Lade Login-Box.
Topthemen: Südthüringen kocht 2020Freies Wort hilftFolgen Sie uns auf InstagramSport-Tabellen

Bad Salzungen

"Länder und Landkreise sind gefordert"

Die beiden ehrenamtlichen Vorstände Eberhard Fennel und Berthold Jost sprechen über die schwierige finanzielle Situation der Point Alpha Stiftung.



Die mit Personal besetzten Kassen könnten in besucherschwachen Jahreszeiten durch Automaten ersetzt werden, so eine Überlegung der Stiftung.
Die mit Personal besetzten Kassen könnten in besucherschwachen Jahreszeiten durch Automaten ersetzt werden, so eine Überlegung der Stiftung.   Foto: Foto: Hartmut Zimmermann » zu den Bildern

Geisa/Rasdorf - Mehr als ein Jahr nach dem Rücktritt von Point-Alpha-Stiftungsdirektorin Ricarda Steinbach ist der Posten immer noch unbesetzt: Es ist kein Geld dafür da. Stattdessen versuchen nun Dr. Eberhard Fennel und Berthold Jost ehrenamtlich, die desaströse finanzielle Situation in den Griff zu bekommen. Wie sie das schaffen wollen, welche Ideen sie haben und bis wann sie mit einer neuen Geschäftsleitung rechnen, erläutern sie in einem Gespräch.

Weitere geplante Maßnahmen

Marketingkonzept

Die 2017 gegründete Rhön GmbH, die sich um die Neuausrichtung des Rhön-Tourismus kümmert und dessen Geschäftsführer Thorn Plöger im Beirat sitzt, soll ein Marketingkonzept für die Gedenkstätte entwickeln. Ziel ist es, die zuletzt gesunkenen Besucherzahlen wieder zu steigern.

Kassen

In der Gedenkstätte müssen wegen ihrer zwei Einrichtungen, des US-Camps und des Hauses auf der Grenze, zwei Kassen besetzt werden - eine hohe personelle Belastung. In den weniger besucherstarken Monaten könnte eine Kasse daher durch einen Automaten ersetzt werden.

Café

Wer am Grünen Band entlangwandert oder Rad fährt und in das im US-Camp liegende Café einkehren will, muss derzeit Eintritt für die Gedenkstätte bezahlen. Es gibt daher Überlegungen, für das Bistro einen eigenen Eingang zu schaffen.

Ausstellung

Erst kürzlich wurden Fahrzeuge, darunter Jeeps und Panzer, restauriert. Eine der nächsten Maßnahmen in der Ausstellung soll die historisch korrekte Rekonstruktion der Grenzanlagen sein. Auch bei den US-Lkw besteht Handlungsbedarf.

 

Seit Frühjahr des vergangenen Jahres gehört Fennel dem Vorstand der Point Alpha Stiftung ehrenamtlich an, Jost seit Juni 2018. Langweilig wird es den beiden Pensionären nicht - 20 bis 30 Stunden in der Woche arbeitet jeder von ihnen für die Gedenkstätte. Fennel, der in seiner Amtszeit als Hünfelder Bürgermeister nicht mal einen Computer hatte, schreibt jetzt um Mitternacht noch E-Mails, berichtet Jost. "Wir sind mit Volldampf dabei, verschiedene Maßnahmen umzusetzen", erklärt Fennel.

 

Zentrales Problem sei die "dramatische Unterfinanzierung", stellt der 70-Jährige fest. Während es früher jährliche Zinserträge in Höhe von 400.000 Euro gab, liegt die Summe heute bei um die 185.000. "Und das wird noch weniger werden", prophezeit Jost. Auch die wichtigen Einnahmen aus der Gedenkstätte sinken: Besuchten früher noch 90.000 Menschen jährlich Point Alpha, waren es im vergangenen Jahr nur 74.000. Gleichzeitig steigen die Kosten, zum Beispiel für Mitarbeiter, die bisher "bescheiden bezahlt" worden seien. "Aber wenn wir Leistungsträger gewinnen und halten wollen, brauchen wir mehr Geld", betont Fennel. Daher seien die Gehälter bereits um acht Prozent erhöht worden, es habe auch einen "kleinen Einstieg ins Weihnachtsgeld" gegeben, berichtet Fennel. Künftig soll die Bezahlung aber differenzierter, eher aufgaben- und leistungsorientiert ausfallen.

Um die Attraktivität der Gedenkstätte zu erhalten, müssen allerdings auch Investitionen getätigt werden, zum Beispiel in die Verbesserung der IT-Infrastruktur, insbesondere aber in die Ausstellungen. Dafür wurden Anträge auf Fördermittel gestellt, ein Programm könnte dabei 160.000, ein anderes 130.000 Euro bewilligen. Zum Beispiel sollen noch Lkw restauriert und die Grenzanlagen historisch korrekt rekonstruiert werden. Aber auch viele kleine Maßnahmen gehen Fennel und Jost an: die Anschaffung von Klappstühlen für ältere Menschen am Weg der Hoffnung zum Beispiel oder ein Toilettenhäuschen, das 37 Euro in der Woche kostet, für den Mitarbeiter an der US-Camp-Kasse.

