Rennrodelbahn Oberhof Modernisierter Eiskanal vor Härtetest

Der modernisierte Eiskanal vor seinem Härtetest. Foto: dpa/Martin Schutt

Die fast 50 Jahre alte Rennrodelbahn in Oberhof, auf der im Dezember 1971 erstmals DDR-Meisterschaften stattfanden, wurde im Sommer runderneuert. Nun steht die erste internationale Bewährungsprobe an.

Oberhof - Kurvenanpassung, Risiko-Minimierung und energetisch nachhaltige Überdachung - der Oberhofer Eiskanal erstrahlt zum Weltcup an diesem Wochenende in einem neuen Licht. Zwar sind die umfassenden Bauarbeiten mit Blick auf die Rodel-Weltmeisterschaften 2023 noch nicht abgeschlossen, doch bereits jetzt sind deutliche Fortschritte sichtbar.

«Die Kurven acht bis elf waren vor dem Umbau die schwierige Klippe und unsere Stärke, daher ist es etwas schade, dass sie wegfallen», sagte Doppelsitzer-Weltmeister Sascha Benecken und fügte an: «Aber auch eine vermeintlich leichte Bahn kann bei höherer Geschwindigkeit schwierig zu händeln sein. Zugutekommen könnte uns, dass die Bahn erst wenige Tage vereist und dadurch eine genauere Fahrt nötig ist, um den Schwung mitzunehmen», meinte der Schlitten-Partner von Toni Eggert.

Die Weltelite der Rodler gastiert in diesem Winter gleich zweimal in der thüringischen Wintersporthochburg, denn vom 15. bis 17. Januar 2021 ist erneut ein Weltcup angesetzt. Der Auftakt an diesem Wochenende ist quasi die erste internationale Bewährungsprobe für die 1354,5 Meter lange Bahn mit ihren 15 Kurven. Seit April dieses Jahres läuft mit finanzieller Unterstützung des Bundesinnenministeriums und des Thüringer Sport-Ministeriums der Umbau des seit 1971 bestehenden Eiskanals. Insgesamt wird mit einem finanziellen Volumen von mehr als 31 Millionen Euro gerechnet. «Die Fertigstellung gelang geradeso pünktlich. Aktuell haben wir 30 bis 40 Prozent der Baumaßnahmen abgeschlossen», erklärt Hartmut Schubert, Vorsitzender des für den Bau verantwortlichen Zweckverbandes Thüringer Wintersportzentrum.

Im Sommer wurden bereits die ersten baulichen Maßnahmen umgesetzt. Die Kufencracks werden diese sofort spüren. In der Bahnmitte wurde die anspruchsvolle Kurvenpassage neun und zehn angepasst und für die Männer sowie die Doppelsitzer entschärft, die legendäre Kurve sechs wurde verschlankt. Die Erweiterungsbauten für die Herren- und Damenstart sind indes noch in der Rohbauphase, auch die energetisch nachhaltige Überdachung ist in weiten Teilen vorerst noch provisorisch. Bis Anfang März werden rund 25 000 Fahrten auf der Bahn absolviert, darunter etwa die Hälfte durch Kinder, Jugendliche und Breitensportler. Auch ihnen kommt der Bahnumbau wesentlich zugute.

Die Weltklasse-Athleten werden um jede Tausendstelsekunde kämpfen. Vor allem die Weltmeister Eggert/Benecken (BRC Ilsenburg/RT Suhl) peilen ihren ersten Saisonsieg an, nachdem zuletzt Platz drei und zwei in Innsbruck und Altenberg heraussprang. Gespannt wird auch der erneute Auftritt des Youngster-Duos Hannes Orlamünder/Paul Gubitz erwartet. Dem Gespann vom RRC Zella-Mehlis, das bereits drei Junioren-Weltmeistertitel einfuhr, gelang bei ihrem erst zweiten Weltcupstart der Sprung in die Top-Ten.

Gute Aussichten auf Thüringer Podestplätze gibt es auch bei den Frauen, nachdem die Ilmenauerin Dajana Eitberger nach ihrer Babypause schon den dritten Platze in Innsbruck/Igls verbuchen konnte. Bei den Männern haben die Thüringer gleich mehrere Sieganwärter am Start. Denn wie Johannes Ludwig (BRC Oberhof) fuhr auch Max Langenhan (BRC 05 Friedrichroda) schon auf’s Podium.

Die Rechnung wird jedoch nicht ohne Felix Loch gemacht, der zuletzt bereits beide Einzelrennen gewann. Der gebürtige Sonneberger, der mittlerweile als Vorzeige-Bayer gilt, kehrt immer wieder gern in seine thüringische Heimat zurück. Die erneuerte Bahn ist auch für den dreimaligen Olympiasieger eine neue Herausforderung: «Die Passage von Kurve neun zu Kurve zehn hat uns in den letzten Jahren immer wieder

Probleme bereitet. Die wurde jetzt entschärft und müsste für uns einfach besser gehen. Wir müssen uns die Bahn neu erarbeiten und das Beste am Ende herausholen.»

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