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Feuilleton

"Ich bleibe in Meiningen"

Mit einem Sommerfest beendet das Meininger Theater morgen die Spielzeit. Es war die Vor-Vorletzte für Intendant Ansgar Haag. Ganz verlieren wird ihn das Theater aber nicht: "Ich bleibe in Meiningen", sagt er. Auch einmischen will er sich weiterhin.



Intendant Ansgar Haag zieht zufrieden Bilanz der zu Ende gehenden Spielzeit. Noch zwei Jahre wird er das Meininger Theater leiten. Foto: ari
Intendant Ansgar Haag zieht zufrieden Bilanz der zu Ende gehenden Spielzeit. Noch zwei Jahre wird er das Meininger Theater leiten. Foto: ari   Foto: ari

Welcher Künstler ist nicht eitel? Das gehört dazu, wenn man etwas zustande bringt, was anderen gefallen soll. Auch Ansgar Haag, dem Intendanten des Meininger Theaters, ist Eitelkeit nicht fremd. Aber er konnte sie in den 14 Jahren, die er nun schon in Meiningen ist, immer dann gut verbergen, wenn es um ihn persönlich ging. Auch am Ende dieser Spielzeit ist das so, wo doch vor allem darüber zu reden wäre, dass die Endlichkeit seines Daseins auf dem Chefposten des Theaters nun nicht mehr nur irgendwie näher rückt, sondern per Stiftungsrats-Beschluss ein Datum kennt: Am 31. Juli 2021, in zwei Jahren also, wird Ansgar Haag als Intendant des Meininger Theaters in Ruhestand gehen. Solches gelang kaum einem seiner Vorgänger - womöglich, man müsste einmal nachschauen in den Annalen des Theaters - ist er sogar der Erste und Einzige.

Neues Publikum generiert

Doch darüber reden möchte Ansgar Haag zunächst nicht. Zunächst treibt ihm die künstlerische Bilanz der zu Ende gehenden Spielzeit um. Der Spielplan sei, sagt er, interessanter gewesen als in anderen Jahren. Er habe Publikum nach Meiningen geführt, das sonst nicht gekommen wäre. Zum Beispiel mit seiner eigenen Inszenierung der Schoeck-Oper "Das Schloss Dürande". In den Feuilletons sei darüber zwiespältig berichtet worden, gibt Ansgar Haag zu. Das grämt ihn - zumindest öffentlich - nicht. Der Intendant konnte mit Kritik schon immer sportlich umgehen. Für ihn zählt der Anreiz für ein potenzielles Kultur-Publikum, das Meiningen bislang noch nicht auf dem Schirm hat. Er weiß: Das Theater wird in Zukunft auch auf dieses Publikum angewiesen sein.

Den Intendanten drängt es auch, über den Erfolg der mehr unterhaltsamen Stücke zu reden: "Evita", "Blues Brothers" oder "Das Schwarzwaldmädel". "Wir hatten Glück", sagt Haag, "das hat gut funktioniert". Ein ums andere mal sind die Vorstellungen ausverkauft. Das Theater braucht diese Einnahmen, um Luft zu haben für die Kunst, die weniger Publikum findet. Für Roxane Kasperski zum Beispiel. Die Französin spielte während der Theaterfestwoche im April in der Marivaux-Adaption: "Die doppelte Unbeständigkeit". Eine Künstlerin, die dem Intendanten aufgefallen ist. "Sie schreibt auch Stücke", erzählt er. Eines davon heißt: "Meine verrückte Liebe". Das will er, im November, als Deutsche Erstaufführung zusätzlich in den Meininger Spielplan aufnehmen.

"Nachhaltige Ergebnisse" nennt Haag solche Nachwirkungen der Festwoche. Trotz mancher Streitigkeiten vor und hinter den Kulissen - etwa über Sinn und Zweck von Symposien: Für ihn zählen die herausragenden Gastspiele der internationalen Künstlertruppen. "Das war eine Herausforderung für das Publikum, aber wir hatten bei den Vorstellungen rund 76 Prozent Platzausnutzung." Eine Zahl, die Ansgar Haag nicht ohne Stolz nennt. Daran will er unbedingt anknüpfen - schon in der kommenden, seiner vorletzten Spielzeit. Im Frühjahr 2020 möchte er eine kleine Festwoche mit Schauspiel, Musik - und der Opern-Uraufführung "Gespenster" nach Ibsen den Norwegern widmen - schon der Theaterherzog hatte für die nordische Dramatik bekanntlich eine Leidenschaft.

