Rückbau in Suhl Förderkulisse für Abriss passt nur punktuell

Abriss ist ein Geschäft geworden, das den Wohnungsgesellschaften Löcher in die Kasse reißt. Also sind leergezogene Häuser stehengeblieben. Zwei von ihnen aber werden jetzt von der Bildfläche verschwinden.

Suhl - Es kam einfach zu wenig Geld aus der Fördertöpfen. Deswegen sind Gebäude stehen geblieben, die längst für den Abriss vorgesehen waren. Wie mit toten Augen stehen sie in der Wohnlandschaft und öffnen dem Vandalismus Tür und Tor. Hintergrund für dieses traurige Szenario bieten Förderprogramme, die sich mehr und mehr von der Realität entfernt haben. Wohnungsgesellschaften, die Wohnungen vom Markt nehmen müssen, ist zwar seitens der Landesregierung in Aussicht gestellt worden, dass die den Rückbau bis zu 100 Prozent erstattet bekommen können. Mehr als 70 Euro pro Quadratmeter abzureißenden Wohnraum aber gibt es nicht. Die Zeiten aber sind vorbei, in denen das so halbwegs gereicht hätte. Die Preise für den Abriss und insbesondere für die Entsorgung des anfallenden Schutts sind deutlich gestiegen. Würden die Wohnungsgesellschaften dennoch nach ihren Plänen arbeiten und Haus für Haus wie geplant vom Markt nehmen, müssten sie mit erheblichen Defiziten leben, was sie weder wollen noch können. Schließlich muss auch in die vermieteten Wohnungen investiert werden.

Also sind die meisten Gebäude, die schon vor Jahren freigezogen wurden, stehen geblieben. So beispielsweise auch jenes in der Schneekopfstraße 30 – 36. Es hatte zu nichts mehr gedient, als dass Feuerwehr und THW ihr Ausbildungsteile absolvieren konnten. Den traurigen Anblick gab es gratis obendrauf. Jetzt aber tut sich was.

Das Gebäude ist eingezäunt und wird entkernt. Noch Ende dieses Monats oder Anfang Februar sollen die Abrissbagger anrollen. „Bis Mitte des Jahres wird dann Gras über die Baustelle gewachsen sein“, sagt Thomas Hertha, Geschäftsführer der GeWo. Ähnlich vorwärts wird es auch in der Aue I gehen. Hier steht der Block mit der Adresse Leonhard-Frank-Straße 44 – 52 auf der Abrissliste. Andere Gebäude wie beispielsweise die Schneekopfstraße 3, und die 4 bis 16 müssen vorerst stehen bleiben.

„Wir haben nur für die zwei Objekte in Suhl-Nord und in der Aue I Förderzusagen mit verbesserten Konditionen bekommen. Für diese Abrisse erhalten wir laut einer entsprechenden Entscheidung des Fördermittelgebers 110 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche“, so Hertha.

Was im Vergleich zu den bislang gültigen 70 Euro ganz gut klingt, ist aber auch nicht kostendeckend. So wird die GeWo dafür, dass sie zwei Gebäude vom Markt nimmt, etwa 118. 000 Euro aus ihrer eigenen Kasse drauflegen müssen. Das ist eine bittere Pille, die kein Wohnungsunternehmen gerne schluckt. Vor allem die Entsorgung dessen, was von den Häusern übrig bleibt, sei ein Kostentreiber.

Während der Block in der Schneekopfstraße, der in typischer Plattenbauweise mit Flachdach in den 1980er Jahren errichtet worden ist und über keinerlei Wärmedämmung verfügt, in etwa für das Geld, was der Fördermittelgeber nun bereit ist zu zahlen, abgerissen werden kann, sieht das bei dem Haus in der Aue I schon ganz anders aus. „An dem aus den 1960er Jahren stammenden Gebäude haben wir eine Wärmedämmung, wir haben Dachziegeln und den entsprechenden Unterbau. Und das muss alles gesondert entsorgt werden. Das kostet“, weist Thomas Hertha darauf hin, dass die Abrisskosten je nach Bauweise enorm schwanken können. Bis Mitte dieses Jahres soll zumindest für die benannten Häuser das Ende auch sichtbar besiegelt sein.

Vor allem in Suhl-Nord wird der Abriss mit einiger Ungeduld erwartet, denn hier wird schon straff an dem neuen Nutzungskonzept für das Wohngebiet, das künftig zum Gewerbegebiet ausgebaut werden soll, gearbeitet. „Dafür werden freie Flächen gebraucht. Die Pläne sind interessant und sie sind uns auch Motivation, mit der Umsetzung unserer Abrisspläne voranzukommen“, meint der GeWo-Geschäftsführer. Sobald sich wieder eine solch günstige Gelegenheit bietet, werden auch die restlichen Häuser, in denen schon seit langer Zeit kein Mieter mehr wohnt, platt gemacht. Aber dafür wird einmal mehr eine Förderkulisse erwartet, die das den Unternehmen auch möglich macht.

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