall in der EAE

zwei Verdachtsfälle in der Isolierstation der EAE

15 Mitarbeiter der EAE in häuslicher Quarantäne

auf dem Gebiet der Stadt keinen bestätigten Corona-Fall

einen Verdachtsfall

18 Personen in Quarantäne

 

Brand angedroht

 

Wolfgang Nicolai, Leiter der Landespolizeiinspektion Suhl, schilderte, dass die Quarantäne im Haus nicht gerade auf Gegenliebe gestoßen sei. Mehrere junge Männer hätten versucht, über den Zaun zu steigen. "Es wurde sogar angedroht, die Einrichtung in Brand zu stecken", gab er zu Protokoll. Zudem seien Gullydeckel entfernt worden, um zu sehen, ob man über die Kanalisation in die Stadt gelangen könne. "Am Dienstag, um 11.40 Uhr, waren vor dem Haupttor circa 30 Personen, vor allem aus Georgien und den Maghreb-Staaten. Sie wollten das Tor überwinden und legten aggressives Verhalten an den Tag. Vor allem Kinder wurden in der ersten Reihe postiert", schilderte der Beamte die Vorgänge im Haus. Die Gruppe habe zudem teilweise die Esseneinnahme der Bewohner verhindert. Das alles sorgte für einen Polizeieinsatz. "Zur Zeit ist die Ordnung wieder hergestellt", versicherte Nicolai.

Der Thüringer Justizminister Dirk Adams sicherte eine schnelle Lösung zu, damit es nicht zu wiederholten Ausschreitungen kommt. "Oberstes Ziel ist der Schutz vor der Infektion für die Suhler, die Bediensteten und die Bewohner", erklärte der Minister. Ihm ist aber auch daran gelegen, falsche Behauptungen, die im Umlauf sind, auszuräumen. So habe das Gerücht die Runde gemacht, dass an die Bewohner EAE, im Zuge der Quarantäne, Zigaretten verteilt worden seien. "Stimmt", sagt Dirk Adams. "Aber das waren keine Geschenke. Ein Lkw hat die Zigaretten angeliefert u nd verteilt. Diese haben die Bewohner im Gegenzug für das noch ausstehende Taschengeld erhalten". Künftig wolle man prüfen, ob es möglich sei, einen kleinen Laden auf dem Areal einzurichten.

Momentan sind 533 Bewohner in der EAE untergebracht. Mit der Suhler Amtsärztin sei man in Verhandlung, einen Teil von ihnen in andere Einrichtungen zu verlegen, um die Quarantäne ordentlich zu ermöglichen, versicherte Adams. Im Übrigen machte er noch einmal deutlich klar, dass sich der nachweislich Infizierte Corona-Patient weiterhin auf dem Gelände befindet.

Weitere Verschärfung

Nicht nur dieses Thema war bestimmend an diesem Montag im Suhler Rathaus. Rund 400 Anrufe haben die städtische Hotline erreicht. Dabei ging es hauptsächlich um die Frage der Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in bestimmten Berufsgruppen tätig sind. Oberbürgermeister Knapp sicherte zu: "In der Stadt werden, Stand heute, alle Kindergärten weiter offen bleiben. Wir wollen erst mal sehen, welche Bedarfe sich je Einrichtung ergeben".

Zudem gab er eine öffentliche Verfügung bekannt, wonach alle Veranstaltungen, Versammlungen und Zusammenkünfte in der Stadt untersagt sind. "Nicht betroffen, aber mit Auflagen verbunden, sind Gaststätten", erklärte er weiter. Allerdings kündigte er an, dass spätestens am Mittwoch mit weiteren Verschärfungen zu rechnen sei. Aber alle Geschäfte und Einrichtungen, die lebensnotwendige Bedarfe absichern, können vorerst geöffnet bleiben. Dazu gehören unter anderem Lebensmittelmärkte, Apotheken, Drogerien, Tankstellen und Sparkassen.

Speziell auf das SRH-Zentralklinikum kam André Knapp sehr deutlich zu sprechen. "Hier gibt es keine Abstrichsprechstunde", sagte er. Wer sich krank fühlt und möglicherweise mit Corona-Verdachtspersonen in Kontakt war, der solle sich unbedingt an 11 61 17 wenden. Dort wird nach Abklärung eine Abstrichstelle zugewiesen. Zudem mahnte der Oberbürgermeister eindringlich: "Bitte verzichten sie auf Besuche im Klinikum".

Auch der Rettungsdienst sei ausreichend vorbereitet, versicherte Knapp. Aber er bemängelte fehlende Schutzausrüstung. Und: Nachdem am Montag eine an Corona erkrankte Patientin aus dem Landkreis Hildburghausen ins SRH-Zentralklinikum eingeliefert worden sei, habe man den Rettungswagen komplett desinfiziert. Die beiden Mitarbeiter des Rettungsdienstes seien durch das Gesundheitsamt Hildburghausen in Quarantäne geschickt worden.

Altes Rathaus geschlossen

Eine weitere Botschaft hatte André Knapp im Gepäck: Wer ins alte Suhler Rathaus kommen möchte, der wird seit heute bereits am Eingang abgewiesen. Im Neuen Rathaus ist ein Notbetrieb für das Bürgeramt eingerichtet. "Der Zugang wird auf zwölf Personen beschränkt", kündigte der Suhler OB an. Bei wichtigen Gängen ins Rathaus sei es jedoch angeraten, sich vorher telefonisch abzustimmen. Und schließlich werden auch noch alle Fahrstühle im neuen Rathaus abgestellt.

Autor

Doreen Fischer
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Veröffentlicht am:
17. 03. 2020
00:00 Uhr

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Doreen Fischer

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17. 03. 2020
00:00 Uhr



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