Leben mit Corona Von der Pandemie zur Endemie

dpa/Markus Brauer
„Ab hier bitte Mund und Nase bedecken“ steht am Eingang zur Messe „Reisen und Caravan“ im thüringischen Erfurt. Was bedeutet die Omikron-Variante für den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie? Kommt die erwartete Endemie oder muss man befürchten, sie ende nie? Foto: dpa//artin Schutt

Wie geht die Corona-Pandemie weiter? Kommt die erwartete Endemie? Oder muss man befürchten, sie ende nie? Was Fachleute nach zwei Jahren mit Sars-CoV-2 und Millionen Toten weltweit sagen.

Die Menschheit dürfte wohl oder übel auch in Zukunft mit dem Coronavirus leben müssen. Sars-CoV-2 wird bleiben. Ausrotten lässt sich ein so ansteckender und verbreiteter Erreger aller Voraussicht nach nicht.

Die Annahme ist vielmehr, dass das Virus endemisch wird. Das kann bedeuten, dass es wie die Grippe saisonal und geografisch begrenzt für Infektionswellen sorgt, ohne jedoch in einem Ausmaß wie bisher Menschen auf dem gesamten Globus schwer krank zu machen.

Endemie – Pandemie

Das Wort Endemie kommt vom Altgriechischen „en“ (im) und demos (Volk). Im medizinischen Sinne ist damit eine Infektionskrankheit gemeint, die in einer begrenzten Region gehäuft auftritt. Im Gegensatz dazu meint Pandemie die weltweite starke und unkontrollierte Ausbreitung einer Krankheit.

Bei einer Endemie sind über einen längeren Zeitraum in einer betroffenen Bevölkerung oder Region sowohl die Prävalenz (= Krankheitshäufigkeit) als auch die Inzidenz (= Neuerkrankungshäufigkeit) einer bestimmten Krankheit im Vergleich zu anderen Bevölkerungsgruppen oder Regionen erhöht. Zudem bleiben beide Werte mit geringen Schwankungen auf einem erhöhten sogenannten endemischen Niveau.

Eine in weiten Teilen der Welt verbreitete Krankheit kann in verschiedenen Regionen unterschiedlich häufig und schwer auftreten. Ähnlich kann mit Abflachen der Infektionswellen auch eine Erkrankung wie Covid-19 von einem pandemischen in einen endemischen Zustand übergehen.

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Endemie und Immunsystem

Das Immunsystem wird in einer Endemie nicht mehr mit einem neuartigen Erreger wie dem Coronavirus konfrontiert, sondern ist durch frühere Infektion oder durch Impfung gewappnet. Der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, spricht von einer Grundimmunität, die vor allem durch Impfungen aufgebaut werden müsse.

Epidemische Verläufe im Sinne eines langdauernden oder schnellen Anstiegs von Infektionszahlen würden dann ausgebremst, erläutert der Epidemiologe Rafael Mikolajczyk aus Halle.

Was seit Pandemiebeginn Anfang 2020 abläuft, ist im Prinzip ein Prozess der Anpassung. „Wie lange die Anpassung bei Sars-CoV-2 dauern wird, lässt sich schwer voraussagen», sagt Wieler. Vier verschiedene Corona-Erkältungsviren gebe es schon. „Auch die sind irgendwann einmal vom Tier auf den Menschen übergegangen.“

Anzunehmen sei, dass der Übergang in den endemischen Zustand bei ihnen schon sehr lange zurückliegt, „Jahrzehnte oder Jahrhunderte“.

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Von der Pandemie zur Endemie

Bei Sars-CoV-2 ist die Situation wegen der vorhandenen Impfstoffe eine besondere. „Wenn sich ein Großteil der Bürgerinnen und Bürger impfen lässt, haben wir den endemischen Status mit weniger schweren Krankheitsverläufen schneller“, erklärt Wieler.

Eine neu auftretende Virusvariante oder Veränderungen bei bereits bekannten Varianten könnten den weiteren Verlauf jedoch stark beeinflussen. Es sei entscheidend, schnell und effektiv zu handeln, um die Verbreitung des Virus und neuer Varianten zu verlangsamen, so Wieler. Die Ausbreitung neuer Varianten zu verhindern, sei „extrem schwer“.

Solche Varianten könnten Epidemiologen zufolge grundsätzlich sowohl das Erreichen der Endemie hinauszögern als auch beschleunigen. Im Einzelnen hängt das etwa davon ab, wie gut der Impfschutz erhalten bleibt, wie sich die Verbreitungsgeschwindigkeit und die Krankheitsschwere verändern – und welche Maßnahmen in Kraft sind.

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Von der Endemie zur Pandemie

Generell kann auch aus einer Endemie wieder eine Pandemie werden. „Neue Varianten können leider immer wieder zu einer neuen pandemischen Welle führen“, betont der Epidemiologe Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen. Umso entscheidender sei die globale Durchimpfung der Weltbevölkerung, „das verringert das Risiko für neue stark mutierte Varianten“.

RKI-Chef Wieler hält so ein Szenario derzeit „für eher unwahrscheinlich“ – wegen der bereits vorhandenen Grundimmunität in weiten Teilen der Bevölkerung. Viren entwickelten sich zwar auch dann punktuell weiter und könnten Krankheitswellen verursachen.

Für eine weitere Pandemie müsste sich das Virus laut Wieler jedoch „substanziell ändern – so wie man das von Influenzaviren kennt“. Doch Coronaviren besäßen keinen vergleichbaren Mechanismus.

 

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