Meininger Briefmarkenbörse Paradies für die Jünger gezähnter Schätze

Konzentriertes Suchen, Sichten, Auswählen: Die Briefmarkenbörse in Meiningen bot ausgiebig Gelegenheit dazu. „Absoluter Rekord“, strahlt Christiane Kellermann vom Meininger Briefmarkensammlerverein: 100 Tische boten Platz zum Tausch und Kauf von Briefmarken, Postkarten und Münzen. Es waren so viele wie noch nie.

Wie viele Millionen – oder gar Milliarden? – Zähnchen an Briefmarken mögen es gewesen sein, die am Sonntag im Landratsamt versammelt waren? Wie viele Kisten mit historischen und neuen Postkarten und wie viele Münzen? Die Börsenverantwortliche vom Meininger Briefmarkensammlerverein, Christiane Kellermann, war ebenso wie 1. Vorsitzender Matthias Reichel und 2. Vorsitzender Matthias Menschner hin und weg: Nach zwei ausgefallenen Weihnachtsbörsen der Philatelisten lief’s bei der erstmals wieder möglichen Tausch- und Kaufgelegenheit in Meiningen bestens. „Gleich fünf Tische und mehr buchten die meisten Aussteller“, war zu hören.

Die Hitze am Sonntag hielt die Interessierten aus ganz Südthüringen, Franken und weit darüber hinaus nicht davon ab, in den bestens vorbereiteten Saal zu kommen und ihre Schätze auszubreiten. Es hätten sogar noch mehr Tische sein können: „Am Abend zuvor um 9 Uhr haben mich noch Leute angerufen und gefragt, ob sie nicht kommen könnten.“ Als Gast gern – als Aussteller leider nicht mehr, musste Christiane Kellermann antworten.

Strahlkraft bis Südtirol

Zu den Ausstellern gehörte zum Beispiel das „Philatelistische Büro Burkhard Magin“ aus Worms – „Die gehen sonst nur auf namhafte Börsen in großen Städten. Meiningen hat sich also wohl einen Namen gemacht“, freut sich der Vorstand. Aber auch über die guten alten Bekannten aus der Region ist man erfreut. Und natürlich über die langjährigen Partner aus dem mit Meiningen verschwisterten Obertshausen – 250 Kilometer Anreise haben diese in Kauf genommen, um die freundschaftlich verbundenen Meininger auf ihrer Börse zu unterstützen. „Es gibt halt eine Freundschaft unter uns, die währt schon lange“, sagte einer der Obertshäuser als Begründung. Am Briefmarkentisch habe man sich kennengelernt, bald nach der Wende, und ist nun seit Anfang der 2000er Jahre auch offiziell durch eine Partnerschaft verbunden. Und er verwies auf den Nachbartisch: Sogar aus Frankfurt am Main seien Besucher der Börse gekommen. Doch nicht nur Richtung Westen und sogar Südtirol haben die Meininger offenbar Strahlkraft: Zu Besuch war am Morgen auch eine Truppe von der Arge Messe Leipzig, mit Teilnehmern aus ganz Deutschland.

Einer, der immer dabei ist, wenn die Meininger etwas tun, ist Georg Schalling aus Suhl. Ihm überreichte Matthias Reichel einen weiteren Chronikteil, der das nun 30-jährige Zusammenspiel mit Philatelisten aus Südtirol dokumentiert. Meiningens Bürgermeister Fabian Giesder bekam die vollständige Chronik.

Auch ganz junge Philatelisten vom Evangelischen Gymnasium stellten ihre Alben und Sammlungen aus. Zehn Alben hat etwa Hugo Prüfer schon zusammen, Bertil Arnold an die 15. Aber es gibt auch die „Altgedienten“ unter den Philatelisten: Für zehnjährige Mitgliedschaft im Verein wurden Mitglieder jetzt geehrt.

Neben den direkt an Briefmarken, Post- und Ansichtskarten oder Münzen Interessierten waren auch die Mitarbeiter der Thüringer Verwaltung des Biosphärenreservates Rhön in Zella zu der Börse gekommen. Sie hatten einen Stand dabei, an dem es mannigfaltiges Infomaterial über die Rhön gab – und auch kostenlose Karten mit den „Schätzen der Rhön“, Tieren und Pflanzen.

Nicht von Ungefähr ist das Biosphärenreservat ein Partner der Meininger Briefmarkensammler: Seit vielen Jahren editieren beide gemeinsam einen Sonderstempel. „Meiningens Philatelisten bleiben sich auch 2022 treu: Es gibt den Sonderstempel Vogel des Jahres, diesmal mit dem Wiedehopf“, sagt Matthias Reichel nicht ohne Stolz.

Und so konnte man sie auch am Stand der Gastgeber sehen und kaufen: die philatelistischen Belege aus der vergangenen „Vogel“-Jahren, vom Eisvogel 2009 übers Rotkehlchen im durchaus schwierigen Jahr 2021 bis hin zur Pluskarte, einer Briefmarke individuell und zwei verschiedenen Souvenirkarten mit dem aktuellen Sonderstempel „Wiedehopf“, die den Besuchern angeboten wurden. Der frühere Chef der Biosphärenreservatsverwaltung und große Naturfreund Karl-Friedrich Abe aus Kaltensundheim sah es mit Freude, ist doch auch er eines der Mitglieder im Meininger Briefmarkensammlerverein.

Erwähnt werden darf auch, dass die Philatelie-Frauen wieder ihre Backkünste unter Beweis gestellt hatten und so die Börse mit einem süßen Angebot umrahmen konnten. Peter Sommer, Regina Werner, Katrin Menschner und Gitta Reichel brachten die Leckereien an den Mann und die Frau, die sich alle eben auch für weit mehr interessierten als alleinig für ihre „gezähnten Lieblinge“.

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