Die beiden Vorstände haben sich allerdings auch auf die Suche nach Möglichkeiten der Kosteneinsparung begeben. "Wir haben geschaut, wo wir wirtschaftlicher sein können", sagt Fennel. Auch hier rücken die Kassen in den Fokus: Sowohl im Camp als auch im Haus auf der Grenze gibt es jeweils wegen des personellen Aufwands "eine ungünstige Situation", sagt Fennel. Geplant ist daher ein "digitalisiertes System" im Camp, zumindest an den kalten Tagen im Winter, wenn nur 10 bis 20 Besucher gezählt werden.

Die Einsparungen betreffen insbesondere auch den Akademiebetrieb, dessen Aufgaben kürzlich gesplittet wurden: Für den Bildungsbetrieb zeichnet nun die Stiftung verantwortlich, für den gewerblichen Bereich der Tagungsstätte mit der Gastronomie die Stadt Geisa. Wie Fennel berichtet, soll die "Flut von Seminaren" deutlich reduziert werden; stattdessen will man sich auf "wertige Angebote" konzentrieren. Zudem gibt es positive Nachrichten: Es gibt mehr Geld von der Bundeszentrale für politische Bildung, ebenso von den Landeszentralen. Auch die gut funktionierende Kooperation mit der Akademie Burg Fürsteneck werde sich jetzt zum ersten Mal finanziell lohnen.

Auch wollen die beiden weitere Anreize bieten und "mundgerechte" Angebote machen, um Besucher zu gewinnen. Point Alpha könnte interessant für Betriebsausflüge und für Naturerlebnisveranstaltungen für Kinder sein, glauben Fennel und Jost. Vor allem richten sie ihren Blick aber auf Schulen: Auf hessischer Seite seien die Schülerzahlen stabil, zumal im kommenden Jahr das Land die Museums-Eintrittsgelder für Schüler übernehme. "Thüringen ist das Sorgenkind", sagt Fennel. Dafür gebe es mehrere Gründe: Das Land habe schon viele Gedenkstätten, Point Alpha befinde sich in einem bevölkerungsschwachen Umkreis, und häufig werde die Einrichtung von vielen in den "neuen Bundesländern" als "Gedenkstätte der Sieger" gesehen, glaubt Fennel. Daher sind Gespräche mit den thüringischen, aber auch den hessischen Schulamtsleitern, die alle Mitglieder im Point Alpha Beirat sind, geplant.

Dennoch werden alle diese Anstrengungen nicht ausreichen. Es gebe zwar ein finanzielles Polster, sagt Fennel, aber das sei in spätestens zwei bis drei Jahren aufgebraucht. "Es besteht die zwingende Notwendigkeit, dass wir Hilfe erhalten." Die beiden Vorstände haben konkrete Vorstellungen, woher die kommen soll: "Erstens von den Ländern, zweitens von den Landkreisen." Die beiden Kommunen Rasdorf und Geisa unterstützten die Stiftung bereits nach allen Möglichkeiten, bei den anderen Ebenen sei aber noch "Luft nach oben", unterstreicht Fennel. Aber es tut sich auch schon was: Im Haushaltsentwurf für das Jahr 2020 habe die hessische Landesregierung Mittel für Point Alpha veranschlagt. Und die sollen auch für eine neue Geschäftsleitung verwendet werden, die vom Land abgeordnet werden könnte. Die Stelle soll, so die Hoffnung von Fennel und Jost, spätestens zum 1. Oktober dieses Jahres besetzt werden und später, wenn der Haushalt verabschiedet und damit die Finanzierung gesichert ist, in eine Direktorenstelle umgewandelt werden.

Diese war schon im September 2018 ausgeschrieben worden. Zahlreiche Bewerbungen gingen ein, Vorstellungsgespräche wurden geführt. Doch im Stiftungsrat reifte die Ansicht, dass erst einmal die finanziellen Fragen gelöst werden müssen. "Momentan können wir uns einfach niemanden leisten", erklärt Jost. Immerhin: Durch ihre ehrenamtliche Arbeit hätten beide Vorstände der Stiftung mehr als 100 000 Euro gespart. Welche Fähigkeiten eine künftige Leitung haben muss, verdeutlicht Fennel: "Wir brauchen keinen Wissenschaftler, sondern einen Manager. Diese Arbeit ist zu 95 Prozent betriebswirtschaftlich."

