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Schmalkalden

Der Herr der Hügel wird das Tier des Jahres

Bei den Tieren des Jahres geht es drunter und drüber. Während der NABU die hoch fliegende Turteltaube gekürt hat, ist die Wahl der Deutschen Wildtier-Stiftung echt unterirdisch: Sie entschied sich für den Maulwurf.



Der Maulwurf, den die Deutsche Wildtier-Stiftung zu ihrem Tier des Jahres 2020 gekürt hat, ist auch hierzulande verbreitet. Thomas Haase von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen erläutert, warum der kleine Buddler unter Schutz steht.	Fotos (2): dpa
Der Maulwurf, den die Deutsche Wildtier-Stiftung zu ihrem Tier des Jahres 2020 gekürt hat, ist auch hierzulande verbreitet. Thomas Haase von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen erläutert, warum der kleine Buddler unter Schutz steht. Fotos (2): dpa   Foto: dpa » zu den Bildern

Schmalkalden - In den Schmalkalder Gärten scheint er, seiner Bautätigkeit nach, haufenweise vorzukommen: Der Maulwurf, jener niedliche kleine, schwarze Landschaftsgestalter, der viel Erde aufwirft. Doch der unübersehbare Arbeitsnachweis ist kein Beleg für sein massenhaftes Auftreten. "Maulwürfe haben 200 bis 500 Quadratmeter große Reviere", sagt Thomas Haase von der unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt Schmalkalden-Meiningen.

"Manche Menschen denken, dass sie eine ganze Kolonie der Tiere im Garten haben. Aber am Ende ist es oft nur ein einziger Maulwurf, der übrigens auch ein Einzelgänger ist."

Gleichwohl finden die Männchen natürlich Möglichkeiten, die Weibchen anzubaggern, irgendwie zusammenzukommen. "Und wenn sich die Jungen von der Mutter entfernen, werden die auch den einen Landgang unternehmen", so Haase.

Schätzungen oder gar Zählungen zu den Populationen gibt es nicht, zumindest liegen bei der Wildtierstiftung keine vor. Er ist von keiner Statistik erfasst. Dass der Maulwurf zum Aufsteiger des Jahres 2020 wurde, hängt mit den Spendern zusammen. "Die treffen nämlich auf Basis mehrerer Vorschläge die Auswahl", berichtet Stiftungssprecherin Jennifer Calvi. Der Maulwurf hat übrigens das Rennen unter anderem gegen den Schneehasen gemacht. Fast wie der Igel, der in der Lüneburger Heide einst den Feldhasen den großen Wettlauf lieferte. Das Tier des Jahres 2019 ist das Reh.

"Es geht gar nicht um besondere, selten gewordene Arten, um bedrohte oder besonders wertvolle Tiere", erklärt Sprecherin Calvi. "Jedes Tier ist auf seine Weise kostbar für die Natur. Und jedes Tier hat es verdient, dass es mal in den Vordergrund rückt, wie jetzt der Maulwurf." Der komme übrigens flächendeckend in Deutschland vor - folglich auch im Kreis Schmalkalden-Meiningen. Von Abwesenheitsnotizen in der Region ist nichts bekannt.

200 Meter lange Stollen

Der höchstens 22 Zentimeter große Maulwurf legt eine beachtliche Lebensleistung an den Tag. Mit seinen Grabscheiten schaufelt er bis zu 200 Meter lange Stollen. Tagtäglich unternimmt er mehrere Patrouillengänge durch seine tiefergelegte Wohnung, die bis zu einem Meter unter der Grasnarbe liegen kann. Dabei klaubt er vorzugsweise Gewürm zusammen, das von der Decke gefallen ist. Der Kellermeister ist ein Fleischkonsument. "Er nimmt keine pflanzliche Nahrung zu sich", sagte Experte Haase.

