Rohmeyer mit Orgelkonzert in Suhl Im Gepäck: Pastorale und Freude

Hartmut Rohmeyer. Foto: /wai

Für Hartmut Rohmeyer ist die Reise nach Suhl nicht nur eine Anfahrt zu einem Orgelkonzert, sondern auch ein Wissensgewinn. Er freut sich auf die unglaublich reiche Kulturlandschaft Thüringens.

Die Eilert-Köhler-Orgel zieht immer wieder namhafte Organisten in die Stadt. Am Samstag ist Hartmut Rohmeyer aus Lübeck zu Gast in der Kreuzkirche. Und er freut sich riesig auf die Orgel mit ihrer ganz eigenen Klanghandschrift. Für sie nimmt er sich schon Tage vor dem Konzert Zeit. Auch, um die Partituren anzupassen für das Konzert, das unter dem Titel „Pastorale – Musik und Natur“ steht. Das lässt einen ungewöhnlichen Abend erwarten.

Pastorale – sie steht in der Musik allgemein als Gattungsbegriff für das Musizieren der Hirten, der Engel und aller „himmlischen Scharen“ in der Weihnachtsgeschichte. Und das mitten im Sommer? „Ja, denn die Pastorale ist im weitesten Sinne Natur-Musik, die Glanz und Glorie der göttlichen Schöpfung klingen lässt“, sagt Hartmut Rohmeyer. Das Lobpreisen der Natur sei ihm selbst ein Anliegen, das ihm große Freude macht.

Als der 70-Jährige das Programm für dieses Konzert aufgelegt hatte, begann gerade der Krieg in der Ukraine. „Wir brauchen Ermunterungen und dürfen solche Momente nicht verlieren. Sich zu freuen, ist etwas Natürliches.“ Rohmeyer hat in sein Programm Werke von Bach, Kuchar, Léfébure-Wély und Franck aufgenommen. Die Zuhörer dürfen sich auf musikalische Stimmungsbilder freuen, die Phänomene der Natur beschreiben. Ein Gewitter zum Beispiel, das ganz gut in die Sommerzeit passt.

Und auch die Stimmen der Vögel, der ersten Musikanten, die es auf dieser Welt gab, werden nicht fehlen. Das originale Glockenspiel, das eine der Besonderheiten der Eilert-Köhler-Orgel ist, wird Rohmeyer einsetzen für den Schlusspunkt, für dieses Konzert.

Dass der Organist aus Lübeck nach Suhl kommt, ist dem Kreiskantor Philipp Christ zu verdanken, der bei Hartmut Rohmeyer in Lübeck Student war. Wenn er sich nun in den Zug setzt und nach einer Zwischenstation in Gotha Suhl erreichen wird, dann tut er das mit großer Freude und mit einigen Erwartungen.

„Ich freue mich darauf, in der unglaublich reichen Kulturlandschaft Thüringens sein zu können und auf die Begegnung beispielsweise mit Elisabeth Schubert, die einst eine Studienkollegin von mir war.“ Und er freut sich auf die Eilert-Köhler-Orgel, die norddeutsche mit thüringischen Einflüssen in einer einzigartigen Synthese verbindet. „Sie steht auch dafür, dass in der Kunst Grenzen, die wir Menschen aufbauen, durchstoßen werden können“, sagt Rohmeyer.

Der eher stille und unauffällige Mann hat zum Thema Grenzen seine ganz eigenen Erfahrungen. Hartmut Rohmeyer wuchs in einer Pastorenfamilie im Erzgebirge auf, studierte später Musik an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden und der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy Leipzig. Auf einer Konzertreise verließ er die DDR.

Er war 25 Jahre alt. „Ich habe meine Heimat geliebt, ebenso Leipzig – das Weggehen war eine brutale Entscheidung, zu der mich zuerst die künstlerische Neugierde getrieben hat. Ich wollte nach Italien, um frei als Musiker leben und meine Kenntnisse vervollkommnen zu können. Es war schmerzhaft, von der Familie und von Freunden getrennt zu sein und zu wissen, dass dies für immer sein würde.“ Zehn Jahre später konnte er wieder in die DDR einreisen – zur Konfirmation seines Patensohnes.

Mehr als 27 Jahre verantwortete und gestaltete Kirchenmusikdirektor Hartmut Rohmeyer das kirchenmusikalische Leben am Lübecker Dom. Nachdem er dort verabschiedet wurde, zog es ihn 2018 für drei Jahre zur Erlöserkirche in Jerusalem. „Dort habe ich die Konflikte schmerzlich wahrgenommen und einmal mehr wurde bewusst, in welch bedrohter Welt wir leben.“ Hartmut Rohmeyer spricht von der Herausforderung des Aufbrechens, die zum Leben dazu gehöre. Jetzt lebt er wieder in Lübeck. Am Samstag ist er in Suhl zu erleben.

• Das Konzert „Pastorale – Musik und Natur“ mit Hartmut Rohmeyer (Lübeck) an der Eilert-Köhler-Orgel findet am Samstag, 2. Juli, 18 Uhr, in der Suhler Kreuzkirche statt. , Eintritt zehn Euro, bis 18 Jahre freier Eintritt.

Autor

 

Bilder