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Bad Salzungen

Konfettispur führt nach Kaltennordheim

Papierschnipsel, die nach dem Karneval auf den Dermbacher Straßen lagen und auf denen die Daten von Patienten und Ärzten zu lesen waren, stammen offenbar aus dem Medizinischen Versorgungszentrum in Kaltennordheim.



Einige der Papierschnipsel, die beim Dermbacher Karneval auf der Straße landeten: Die im Original deutlich lesbaren Patienten- und Ärztedaten wurden hier aus Datenschutzgründen unleserlich gemacht.
Einige der Papierschnipsel, die beim Dermbacher Karneval auf der Straße landeten: Die im Original deutlich lesbaren Patienten- und Ärztedaten wurden hier aus Datenschutzgründen unleserlich gemacht.   Foto: Heiko Matz
 

Bad Salzungen/Dermbach - Das Bad Salzunger Klinikum hat im Fall von Patienten- und Ärztedaten, die in Dermbach auf der Straße landeten, recherchiert - und die Praxis ausfindig gemacht, aus der die schlecht geschredderten Unterlagen stammen.

Eine Frau aus Dermbach hatte beim Beseitigen der Karnevalsreste auf der Straße vor ihrem Haus in bunten Schnipseln den Namen ihrer Schwester entdeckt, samt Geburtsdatum und einer Patientennummer. Die Schwester ist krebskrank. Beim genaueren Hinschauen entdeckte die Dermbacherin auch Namen mit Telefonnummern von Ärzten, Dienstpläne und einen Teil einer Röntgenaufnahme. Sie war entsetzt und hatte die Redaktion über den Fall informiert.

Das Klinikum Bad Salzungen konnte ausschließen, dass die geschredderten Akten mit medizinischen Daten aus dem eigenen Haus stammen. Unter anderem passte die Größe der Papierrückstände nicht zum Schredder des Klinikums. Die Namen der Ärzte stammten offenbar aus einem geschredderten Dienstplan der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen. Das Klinikum bot noch am Dienstag an, bei der Klärung der Sache zu helfen und seinen Datenschutzbeauftragten für weitere Recherchen zur Verfügung zu stellen. Da offensichtlich war, dass die Papierfetzen teilweise medizinische Daten enthielten, wurde vermutet, dass das Material aus einer Arztpraxis stammt.

Das Klinikum Bad Salzungen betreibt ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) mit mehreren Betriebsstätten. "Auch in unseren MVZ-Praxen gibt es strenge Regelungen zum Datenschutz, die den Schutz patientenbezogener Daten sicherstellen. Dennoch waren die Hinweise der Presse Anlass, uns davon zu vergewissern, dass diese Regelungen umfassend eingehalten werden und hier keine Unregelmäßigkeiten stattgefunden haben", hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung des Klinikums. Aus diesem Grund war am Vormittag die Einhaltung der Regelungen in den in Betracht kommenden MVZ-Praxen geprüft worden. "Leider wurde die Feststellung gemacht, dass unter Missachtung der Vorschriften patientenbezogene Papiere nicht ordnungsgemäß entsorgt wurden. Geschreddertes Material aus der Betriebsstätte Kaltennordheim des MVZ wurde nicht bis auf die notwendige Endgröße zerkleinert und entgegen den Regularien aus den Praxisräumen entfernt. Die Vermutung liegt nahe, dass dieses von dort den Weg auf die Dermbacher Straßen fand."

Das Klinikum hat den Thüringer Landesdatenschutzbeauftragten Lutz Hasse über den Fall informiert. Die Mitarbeiter der Praxis bedauerten den Vorfall außerordentlich, hieß es. Die Geschäftsführung des MVZ Bad Salzungen werde bei der Aufklärung des Sachverhaltes mit dem Landesdatenschutzbeauftragten vorbehaltslos kooperieren.

Bei der Landespolizeiinspektion Suhl gab es nach Angaben von Behördensprecher Fred Jäger am Mittwoch mehrere Anfragen zu dem Fall. Da die Sache bei der Polizei bisher nicht angezeigt wurde, werde derzeit nicht ermittelt. "Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gehen wir nicht vom Anfangsverdacht einer Straftat aus", sagte Fred Jäger.

Eine weitere Leserin aus Dermbach meldete sich am Mittwoch in der Redaktion. Christa Rübsam berichtete, sie habe bereits im vergangenen Jahr beim Kehren nach dem Karneval gemeinsam mit ihrer Nachbarin Anita Leutbecher Schnipsel aus Schredder-Papier gefunden, auf denen Daten zu lesen waren, die auf eine Herkunft aus den Krankenhäusern in Bad Neustadt, Fulda und Hünfeld schließen ließen. "Da waren auch teils Namen dabei. Man kann doch nicht solche Daten auf die Straße schmeißen - das ist der Gipfel", befand sie. Sie habe früher in einem Labor gearbeitet. Nicht mehr benötigte Unterlagen, beispielsweise aus der Buchhaltung, seien dort in Säcken zum Verbrennen nach Bad Salzungen gebracht worden. "Da blieb der Abteilungsleiter dabei, bis der letzte Sack verbrannt war. "Und so müsste es auch sein." bf

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Veröffentlicht am:
10. 02. 2016
00:00 Uhr

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Veröffentlicht am:
10. 02. 2016
00:00 Uhr



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