Pandemie Corona in Regiomed-Seniorenheimen

Tarifliche Anpassungen, Sachkostensteigerung: Das von Regiomed betriebene Seniorenzentrum "Bertelsdorfer Höhe" plant zum 1. September eine deutliche Erhöhung des Eigenanteils. Derzeit prüfen Pflegekassen und Sozialhilfeträger den Antrag. Foto: Henning Rosenbusch

Der Klinikkonzern hat nicht nur in seinen Krankenhäusern mit dem Virus zu kämpfen. Jetzt sind auch Altenheime betroffen.

Coburg - In den Seniorenheimen des bayerisch-thüringischen Regiomed-Klinikverbunds sind – Stand Montag, 13.30 Uhr – insgesamt 42 Bewohner sowie 18 Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infiziert. Die Fälle konzentrieren sich auf die Seniorenzentren in Hildburghausen, Coburg und Sonneberg.

„Sorgenkind“ ist nach Angaben des für die Häuser zuständigen Geschäftsführers Robert Wieland das Seniorenzentrum „Bertelsdorfer Höhe“ am Schießstand in Coburg. Hier gebe es einen Ausbruch in einem Wohnbereich, für den das Gesundheitsamt ein Besuchsverbot erlassen habe. Die Beschäftigten würden zum Arbeitsantritt einen Antigentest erhalten, mit dem das Corona-Virus nachgewiesen werden kann, ebenso alle Bewohner, die Symptome der Erkrankung zeigen, erläuterte Wieland in einer Video-Pressekonferenz am Montagnachmittag.

Starke Belastung

Er bedauerte, dass der Ausbruch „ausgerechnet in der Weihnachtszeit“ geschehen sei. Es sei für die Bewohner und ihre Angehörigen eine starke Belastung, dass vorerst keine Besuche im Seniorenzentrum „Bertelsdorfer Höhe“ mehr erfolgen können. Deshalb habe Regiomed Computer angeschafft, um den Kontakt wenigstens per Video und Sprache aufrecht erhalten zu können.

Zu detaillierten Besuchsregelungen konnte der Regiomed-Geschäftsführer am Montag noch nichts sagen. „Wir müssen die Situation von Tag zu Tag neu bewerten und versuchen, alles, was, in dieser Situation verantwortbar ist, möglich zu machen“, sagte Robert Wieland. Er gehe davon aus, dass das Unternehmen am Dienstag nähere Informationen veröffentlichen könne, welche Vorgaben für die einzelnen Häuser gelten.

Elf Patienten werden beatmet

In den Regiomed-Krankenhäuser in Coburg, Lichtenfels, Hildburghausen und Sonneberg werden gegenwärtig 138 Patienten auf Corona-Normalstationen behandelt, 16 auf Intensivstationen, elf müssen beatmet werden, erläuterte Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke. Zudem seien innerhalb des Konzerns 167 Pflegekräfte und 32 Ärzte erkrankt. Allerdings nicht alle am Corona-Virus, wie Professor Stefan Piltz und Dr. Holger Göbel, die Ärztlichen Direktoren der Krankenhäuser Coburg und Lichtenfels, klarstellten. Diese Entwicklung bereite Sorgen. Der hohe Krankenstand belaste insbesondere die Arbeit auf Intensivstationen. Hier seien das gegenwärtige Problem nicht Betten oder Beatmungsgeräte, sondern fehlende Fachkräfte. „Das ist das Nadelöhr“, erläuterte Göbel.

Er und Piltz hoben hervor, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Regiomed-Kliniken bei der medizinischen Versorgung und Betreuung der Patientinnen und Patienten Herausragendes leisten und bis an die Belastungsgrenze gingen. Dies sei nur möglich, weil die Beschäftigten eine „hohe Identifikation“ mit ihrer Berufung hätten, „anderen Menschen helfen zu wollen. Ohne diese Einstellung wäre das alles nicht zu schaffen“, so Holger Göbel. Ein Lob galt auch den niedergelassenen Ärzten. Sie würden in der Corona-Pandemie entscheidend dazu beitragen, „dass die Kliniken handlungsfähig bleiben“.

Eingeschränkte Aufnahme

Stefan Piltz erläuterte, dass die Zahl der Corona-Infizierten in den vergangenen zwei Wochen auf nahezu gleichem Niveau geblieben sei. Allerdings gebe es weiterhin Einschränkungen bei der Aufnahme von Patienten, bei denen planbare Operationen oder Untersuchungen vorgesehen sind. Auch die Behandlung von Tumor- und Herz-Kreislauf-Erkrankten oder gastroenterologische Eingriffe müssten zurückstehen, wenn es sich nicht um einen Notfall handelt. Hier könne die Versorgung voll aufrecht erhalten werden, „kein solcher Patient muss abgewiesen werden“, sagte Göbel. Hier bewähre sich der Klinikverbund, „wir helfen uns gegenseitig aus“. Eine Herausforderung sei die Betreuung von Corona-Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden. Hier stehe Regiomed im Austausch mit Städten und Landkreisen sowie Einrichtungen der häuslichen Pflege und Seniorenheimen. Der Abstimmungsprozess, was der Patient benötige, sei, so Stefan Piltz, anspruchsvoll, der Dialog zwischen den Beteiligten verbessere sich stetig.

Eine konkrete Einschätzung, wie sich die Corona-Pandemie in der Region zwischen Rennsteig und Main entwickeln wird, wollte Professor Stefan Piltz nicht geben. Sollte der harte Lockdown, in dem sich Deutschland seit einigen Tagen befindet, wirksam werden, müssten die Infektionszahlen an Weihnachten rückläufig sein. Das wäre ein gutes Zeichen. Aber „wenn das nicht eintritt, kann man sagen, der Lockdown war nicht wirksam. Am 1. Weihnachtsfeiertag sind wir schlauer.“ Würden die Infektionszahlen auf dem gleichen hohen Niveau bleiben, auf dem sie sich gegenwärtig bewegen, oder ansteigen, „wäre ich besorgt“, so Piltz.

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