Muonio/Suhl Lesser liefert: Doppelsieg und Weltcup-Ticket

Starke Vorstellungen: Erik Lesser, hier in der Skihalle in Oberhof, gewinnt in Finnland beide Testrennen der deutschen Mannschaft. Archivfoto: Gerhard König Quelle: Unbekannt

Der Biathlon-Routinier aus Thüringen hält dem internen Druck stand und qualifiziert sich in letzter Minute für den Weltcup-Auftakt in Kontiolahti. "Besser hätte er es nicht machen können", lobt Bundestrainer Mark Kirchner.

Muonio/Suhl - Wenn es drauf ankommt, ist Erik Lesser da. Immer als Startläufer der deutschen Männer-Stafette, zuletzt bei der Weltmeisterschaft im Februar in Antholz, als er nach dürftigen Vorleistungen nur als Ersatzmann anreiste und mit Single-Mixed-Silber sowie Staffel-Bronze als erfolgreichster deutscher Starter nach Hause fuhr, und nun Anfang dieser Woche im finnischen Muonio hoch oben in Lappland gelegen.

Lesser musste wieder einmal liefern - und lieferte. In den beiden internen Ausscheidungsrennen der zehnköpfigen deutschen Männer-Nationalmannschaft um die zwei noch freien Weltcup-Tickets landete der 32 Jahre alte Ex-Weltmeister einen überzeugenden Doppelsieg. Er gewann am Montag im Sprint mit einem Schießfehler und am Dienstag bei minus neun Grad und Windstille in der Verfolgung gleichfalls mit nur einem Schießfehler. Lesser glänzte an beiden Tagen nicht nur mit starken Schießeinlagen mit seinem neuen Gewehr, sondern auch mit Top-Laufzeiten.

Klarer als erwartet

"Ja, es ist am Ende klarer ausgegangen, als ich es erwartet hätte", zeigte sich der Altmeister selbst überrascht von seiner Komplexleistung. In den vorangegangenen Trainingstagen habe er in guter Qualität weitgehend selbstständig trainieren und sich so zielgerichtet auf die Testrennen vorbereiten können, erklärte Lesser am Dienstagnachmittag am Telefon gegenüber unserer Zeitung. Dem ersten Kräftemessen mit der Weltelite am Wochenende in Kontiolahti sieht er dennoch "nur vorsichtig optimistisch" entgegen. "Gut reinkommen und sicher schießen", lautet seine Devise für den Einzel am Samstag und den Sprint am Sonntag.

"Besser hätte er es nicht machen können", lobte Bundestrainer Mark Kirchner (Scheibe-Alsbach) derweil seinen langjährigen Schützling, "Es zeichnet Erik eben aus, dass er da ist, wenn es um die Wurst geht." Der Chefcoach zeigte sich gleichfalls etwas überrascht von Lessers starker läuferischer Vorstellung. "Das hätte ich so nicht erwartet, aber das sollte ihm viel Rückenwind für die ersten Weltcup-Rennen geben", sagte Kirchner.

Platz zwei und drei im Sprint gingen an Benedikt Doll (Breitnau) und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld), die bereits für den Weltcup qualifiziert waren. In der Verfolgung wurde Lucas Fratzscher vom WSV Oberhof starker Zweiter vor Roman Rees (Schauinsland). Rees, bereits im Sprint guter Vierter, wird folglich neben Lesser für den Weltcup-Auftakt nominiert. Wie Peiffer und Doll trainiert auch Rees verstärkt am Stützpunkt in Oberhof.

770 Kilometer im Bus

Mit dem Bus reist das komplette deutsche Biathlon-Team heute durch halb Finnland. Von Muonio geht es ins rund 770 Kilometer südlich gelegene Kontiolahti. Fahrzeit: Rund neun Stunden. Im WM- und Weltcup-Ort wartet am Donnerstag der fünfte Corona-Test auf Erik Lesser und seine Mitstreiter. Zuvor wurden zwei Testungen in Deutschland durchgeführt sowie zwei in Muonio. Erfreulicherweise alle negativ.

Wegen seiner schwachen Weltcup-Ergebnisse im vergangenen Winter war Lesser erstmals seit vielen Jahren nicht fix für die ersten Weltcup-Wettbewerbe nominiert worden. So musste er nun in die Ausscheidungsmühle mit dem Risiko des Scheiterns und der drohenden Rückreise nach Deutschland. "Man merkt, dass Erik weitgehend verletzungsfrei durch den Sommer gekommen ist und schmerzfrei ist", erklärte Auswahl-Physiotherapeut Silvio Thieme (Steinbach-Hallenberg). In der Vergangenheit plagten den Routinier vom SV Eintracht Frankenhain immer wieder hartnäckige Rückenprobleme.

Vorab fest nominiert für die ersten Weltcups waren Doll, Peiffer, Philipp Horn (Frankenhain) und Johannes Kühn (Reit im Winkl). Fratzscher hatte sich seinen Platz über ein persönliches Startrecht als Gewinner der Gesamtwertung des zweitklassigen IBU-Cups gesichert. Ex-Weltmeister Simon Schempp verpasste hingegen in Muonio das Weltcup-Ticket. Horn musste die beiden Testrennen in Finnland wegen leichter Rückenprobleme auslassen.

 

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