Fernwärme-Havarie in Suhl Alles nur heißer Dampf

, aktualisiert am 21.01.2022 - 15:07 Uhr

Schockschwerenot! Schon wieder ein Kellerbrand in einem Suhler Wohnblock? Glücklicherweise nicht. Am Freitagmorgen war es kein Brandrauch, sondern nur heißer Dampf, der aus einem Keller stieg.

Suhl - Starke Rauchentwicklung aus dem Keller eines Sechsgeschossers Am Himmelreich: Grell schrillen die Alarmglocken bei Polizei und Feuerwehr am Freitagmorgen, als gegen 8 Uhr über den Notruf diese Meldung eingeht. Schließlich ist die Brandserie im Plattenbaugebiet Aue II , wo es in einem Wohnblock erst am Montag brannte, sofort präsent. So stellt sich für die Einsatzkräfte natürlich die Frage: Hat der Feuerteufel jetzt im Wohngebiet Am Himmelreich zugeschlagen?

Glücklicherweise nicht. „Schon beim Eintreffen am vermeintlichen Brandobjekt haben wir schnell festgestellt, dass es kein Brand ist, der die aus dem Gebäude dringende Rauchwolke verursacht. Es fehlte schlicht der typische Brandgeruch“, schildert Feuerwehrsprecher Daniel Wiegmann die Lage. Das bestätigt der unter Atemschutz in den Keller vordringende Angriffstrupp der Berufsfeuerwehr wenig später. „Kein Brand, sondern austretender Wasserdampf!“

Rost frisst Loch

Aufatmen bei Einsatzkräften und Bewohnern des etwa 100 Wohnungen zählenden Wohnblocks. Teilweise können die Kräfte der Freiwilligen Feuerwehren Zentrum und Oberland den Einsatz schon auf der Anfahrt abbrechen. Gemeinsam mit einem umgehend vor Ort geeilten Havarieteam der Fernwärmeversorgung der Stadtwerke Suhl/Zella-Mehlis (SWSZ), die große Teile des Wohngebiets mit Fernwärme versorgen, schließen die Feuerwehrleute im Keller die Ventile der Dampfzufuhr. Nachdem der Dampf mit Lüfter aus dem Haus geblasen ist, öffnen die Männer den Wärmeingangsschacht in einer Ecke des Kellerbodens. Als die komplette Isolierung an den Rohren entfernt ist, kommt schließlich das Corpus delicti zum Vorschein: Ein Rohrbogen, der durch von außen eingedrungenes Wasser im Lauf der Jahre so stark korrodiert – sprich gerostet – ist, das ein Loch entstand, durch den der mit Hochdruck zirkulierende Dampf austrat.

„Wie Wasser in den Schacht kommt, wissen wir nicht, möglicherweise durch Unachtsamkeit oder eine Undichtigkeit“, sagt SWSZ-Geschäftsführer Tino Schäfer. Er und seine Mitarbeiter wissen, dass das Haus und die rund 100 Wohnungen bei minus drei Grad Celsius Außentemperatur ohne Heizung schnell auskühlen. Deshalb wird zunächst auch eine Notfallversorgung mit Heizcontainern für die Bewohner ins Auge gefasst. Diese muss allerdings nicht eingesetzt werden. Schon am Vormittag laufen die Reparaturarbeiten in dem engen Verteilerschacht an. Der leck geschlagene Rohrbogen wird aus der Leitung geschnitten. Draußen schweißt der als Fachmann zur Unterstützung gerufene Installateur und Heizungsbauer Marcel Just aus Dietzhausen eine Muffe über das Loch. Später wird der Bogen im Keller wieder in die Leitung geschweißt.

Reparatur geglückt

Gegen 13 Uhr strömt wieder heißer Dampf in die Heizungen des Wohnblocks. „Wir sind sehr froh, dass wir den Schaden so schnell beseitigen konnten“, sagt Tino Schäfer. Das zeige, dass ein kleiner regionaler Versorger bei solchen Dingen sofort reagieren könne und schnell vor Ort sei. Vor solchen kleineren Havarien sei niemand gefeit. „Das entwickelt sich unterirdisch im Laufe der Jahre, da kann man nichts machen.“ Außer vielleicht künftig mehr darauf zu achten, kein Wasser in Schächte oder Abdeckungen im Boden der Kellerräume zu kippen.

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