Skeleton Drei Medaillen – mindestens

Im Vorjahr Sechste: Sophia Griebel.Größter Moment der Karriere: Christopher Grotheer unmittelbar nach dem Gewinn des WM-Titels vor einem Jahr in Altenberg.Größter Moment der Karriere: Christopher Grotheer unmittelbar nach dem Gewinn des WM-Titels vor einem Jahr in Altenberg. Foto: /Ulrich Gamel/kolbert-press/Imago

In dieser Woche ermitteln die „Bauchrodler“ bei der Bob- und Skeleton-WM in Altenberg ihre Weltmeister. Das deutsche Team um die Titelverteidiger Tina Herrmann und Christopher Grotheer baut auf den Heimvorteil und glaubt, dass die frostigen Temperaturen von Vorteil sein könnten. Doch die internationale Konkurrenz wird immer stärker und scharrt mächtig mit den Hufen.

Altenberg - In dieser Woche ermitteln die „Bauchrodler“ bei der Bob- und Skeleton-WM in Altenberg ihre Weltmeister. Das deutsche Team um die Titelverteidiger Tina Herrmann und Christopher Grotheer baut auf den Heimvorteil und glaubt, dass die frostigen Temperaturen von Vorteil sein könnten. Doch die internationale Konkurrenz wird immer stärker und scharrt mächtig mit den Hufen.

Wie stehen die Chancen für das deutsche Team?

Im vergangenen Jahr war die Skeleton-WM in Altenberg eine deutsche Meisterschaft mit internationaler Beteiligung. Beide Einzeltitel gingen an die Gastgebernation, im Teamwettbewerb setzten Jacqueline Lölling und Alexander Gassner noch einen drauf und holten ebenfalls Gold. „Wir waren 2020 sehr erfolgreich, ein Jahr zuvor bei der WM in Whistler lief es ähnlich“, sagt Christian Baude (Zella-Mehlis), der seit dem vergangenen Frühjahr als Nachfolger von Dirk Matschenz den Hut als Skeleton-Bundestrainer aufhat. „Unter Dirks Regie hat es sehr große Erfolge gegeben – und ich gehe nicht davon aus, dass wir noch einmal so eine Bilanz erreichen können wie vor zwölf Monaten in Altenberg, weil das Feld leistungsmäßig immer dichter zusammenrückt.“ Eine Medaille bei den Frauen, eine bei den Männern, dazu eine mit dem Team – so lautet Baudes Minimalziel: „Wenn es mehr würde, wären wir sehr glücklich.“

Kann Christopher Grotheer seinen Titel verteidigen?

Dem aus Wernigerode stammenden Wahl-Oberhofer vom BRC Thüringen gelang im Vorjahr eine Sensation: Obwohl er nicht für den Weltcup nominiert war und nur dank eines zusätzlichen deutschen Startplatzes zur WM durfte, räumte er den Titel ab und ließ die Fachwelt staunen. In diesem Winter fuhr der 28-Jährige regelmäßig im Weltcup, aber nur mit durchwachsenem Erfolg. „Die Leistungen waren nicht konstant genug, das hat mir nicht gefallen“, übt der Landespolizist Selbstkritik. „Deshalb würde ich nie sagen: Jawohl, ich verteidige den Titel.“ Dass die WM Corona-bedingt erneut auf seiner Lieblingsbahn in Altenberg stattfindet, spielt ihm jedoch in die Karten. Zudem hat sich Grotheer entschieden, mit dem bewährten Schlitten aus dem Vorjahr anzutreten. Das könnte ihm psychologisch einen Schub geben. „Ich bin zwar nicht so der Typ für Wetten, aber ich würde schon eine kleine Summe auf mich setzen“, sagt Grotheer augenzwinkernd. Nach eigener Aussage wäre er mit Bronze „superglücklich“.

Auf wen sollte man neben Grotheer noch achten?

Die lettischen Brüder Martins und Tomass Dukurs, die russischen Startraketen um Alexander Tretjakow und Nikita Tregubow sowie die Briten sind immer für eine Medaille gut. Aus deutscher Sicht hat sich Alexander Gassner ins Blickfeld geschoben. Der 31-Jährige aus Winterberg befindet sich in der Form seines Lebens und gewann im Januar zwei Weltcups binnen einer Woche, nachdem er zuvor jahrelang vergeblich auf Weltcupsiege gewartet hatte. „Mein Schlitten ist einer der schnellsten auf der Welt. Jetzt kommt es auf mich an, dass ich was daraus mache“, sagt der gebürtige Rumäne, der als Dreijähriger mit seiner Familie nach Deutschland kam. Vor einem Jahr holte er in Altenberg WM-Bronze, diesmal ist sogar der Titel nicht unrealistisch.

Ist das Feld bei den Frauen ähnlich leistungsstark?

Auf jeden Fall. Neben Tina Hermann und ihrer Teamkollegin Jacqueline Lölling gibt es auch hier eine große Anzahl weiterer Medaillenanwärterinnen – von der Österreicherin Janine Flock über Kimberley Bos aus den Niederlanden und die Russin Jelena Nikitina bis hin zu Anna Fernstädt, die 2018 für Deutschland bei den Olympischen Spielen startete und mittlerweile für Tschechien antritt.

Was ist von Sophia Griebel zu erwarten?

Die 30-jährige Erlauerin vom BRC Thüringen verpasste in diesem Winter die Qualifikation für den Weltcup und erhielt ihr WM-Ticket, weil Hannah Neise als Junioren-Weltmeisterin einen vierten deutschen Startplatz sicherte. „Sophia hat viel Erfahrung“, sagt Baude. „Letztes Jahr war sie WM-Sechste. Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr das noch einmal gelingt – oder wenn sie vielleicht sogar noch etwas mehr herausholt.“

 

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