Public Art Alin Mor und ihr erstes Mal in Schmalkalden

Golden Delicious? Nein, eher Limetten. Und der Tiger? Ist eher ein Leopard. Aber die Hand mit dem Auge ... steht für die Kraft des Geistes im Einklang mit der Natur. Die israelische Künstlerin Alin Mor mag es nicht kompliziert – Dennoch ist Schmalkaldens neues Mural auch für sein ein erstes Mal gewesen.

Die Frage nach dem Titel eines Kunstwerks scheint unvermeidlich. „Revival“, antwortet Alin Mor aus Israel zur kleinen Vernissage vergangene Woche – so hat sie ihr Wandgemälde, in der Kothersgasse 4, in Schmalkalden, genannt. Was die israelische Künstlerin zu ihrem bunten Mural inspiriert hat, beschreibt sie mit Wiederaufleben und Erneuerung, mithilfe der Kraft der Natur – nach einem traumatischen Erlebnis.

Es ist das neueste Beispiel für „Public Art“ in Schmalkalden und der vorerst letzte Teil des Projekts „Mit offenen Augen und Armen“ zu jüdischem Leben in der Stadt. Eigentlich hätte es bereits vergangenes Jahr abgeschlossen werden sollen, als Giacomo Bufarini aus London seinen strahlend blauen „Traum in Ultramarin“ an eine Fassade in der Reihersgasse malte. Doch dann flammte die Pandemie in Israel wieder auf und sie durfte nicht ausreisen – der Flughafen war gesperrt. Diesmal klappte es und sie kam mit ihrem Freund, Tal Segal, für ein paar Tage nach Schmalkalden.

Eine Punktlandung, erzählen Stefan und Philipp Schwabe, die für den Kulturverein Villa K an dem Projekt mitwirken. Erst kurz vorher hatten Handwerker die große Wandfläche saniert und für die anschließende Bemalung fachgerecht grundiert. Auch Villa K-Geschäftsführer, Michael Mönch, schaute immer mal wieder vorbei, ebenso wie der Bürgermeister, Thomas Kaminski. Er unterstützt die „Public Art“ seit langem. Was einst mit mittlerweile international renommierten Schmalkalder Künstlern, wie Andreas von Chrzanowski und Falk Lehmann, begann, ist längst zu einem Aushängeschild der Fachwerkstadt geworden. Lehmann gastierte erst zum Viba-Jubiläum vergangenes Wochenende in der Stadt.

Die aus Haifa stammende Alin Mor beschäftigt sich seit rund fünf Jahren mit Murals. Studiert hat sie an der renommierten Bezal’el-Akademie für Kunst und Design in Jerusalem einen Mix aus Visueller Kommunikation, Grafik-Design und Fotografie. Auch „Revival“ ist von diesem grafischen Charakter geprägt. Dabei war der Schaffensprozess nicht frei von Rückschlägen.

So floss der, für Stärke und Kraft stehende, Leopard eines Morgens einfach die Wand hinunter. Ein kräftiger Regenschauer war stärker, der frisch gemalte Bereich – ein einziger Farbenmatsch. Alin Mor und ihr Freund nahmen es mit stoischer Gelassenheit und machten sich, stets gut gelaunt, an die Reparatur. So hatten sie schließlich noch ihr ganz eigenes, traumatisches Erlebnis, welches das Mural überwinden will.

Vielleicht hat das Trauma aber auch mit der Geschichte des Ortes zu tun, der Kothersgasse, dem einstigem Kern des jüdischen Viertels der Stadt. Die beiden säkularen Juden inspizierten es, sahen sich die Mikwe um die Ecke an und Bilder an. Zum Beispiel das Zeitzeugenfoto der Geschwister Ellen und Hans Hammerschlag, vor eben jenem Haus in der Kothersgasse, das Alin bemalt hat. Die Hammerschlags entkamen den Nazis und schafften es auf ihrer riskanten Flucht über viele Länder bis nach Israel und Chile.

Staunend betrachtet die 32-Jährige das Foto und muss an den allerersten Auslandsaufenthalt ihres Lebens denken, wie sie verrät. Er führte sie, im Mai 2022, in die Kothersgasse 4, ins thüringische Schmalkalden.

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