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Ilmenau

Corona: Enders für hartes Durchgreifen

Die Unterbringung von Flüchtlingen aus der Suhler Erstaufnahme im Ilm-Kreis empört Landrätin Petra Enders. Dies binde wertvolle Ressourcen. Die Bevölkerung forderte Enders auf, den Ernst der Lage zu erkennen.



Im Gebäudekomplex vor dem Strafvollzug in Arnstadt befindet sich die Arrestanstalt, in der die 25 Flüchtlinge aus der Erstaufnahme Suhl untergebracht sind. Foto: ED
Im Gebäudekomplex vor dem Strafvollzug in Arnstadt befindet sich die Arrestanstalt, in der die 25 Flüchtlinge aus der Erstaufnahme Suhl untergebracht sind. Foto: ED   » zu den Bildern

Die 25 Flüchtlinge aus der Landeserstaufn ahmestelle Suhl sind seit Dienstag in der Arrestanstalt, die vor den Toren der Jugendstrafanstalt in Arnstadt gelegen ist, untergebracht. Diese hatten sich den nach einem positiven Corona-Test verhängten Quarantänebestimmungen in der Einrichtung auf dem Suhler Friedberg widersetzt. Ein Sondereinsatzkommando hatte sie aus der Einrichtung geholt und nach Arnstadt verbracht. Auch im Ilm-Kreis sorgen sie nun weiter für Ärger. Landrätin Petra Enders (Linke) forderte am Freitag das Land Thüringen zu umgehenden Handeln auf.

"Sechsmal mussten wir den Rettungswagen einsetzen, fünfmal einen Notarzt hinschicken. Siebenmal waren niedergelassenen Ärzte dort." Da die Männer auch in Arnstadt unter Quarantäne stehen, heißt das jedes Mal, das komplette Protokoll zu wahren. Der Rettungswagen muss im Anschluss desinfiziert werden. Das dauere, so Enders, vier Stunden. Eine lange Zeit, in der die Technik nicht für Einsätze zur Verfügung steht.

Drei Männer wurden in den letzten Tagen in die Notaufnahme der Ilm-Kreis-Kliniken gebracht, zwei umgehend, einer am nächsten Tag wieder entlassen. Dabei habe es sich nicht um Corona-Verdachtsfälle gehandelt, betonte Petra Enders. Vielmehr hätten die Männer auf diese Weise versucht, der Quarantäne zu entkommen. Einer soll dafür sogar Plastikstücke gegessen haben.

Was Petra Enders besonders ärgert, in einem Fall habe die Polizei den Flüchtling im Krankenhaus abgeliefert und sei umgehend verschwunden, statt ihn weiter zu bewachen. Es fehlte in der Arrestanstalt an Dolmetschern aber auch an einem Arzt vor Ort. Letzterer, so habe sie gehört, sei wohl jetzt da, meinte Petra Enders. Mehrere Schreiben ans Land, dass es so nicht weitergehen könne, seien bislang unbeantwortet geblieben.

"Es geht um klare Zuständigkeiten", so Petra Enders weiter. Für die Flüchtlinge sei nach wie vor das Landesverwaltungsamt zuständig, für alle Gesundheitsfragen das Gesundheitsamt in Suhl. Das Ganze binde jetzt ungeheure personelle Ressourcen im Ilm-Kreis, verbrauche Schutzmaterialien, die man später womöglich noch für tatsächlich Erkrankte dringend benötigen würde.

"Die Flüchtlinge sollten unters Strafrecht gestellt werden. Dann könnten sie ins Justizkrankenhaus Leipzig gebracht werden, wo sie auch die notwendige Bewachung bekämen", fordert Enders deshalb vom Land.

Empfindliche Strafen

Auch gegenüber ihrer eigenen Bevölkerung schlugt die Landrätin am Freitag härtere Töne an. "Wir werden jetzt hart gegen diejenigen durchgreifen, die sich nicht an die Verfügungen halten", betonte sie. Mit den Ordnungsämtern der Städte und Gemeinden wie auch mit der Polizei seien stärkere Kontrollen vereinbart worden. Wer also noch immer im Park Corona-Partys feiert oder in größeren Gruppen auf dem Spielplatz sitzt, muss nun mit empfindlichen Geldstrafen rechnen.

"Das können auch tausend Euro und mehr sein", kündigt Enders an. Ebenso würden Geschäfte und Restaurants kontrolliert. Wer unberechtigt auf hat, dem erwartet eine Strafanzeige. Noch stehe der Ilm-Kreis bei den Corona-Fallzahlen gut da, "aber die werden auch bei uns steigen. Damit wir die Kurve möglichst flach halten können, ist es unbedingt notwendig, dass sich die Bürgerinnen und Bürger jetzt endlich auch an die Anweisungen halten. Das ist kein Spaß mehr", so Enders.

Unbedingt einzuhalten sei auch die am Donnerstagnachmittag erlassen Allgemeinverfügung für Reiserückkehrer. Bürger, die sich in den letzten 14 Tagen im Ausland aufgehalten haben, haben sich für 14 Tage in häusliche Quarantäne zu begeben. Gezählt wird dabei vom Tag der Ankunft an. Zudem müssen sich die Betroffenen umgehend beim Gesundheitsamt melden. (Hotline: 03628/73 88 88 oder www.ilm-kreis.de)

Viele Kontaktpersonen

Für eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus im Ilm-Kreis könnte Fall vier sorgen, der am Donnerstag ermittelt worden war. Eine 52-jährige Frau war von einer Reise aus Ägypten zurückgekehrt. Mittlerweile habe man, so erklärte Petra Enders am Freitag, 30 Kontaktpersonen ermittelt. Eine davon wurde bereits positiv auf das Virus getestet. Dabei handele es sich um einen 80-jährigen Mann. Dieser selbst habe keine weiteren Sozialkontakte. Dem Mann soll es wie allen vier zuvor Infizierten gut gehen. Auch er kann in häuslicher Quarantäne verbleiben. Stand Freitagmittag muss niemand wegen einer Covid-19-Erkrankung in den Ilm-Kreis-Kliniken behandelt werden.

Gerüchte sorgen für Unmut

Nach dem Mitte dieser Woche bekannt gewordenen Fall einer Urlaubsrückkehrerin und positivem Test auf Corona in der Landgemeinde Stadt Großbreitenbach gibt es dort deutliches Unverständnis in der Öffentlichkeit über die dieser Person unterstellte Verhaltensweise. Sie soll nach Rückkehr weiter zur Arbeit gegangen sein und soziale Kontakte gepflegt haben. Das habe in Teilen der Bevölkerung für Entsetzen und Verärgerung gesorgt, teils sei gefordert worden, diesen Ortsteil der Landgemeinde abzuriegeln, wurde Freies Wort aus der Region zugetragen. Landgemeinde-Bürgermeister Peter Grimm, der um entsprechende Äußerungen weiß, sagte darauf angesprochen, Schuldzuweisungen, ob gerechtfertigt oder nicht, nützten niemandem. Er bitte um Mäßigung. Es seien alle nötigen Maßnahmen vom Gesundheitsamt eingeleitet, alle Kontaktierten zu finden.

Autor

Berit Richter, Thomas Klämt
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Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
15:18 Uhr

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Berit Richter, Thomas Klämt

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Veröffentlicht am:
20. 03. 2020
15:18 Uhr



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