Knüllfeld-Festival Keep Yourself-Veranstalter suchen nach Kritik den Dialog

Große Missverständnisse vermuten die Veranstalter des „Keep Yourself“-Festes auf dem Knüllfeld nach der Kritik der AG „Naturschutz für das Knüllfeld“. Die wollen sie nun ausräumen.

Steinbach-Hallenberg - Drei Tage Musik, Kreativkurse und Lesungen – das ist seit 2015 das einmal im Jahr stattfindende „Keep Yourself“-Festival auf dem Knüllfeld, das stets Hunderte junge Menschen ins Haseltal lockt. Nach dem Ausfall im vergangenen Jahr konnte es Anfang August unter Auflagen erneut stattfinden. Die Umweltverträglichkeit gehört nach eigener Aussage zum Anspruch der gut 60 zumeist jungen Vereinsmitglieder.

Es ist die Arbeitsgruppe „Naturschutz für das Knüllfeld“, die genau das bezweifelt und den Verein kritisiert – in sozialen Medien, mit einer Anzeige beim Ordnungsamt und einem Leserbrief an die Heimatzeitung. Altstadtrat und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft, Dieter Schmidtke, bezeichnet das Festival als kommerzielle „Remmy-Demmy-Veranstaltung“, bei der es nur „um die Bewegung zwischen Daumen und Zeigefinger“ gehe. Laute Techno-Musik, 14 Tage lang, vertreibe Fledermäuse, Wildkatzen und Wiesenrallen und lasse sogar Rehkitze verhungern. Eine Woche danach gleiche das Knüllfeld einem Trümmerfeld, wettert Schmidtke und und belegt das mit Fotos von Holzhaufen und herumliegenden Plastikfässern auf dem Knüllfeld.

„Ich kenne die Kritik. Sie entspricht einfach nicht den Tatsachen“, sagt Niklas Muschner vom Keep Yourself-Verein auf Anfrage am Telefon. Angefangen bei der Musik, die dauere drei Tage, keine zwei Wochen. Die fotografierten Fässer haben mit dem Festival überhaupt nichts zu tun. Ebenso wenig, wie die rund 20 Quadratmeter Dachpappe, die die Festivalmacher aus dem Wald geholt haben. Die Beräumungsaktion gehöre für sie seit Jahren zum Programm. Zu Tage kommen dabei illegale Müllplätze, aber auch Feierabfälle von Pfingstfesten oder Männertagen, vermutet Muschner. „Auch wir sind da immer wieder erschrocken. Nach unserem Festival sieht es auf dem Knüllfeld jetzt aus wie gestaubsaugt.“

Natürlich brauche es dafür ein paar Tage. Einige wenige der Holzhütten stehen bereits seit Jahren, weil ein alljährlicher Abriss eher nicht nachhaltig wäre. Das sei mit dem Waldeigentümer abgestimmt, der das auch entscheide. Was an Holz übrig sei, verschenke man jedes Jahr an die Bevölkerung. Die jetzt aufgetauchten Fotos seien offenbar noch vor der Begehung mit dem Ordnungsamt – am Donnerstag nach dem Festival – entstanden, bei der bereits alles in Ordnung war.

„Die öffentliche Kritik ist völlig vernichtend für uns, das ist einfach schade“, bedauert Muschner, zumal die jungen Menschen das genaue Gegenteil wollen. In enger Kooperation mit der Kommune, dem Landratsamt und dem Gaststättenbetreiber sei über Wochen ein Veranstaltungskonzept erarbeitet worden, sowohl im Hinblick auf die Pandemie, als auch möglichst immissionsschonend für Natur, Gäste und Anwohner. Oberstes Credo sei es dieses Jahr gewesen, den Spagat zwischen Sicherheit und Freiheit für die Gäste und der Rücksicht auf die umliegenden Orte und das Landschaftsschutzgebiet hinzubekommen.

„Unser Verein besteht im Kern aus einem Freundeskreis aus der Region, von Steinbach-Hallenberg, über Viernau, Zella-Mehlis bis Suhl. Nachhaltigkeit haben wir uns auf die Fahnen geschrieben. Wir sind keine Rave-Veranstaltung, wir wollen eine Kulturplattform bieten.“ Alle Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und die Einnahmen aus dem Festival fließen in Projekte in der Region zurück, sei es für Jugendfeuerwehren oder Kindergärten.

Jetzt wolle der Vorstand gezielt auf die Naturschützer zugehen, um die Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, die seien offensichtlich riesig. Dem „Keep Yourself“-Verein gehe es gerade nicht um Kommerz und in Sachen Umweltschutz wolle man als Festivalveranstalter Vorreiter für Umweltverträglichkeit und Müllvermeidung sein. Dass dieses Anliegen nach so vielen Jahren nicht in der breiten Bevölkerung angekommen sei, liege offenbar an mangelnder Öffentlichkeitsarbeit. Das soll sich ändern, versprach Muschner.

Bei den Gästen aus nah und fern sei das Festival erneut sehr gut angekommen. Zum Angebot gehörten neben Workshops, wie Slacklining, Reliefwanderung, Jonglage, Moderation einer Radioshow, Filzen oder Makramee, auch ein Bühnenprogramm mit weit mehr als nur Technomusik. Kulinarisch seien auch Liebhaber ausgefallener Speisen und Getränke – mit Fleisch- und Veggie-Spezialitäten, hausgemachte Nudeln und Pizza, bis hin zu selbst entworfenen Cocktails – auf ihre Kosten gekommen.

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