Werkstatt für Laien Urgroßmutters Puppen neu erfunden

Doris Hein

Unter Anleitung einer weltbekannten Puppenmacherin haben kleine und große Workshop-Teilnehmer in Sonneberg gelernt, wie vor über einhundert Jahren ihre Urgroßeltern in der Weltspielzeugstadt Porzellankopfpuppen hergestellt haben.

Eine berühmte Puppe nachzugestalten, so lautete die Aufgabe für die Teilnehmer eines Ferienangebotes in Sonneberg Anfang August. Vorangegangen war ein Künstlercampus, der bereits im Monat Juli Kindern von acht bis 14 Jahren im Sonneberger Stadtteil Wehd vielseitige, kreative Ferienaktivitäten ermöglicht hatte. Dank des gemeinsamen Engagements der Akademie der Kinder der Weltspielzeugstadt und der Stadt Sonneberg und der Mitwirkung zahlreicher Künstler (Freies Wort berichtete).

Für den Puppen-Workshop hatte sich bei Regina Trutzl, 1. Vorsitzende des Vereins Akademie der Kinder der Weltspielzeugstadt Sonneberg, Rosemarie Nuhi aus Volkmarsen angeboten. Eine Expertin auf dem Gebiet der Reproduktion antiker Puppen. „Ich bin zwischen Bad Hersfeld und Eisenach geboren und habe aus meinem Schlafzimmer immer nach Thüringen geschaut“, erzählte Nuhi. Die Blickrichtung hat sie beibehalten, ist von Anfang an beim Neustädter Puppenfestival mit ihren Reproduktionen dabei und hat auch Sonneberg schon so manchen Besuch abgestattet.

Die Puppe, die sie mit den Workshop-Teilnehmern nachgestalten wollte, ist ein antikes Puppenbaby. Gemarkt ist es mit der Nummer 349. „Das Original wurde um 1926 von der Firma Heubach in Köppelsdorf hergestellt. Deren Gründer, Ernst Heubach, hatte sich mit seinem Unternehmen auf die Herstellung von Charakterpuppen spezialisiert“, wusste Nuhi zu berichten. Die Anwesenden in der Kinderakademie hörten ihr gespannt zu. Von der sechsjährigen Ida bis zu Birgit Sommer, die im Ruhestand eine kreative Beschäftigung sucht, aber auch gerne bei der Arbeit mit den Kindern helfen möchte. Mit von der Partie ist – als einziger Junge – Levi, der mit der selbst gemachten Puppe Uroma Dora überraschen möchte.

Laura aus Sonneberg und Noemi aus Neustadt besuchen die gleiche Schule und freuen sich, auch in den Ferien etwas gemeinsam zu unternehmen. Luise Stoppera nutzt den Besuch bei den Eltern in Sonneberg fürs kreative Wirken, denn das liegt ihr wohl im Blut. Und dann ist da noch Sina Martin, von den Sonneberger Martin Bären. Ihr Interesse an der Spielzeugtradition hat sie hergeführt, ein Thema, für das sie mit Gastgeberin Regina Trutzl und weiteren Mitstreitern schon detaillierte Zukunftspläne in Arbeit hat.

Beim Workshop allerdings fiel ihr besonders auf: „Hier sieht man ja beim Stopfen jede Falte.“ Bei ihren Bären kaschiert das Fell da Einiges...

Die Puppen waren schon nach zwei Tagen fertig. Allerdings nur, weil Nuhi die Körper schon vorbereitet hatte. Am ersten Tag wurden, nach einem genauen Blick aufs Original, Farben gemischt, Köpfe angemalt und gebrannt. Beim Stopfen am Folgetag kam synthetische Watte zum Einsatz. Hände und Füße wurden angenäht, Kleidchen ausgesucht und verziert.

Alles in allem Arbeiten nach historischem Vorbild, in gemütlicher Runde mit Freunden – zwei Tage, die bei den Teilnehmern Freude, aber auch Interesse an Sonnebergs Spielzeugtradition wecken sollten. Ein Ziel, dem sich Regina Trutzl von ganzem Herzen verschrieben hat: Förderung künstlerischer Interessen und Heimatverbundenheit. Auf dem Weg dorthin ist sie für Hilfe und Unterstützung sehr dankbar.

So wie bei diesem Workshop, für den die Puppenexpertin aus Volkmarsen nicht nur ihren eigenen Brennofen mitgebracht, sondern auch alle benötigten Materialien bis hin zu süßen Kleidchen und extravaganten Sitzmöbeln für die Puppen auf eigene Kosten bereitgestellt hatte.

Besuch bekamen die kleinen Künstler auch von Traudel Garg, der stellvertretenden Kulturausschussvorsitzenden der Stadt Sonneberg, die sich vor Ort zum wiederholten Mal ein Bild von den Aktivitäten in der Kinderakademie machen wollte. Schließlich werden selbige regelmäßig vom Kulturausschuss gefördert mit dem Ziel, hier eine zuverlässige Anlaufstelle zu schaffen, wo Menschen von Rang und Namen, so wie Nuhi, Kurse anbieten für traditionsbewusstes Kunstschaffen, wo Wissen um die Sonneberger Spielzeugtradition mit all ihren Details für künftige Generationen bewahrt und weitergegeben wird.

 

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