Eine weitere Großbaustelle bleibt auch der Point Alpha Preis. Obwohl es in diesem Jahr eigens eine Kooperationsvereinbarung mit Kuratorium Deutsche Einheit und der Stiftung gegeben hatte, seien Vertragsinhalte vom Kuratorium nicht eingehalten worden, sagt Fennel, ohne Details zu nennen. Nur zwei Monate habe man für die Organisation der Preisverleihung Zeit gehabt: "Das war ein Kraftakt, der sich nicht wiederholen darf." Es müsse eine Entscheidung getroffen werden: "Entweder wir bekommen eine verbindliche Regelung, oder die Stiftung verleiht den Preis künftig eigenständig", verdeutlicht Fennel. Denn der Point Alpha Preis "ist unser Markenzeichen, und er bringt positive Resonanz". Und genau das ist es, was die Gedenkstätte derzeit braucht.

Autor

Sabrina Mehler
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
16:52 Uhr

Für »Meine Themen« verfügbare Schlagworte

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Schlagwort zu
Meine Themen

zu Meine Themen hinzufügen

Hinzufügen

Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten

Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen

Für die Nutzung von "Meine Themen" ist ihr Einverständnis zur Datenspeicherung nötig.

Weiter
Bundeszentrale für politische Bildung Burgen Computer Fahrzeuge und Verkehrsmittel Gedenkstätten Löhne und Einkommen Managerinnen und Manager Mitarbeiter und Personal Point Alpha Ricarda-Huch-Schule Gießen Schulen Schülerinnen und Schüler
Diesen Artikel teilen / ausdrucken


 
Mehr zum Thema
In der Fahrzeughalle im ehemaligen US-Camp wurden die rund 150 Schüler aus Thüringen und Hessen begrüßt. Fotos: Stefan Sachs

08.11.2019

Als Zehnjähriger im Zug Richtung Westen

Rund 150 Jugendliche aus Hessen und Thüringen beteiligten sich am Freitag am 11. Schülerprojekttag "Jugend in der DDR - zwischen Anpassung, Rebellion und Umbruch" in der Gedenkstätte Point Alpha. » mehr

Cianán Power hospitierte zwei Wochen in der Gedenkstätte Point Alpha in Geisa und wurde unter anderem von Marina Melber betreut. Foto: Susann Eberlein

10.05.2019

Praktikum auf Point Alpha: Grenzerfahrung in Geisa

Zwei Wochen lang hospitierte Cianán Power in der Gedenkstätte Point Alpha und traf unter anderem Zeitzeugen der deutschen Teilung. Am Freitag war der letzte Praktikumstag des Teenagers aus Irland. » mehr

Einige der Schüler der Klassenstufe 10 und 11, die am Projekt "Erzähl doch mal!" beteiligt sind, mit Teresa Fruntke (links) und Beate Dittmar (rechts).

29.08.2019

Preisgeld fließt in Veranstaltungen

Das Johann-Gottfried-Seume-Gymnasium hat den 3. Platz beim Ideenwettbewerb "Machen! 2019", ausgerufen vom Ostbeauftragten der Bundesregierung Christian Hirte, belegt. Das Preisgeld in Höhe von 10 000 Euro kann die Schule... » mehr

In den 5. Klassen der Krayenburg-Regelschule - hier die 5a - hatte die Schriftstellerin Dr. Kerstin Ehrenberg ein aufgeschlossenes Publikum. Foto: wer

29.09.2019

Fantastische Erlebnisse erzählt

Kenntnisse über den Krayenberg und seine Burg zu vermitteln, das gehört zu den selbstgestellten Aufgaben der Krayenburggemeinde. Zwei Lesungen in der Tiefenorter Regelschule dienten diesem Ziel. » mehr

Auf großes Interesse stieß die Eröffnung der Fotoausstellung bei den Besuchern der Gedenkstätte Point Alpha. Berthold Jost (rechts) begrüßte die Gäste im Haus auf der Grenze und ließ sich von den Fotografen ihre Erinnerungen schildern.

11.11.2019

Erste Löcher im "Eisernen Vorhang"

Im Haus auf der Grenze, im thüringischen Teil der Gedenkstätte Point Alpha, wurde am Sonntag die Fotoausstellung "Die Grenzöffnung 1989 in der Rhön" eröffnet. » mehr

Die Wandergruppe nahm am "Geißenreiter" Aufstellung.

06.11.2019

Volkswandertag unter anderen Vorzeichen

In diesem Jahr musste der Volkswandertag in Geisa unter anderen Bedingungen organisiert und durchgeführt werden. » mehr

Bildergalerie » zur Übersicht

Max Raabe in der Erfurter Messehalle Erfurt

Max Raabe in Erfurt | 19.01.2020 Erfurt
» 18 Bilder ansehen

brand saalborn Saalborn

Wohnhausbrand Saalborn | 17.01.2020 Saalborn
» 29 Bilder ansehen

Platz 1:Auferstanden

Blende 2020 "Verkehrte Welt" |
» 10 Bilder ansehen

Autor

Sabrina Mehler

Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
24. 07. 2019
16:52 Uhr



^