Dass der putzige Bursche einst als Reißteufel galt, der angeblich Wild erlegte, wirkt schon angesichts seines schmächtigen Körperbaus als haarsträubend. Doch möglicherweise sahen einige Händler ihre Felle ohne diese Mär davonschwimmen. Der Maulwurf war, so kurios das klingt, ein begehrtes Pelztier. Ganze Mäntel wurden zusammengenäht. Heute ist das strafbar, wer es doch täte, bekäme juristisch das Fell gegerbt. "Die Mäntel gibt es noch, aber nur als Antiquitäten", sagt Haase. "Der Maulwurf ist schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts unter Schutz gestellt worden und heute ist das auch noch so."

Denn es gebe immer mal wieder Anfragen im Landratsamt, ob man denn nicht eine Ausnahme machen könne und gestattete, einen Maulwurf zu bekämpfen. Der mache schließlich den schönen Rasen kaputt, richte durch den Erdbau erhebliche optische Schäden an.

"Wir erteilen keine Genehmigungen, einen Maulwurf zu töten", so Haase. Es gibt aber Ausnahmen, etwa, wenn er durch seine Schaffenskraft Fußballfelder umpflügt. "Dann ließe ich mit mir reden, um ihn vielleicht zu fangen", sagte der Fachmann. Aber zuvor müsse man versuchen, ihn mit bestimmten Mitteln zu vergrämen. Die strömen einen Duft aus, der ihm nicht behagt; der Maulwurf macht sich vom Acker. Doch sehr oft ist der Maulwurf gar kein Maulwurf, sondern ein anderer tierischer Gräber. Die Schermaus, die ebenfalls in Gärten unterwegs ist und in der Pflanzenwelt ihr zerstörerisches Werk verrichtet. Die Nager bilden ganze Clans, fressen Blumen & Co. von unten an.

Der Fachmann erkennt bei Inaugenscheinnahme an Ort und Stelle, wer hier schaufelt. Der Maulwurf errichtet kegelförmige Bauten mit Löchern in der Mitte. Die Maus, die übrigens nicht unter Naturschutz steht und gefangen werden darf, schippt mehr zur Seite weg. Für Laien sei das nicht immer so einfach erkennbar, so Haase. "Ich bitte ausdrücklich, sich immer zu vergewissern, um welches Tier es sich handelt", so Haase. "Sprengmittel oder ähnliche Substanzen einzusetzen, geht in keinem Fall. Es mit dem Vergrämen zu versuchen, ist immer gut."

Der Naturschutzbund Nabu, der jedes Jahr einen Federkleidträger zum "Vogel des Jahres" erhebt, findet die Auswahl der Kollegen passend. "Man kann sich über einen Maulwurf einfach nur freuen. Seine Anwesenheit zeigt, dass es im Boden zahlreiche Kleinlebewesen gibt, die er als Nahrung nutzt, und der Boden ökologisch gesund ist", sagte Jürgen Ehrhardt vom Nabu Thüringen der Lokalredaktion. Er bezeichnet den Maulwurf liebevoll als "Erdwerfer". Obwohl er unter Schutz stehe, werde ihm nachgestellt und oft wird er sogar getötet. "Die Wahl zum Tier des Jahres hat er mehr als verdient. Auch wenn ihn Gartenbesitzer wegen seiner Haufen nicht gerade lieben - er vertilgt jede Menge Schnecken, Engerlinge, Schnakenlarven und ist ein Nützling im Garten", so Ehrhardt.

Und wenn der Herr der Hügel mal wieder mächtig aufgetragen hat? Dann solle man das alles ganz locker nehmen, findet Stiftungssprecherin Calvi. Die ganze Sache dürfte sich biologisch relativ rasch erledigen. Maulwürfe werden höchstens drei Jahre alt. "Und die seien ihm doch wenigste ns gegönnt, oder?"

Autor

Thomas Heigl
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 11. 2019
17:34 Uhr

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Autor

Thomas Heigl

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Veröffentlicht am:
24. 11. 2019
17:34 Uhr



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