Kliniken in der Krise Krankenhäuser fordern Ausgleich

Die Krankenhausdirektoren der thüringischen Regiomed-Kliniken Michael Renziehausen (links) und Marco Zipfel (rechts) bei der Protestaktion am 14. September in Erfurt. Foto: /Privat

Inflation und Energiekosten treffen auch das Gesundheitswesen, so den Regiomed-Verbund. Der fordert nun einen Ausgleich – entsprechend beteiligte sich das Sonneberger Klinik-Management an einer Protestaktion in Erfurt.

Bundesweit sorgen Krankenhäuser im Rahmen der Aktion „Alarmstufe Rot“, initiiert von der Deutschen Krankenhausgesellschaft, für Aufsehen. Sie sensibilisieren für die prekäre wirtschaftliche Situation der Kliniken angesichts von explodierenden Kosten und Inflation.

Auch Regiomed schließt sich den Forderungen nach einem Inflations- und Energiekostenausgleich an. Ohne drohe die „wirtschaftliche Intensivstation“ für viele Häuser, teilte der Konzern am Montag mit. Hintergrund sind die extrem gestiegenen Kosten für Material und Energie. Nach mehr als zwei Jahren Pandemiegeschehen bringen diese Kosten die Kliniken an ihre wirtschaftliche Belastungsgrenze. Davon bleibe auch Regiomed nicht verschont, so eine Unternehmenssprecherin: Allein im Bereich der Energiekosten rechne man mit einem Plus in Höhe von 250 Prozent fürs kommende Jahr. Geschäftsführer Michael Musick sieht die positive Entwicklung, die der Verbund zuletzt genommen habe, gefährdet. Die eingeleitete Trendwende werde im unglücklichsten Fall abgewürgt. „Es ist eine Besonderheit des Gesundheitswesens, dass die Kostensätze mit den Krankenkassen verhandelt sind und ein Nachverhandeln nicht möglich ist. Überhaupt ist der maximale Preisanstieg begrenzt. Somit sind uns einnahmeseitig die Hände gebunden, während die Ausgaben davon galoppieren“, beschreibt Musick die Situation.

Hintergrund: Anders als in der Wirtschaft üblich, können Krankenhäuser entstehende Mehrkosten nicht an ihre „Kunden“, die Patienten, weitergeben. Die Vergütungen der Kassen für medizinische Leistungen, welche den Betrieb der Krankenhäuser finanzieren, sind vom Gesetzgeber so streng reglementiert, dass sich für die Krankenhäuser keine Möglichkeit bietet, die tatsächlichen Preissteigerungen zu refinanzieren.

Trotz der eindeutigen Problemlage würden entsprechende Eingaben an die Bundesregierung und Gesundheitsminister Karl Lauterbach bisher ungehört verhallen, auch wenn ein erstes positives Zeichen von Seiten des Gesundheitsministers kam. Thüringer Vertreter des Klinikverbundes haben daher am 14. September an einer Protestkundgebung vorm Thüringer Landtag teilgenommen. Auch ein Schreiben an die Bundestagsabgeordneten im Regiomed-Gebiet hat der Klinikverbund kürzlich auf den Weg gebracht und um Unterstützung für einen Inflationsausgleich geworben.

Dabei ist Handlungsbedarf angezeigt, bekräftigt Musick: „Für uns ist klar: Die Bundesregierung muss jetzt zwingend handeln, wenn die medizinische Versorgung im Land aufrechterhalten werden soll. Mehr als jede andere Branche ist das Gesundheitswesen systemrelevant und auf Hilfen angewiesen.“

Flankiert werden die Appelle von eigenen Energiesparmaßnahmen, die der Verbund ergreift. „Natürlich suchen auch wir nach Einsparmöglichkeiten und sensibilisieren unsere Mitarbeiter, aber die Möglichkeiten sind im laufenden Klinikbetrieb schlichtweg begrenzt“, so Musick.

Die Lage ist angespannt: Eine RWI-Studie zur wirtschaftlichen Situation ergab jüngst, dass bundesweit 60 Prozent der Krankenhäuser in diesem Jahr rote Zahlen schreiben, ein Fünftel rechnet sogar damit, keine Kredite mehr zu erhalten. 2023 droht die Lage weiter zu eskalieren mit dann bis zu 80 Prozent Kliniken in der Verlustzone. Die Kliniken im regionalen Verbund befürworten daher die Aktion der Deutschen Krankenhausgesellschaft einen Inflationsausgleich zu fordern, um eine noch massivere Kostenkonsolidierung mit möglichen negativen Folgen für die Patientenversorgung zu vermeiden. Die DKG hat hierfür eine Petition gestartet, die von Regiomed unterstützt wird: https://www.openpetition.de/!AlarmstufeRot

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