Landesförderung Viel zu wenig Geld für Gebäude-Sanierung

Häuser dick einpacken – bei einer energetischen Sanierung muss mehr passieren. Foto: picture alliance / dpa/Armin Weigel

In Thüringen werden in den nächsten 20 Jahren rund 75 Milliarden Euro für die energetische Sanierung von Wohngebäuden benötigt – nur ein winziger Bruchteil steht als Fördergeld zur Verfügung.

In der rot-rot-grünen Landesregierung bahnt sich ein Streit an – ums Geld, aber auch ums Energiesparen. Hintergrund ist die Forderung von Infrastruktur- und Bauministerin Susanna Karawanskij (Linke) nach mehr Landes-Finanzen für die energetische Sanierung von Gebäuden im Freistaat. Karawanskij hatte am Freitag bekräftigt, bis zum Jahr 2045 würden für die entsprechende Sanierung des Thüringer Wohnungsbestandes rund 75 Milliarden Euro benötigt. Finanzministerin Heike Taubert (SPD) will die erwarteten 750 Millionen Euro Mehreinnahmen des Landes in diesem Jahr jedoch in die Stabilisierung der Landes-Finanzen stecken.

Die Thüringer Grünen sprangen am Wochenende der Karawanskij-Forderung bei. „Jede Kilowattstunde, die zukünftig nicht benötigt wird, schont dauerhaft den öffentlichen Geldbeutel und vor allem auch das Klima“, sagte Grünen-Landessprecher Bernhard Stengele. Neben dem Wohnungs-Bereich dürften aber auch die landeseigenen Immobilien, Hochschulen und die Kommunen mit ihren Gebäuden nicht vergessen werden.

Bei der energetischen Sanierung von Gebäuden geht es darum, den Energiebedarf zu senken. Dies kann etwa durch Wärmedämmung, den Austausch alter und undichter Fenster, den Einbau sparsamer Heizungen bis hin zur Energiegewinnung etwa durch Fotovoltaik geschehen. Langfristiges Ziel ist dabei, den Gebäudebestand klimaneutral zu machen. Mit Landes-Förderung sollen hier Anreize für die Wohnungswirtschaft geschaffen werden. Sie müsste den Berechnungen zufolge jedes Jahr rund 3,4 Milliarden Euro investieren.

Der Landtag hatte im Oktober ein Sondervermögen von 407 Millionen Euro beschlossen, das vor allem Hilfen für die Wirtschaft in der Energiekrise vorsieht. Mit 107 Millionen Euro sollen Schulträger, Kindergärten, Krankenhäuser, Vereine und Privathaushalte unterstützt werden. Diese Mittel seien bei Weitem nicht ausreichend, erklärten die Grünen: „Auch hier kann und muss der Turbo aktiviert werden“, so Landessprecher Stengele.

Die Grünen fordern deshalb, schnell einen Gipfel zur energetischen Sanierung einzuberufen – unter anderem mit dem Denkmalschutz. „Bisher bremsen sich Denkmalschutz und Wärmedämmung sowie Denkmalschutz und Energiegewinnung an Gebäuden, etwa durch Solaranlagen, aus.“ Inzwischen erlaubten neue Regelungen der Bundesregierung zwar ein schnelleres Handeln, aber ein gut abgestimmtes Vorgehen würde alle Verfahren weiter beschleunigen, erklärten die Grünen. Sie fordern zudem, die Wärmedämmung immer auch ökologisch zu denken, damit es nicht zu langfristigen Problemen an Gebäuden und deren Substanz führt. Bekanntlich hatte das luftdichte Einpacken von Gebäuden mit dicken Dämmfassaden schon in den 1990er und 2000er Jahren stellenweise zu massivem Schimmel-Befall geführt.

In Thüringen gibt es nach Daten des Landesamtes für Statistik rund 536 000 Wohngebäude, darunter sind mehr als 355 000 Ein- und fast 94 000 Zweifamilienhäuser. Gut die Hälfte der 1,15 Millionen Wohnungen in Thüringen – nämlich 600 000 – liegt in Mehrfamilienhäusern, die vielfach kommunalen Wohnungsgesellschaften gehören.

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