Die kommende Spielzeit ist eine Zeit der Abschiede und Neuanfänge. Nicht nur, weil Ansgar Haag darüber nachdenken muss, wie er sich 2020/21 als künstlerischer Impulsgeber von seinem Publikum verabschiedet. Auch andere werden gehen - zumindest als Mitarbeiter des Hauses: Hans-Joachim Rodewald etwa, der mit John Gabriel Borkmann noch einmal eine große Rolle bekommt. Oder Maria C. Zoppeck, die Leiterin des Puppentheaters. Die hatte immer wieder und zuletzt wohl auch ein wenig frustriert auf das Nischendasein ihrer Sparte am Haus hingewiesen. Ansgar Haag hat das öffentlich nie kommentiert - wohl aber registriert. Ob das Puppentheater eine Zukunft hat, entscheidet ohnehin nicht er alleine, sondern die Kulturstiftung. Und die gab jüngst grünes Licht für eine Wiederbesetzung: Kora Tscherning, Spartenleiterin Figurentheater an der Sächsischen Landesbühne, wird ab September 2020 in Meiningen sein. Eine "taffe Frau", die ideal für das Haus sei, meint Haag. Auch ausgebildete Puppenspieler will der Intendant neu verpflichten.

Die kultur- und kommunalpolitischen Einmischungen Ansgar Haags haben der Stadt oft zum Vorteil gereicht. So etwa bei den Kammerspielen, die er energisch forderte - und bekommen hat. Eine Spielstätte, die heute nicht mehr wegzudenken ist und auch von jenen, die einst noch dem "Georgi‘s Off" auf der Großen Probebühne nachhingen, längst akzeptiert ist. Nun geht es für Ansgar Haag darum, die Kammerspiele auch in Besitz des Theaters zu bringen. Denn das Haus ist bislang nur angemietet. Dafür möchte er in den kommenden beiden Jahren kämpfen.

Parkplätze müssen bleiben

Und er hat eine klare Meinung - etwa wenn parallel zum Sommerfest morgen Abend eine "MDR Jump Dance Night" im Volkshaus startet. Was für ihn nicht nur ein Problem der Parkplätze ist, sondern mindestens ein unfreundlicher Akt gegenüber dem Theater. Den Einwand, da gingen doch nur junge Leute hin, will er nicht gelten lassen: "Auch das Theater-Sommerfest machen wir für junge Leute."

Die Absicht der Stadt, den Volkshausplatz einem Autohaus-Betreiber zu verkaufen oder zu verpachten, kommentiert Ansgar Haag bissig: "Das ist Kapitalismus pur und das geht so nicht." Einen Volkshaus-Platz sollte man schon dem Volk lassen, findet er. Und: "Kultur muss ausreichend Parkplätze haben - auch kostenlose". Seine Rechnung: Wer hier parkt, der verweilt länger in der Stadt. Läuft die Parkuhr, hat der geneigte Kultur-Tourist womöglich keine Zeit mehr für ein Stück Kuchen im Hessensaal, einen Abstecher ins Theatermuseum, einen längeren Museumsbesuch oder einen Parkspaziergang. Und das, so Haag, kann die Stadt nicht ernsthaft wollen.

Nun also läuft die Uhr für Ansgar Haag. "Ich bin sehr glücklich, bis zu meiner Rente am Theater bleiben zu dürfen, sagt er. Und kündigt an: "Ich werde auch danach in Meiningen wohnen". Eine Inszenierung in seinem Ruhestand hat ihm die Kulturstiftung bereits versprochen. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass es dabei um Richard Wagner gehen wird. Zusammen mit Philippe Bach will er inszenieren. Den Vertrag des Meininger GMD hat die Kulturstiftung übrigens bis zum Sommer 2022 verlängert. Dann wird man weitersehen.

Auch wenn die Ära Haag am Meininger Theater noch nicht zu Ende ist: Die ersten Interessenten für die Intendanz haben sich bereits gemeldet. Die Zeitenwende wird kommen - man muss sich darauf einstellen.

Autor

Peter Lauterbach
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
11. 07. 2019
12:34 Uhr

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Peter Lauterbach

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11. 07. 2019
12:34 Uhr



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