Hildburghausen Regiomed: Rasche Zustimmung nach stundenlanger Beratung

Wie steht es tatsächlich um den bayerisch-thüringischen Regiomed-Klinikverbund? Dazu haben Neustadts Oberbürgermeister Frank Rebhan und der Coburger Stadtrat Hans-Heinrich Eidt Fragen gestellt. Am Montag nächster Woche sollen sie beantwortet werden. Foto: Archiv Frank Wunderatsch

Hildburghausens Kreisräte haben am Freitag der Verschmelzung der Medizinischen Versorgungszentren von Regiomed zugestimmt. Aus den geplanten vier statt sechs Gesellschaften mit begrenzter Haftung (GmbH) soll perspektivisch eine werden.

Hildburghausen - "Schlanker und schneller" muss der kommunale Klinikverbund Regiomed werden, um seine finanzielle Schieflage zu überwinden, sagt dessen Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke am Freitagabend nach dem öffentlichen Teil der Sondersitzung des Kreistages Hildburghausen. "Das wird für das Erreichen einer schwarzen Null entscheidend sein." Gegenwärtig wird bei Regiomed daran gearbeitet, die Komplexität des Verbundes zu reduzieren, um die Kosten zu senken und die Erträge zu steigern. Insgesamt hat der Zusammenschluss mit den vier Gesellschaftern Stadt und Landkreis Coburg sowie Landkreise Hildburghausen, Sonneberg und Lichtenfels 17 Tochtergesellschaften. "Wenn daraus künftig zehn werden, haben wir einiges erreicht", sagt Schmidtke. "Die heutige Zustimmung ist ein Schritt. Wir nehmen Fahrt auf."

Hildburghausens Kreisräte haben nach einer zwei Stunden und 49 Minuten währenden Beratung im nichtöffentlichen Teil Sitzung für die nur eine Stunde veranschlagt war, anschließend innerhalb von nur drei Minuten im öffentlichen Teil der Sitzung die Verschmelzung der Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) der Regiomed Kliniken GmbH befürwortet. Von 41 Stimmberechtigten waren 30 anwesend. 27 von ihnen stimmten mit Ja, drei enthielten sich bei keiner Gegenstimme.

Mit dem Beschluss ist Landrat Thomas Müller (CDU) beauftragt, in der Gesellschafterversammlung und im Aufsichtsrat von Regiomed mehreren Beschlüssen zuzustimmen, die sich auf die Zusammenführung der MVZ-Gesellschaften beziehen. In einem ersten Schritt sollen die Anteile der Thüringer MVZ-Gesellschaften Ambulantes Zentrum Henneberger Land mit Standorten in Eisfeld, Hildburghausen, Schleusingen, Themar und Römhild sowie die Medinos Medizinische Versorgungszentren mit Standorten in Sonneberg und Neuhaus vollständig auf die Klinikum Coburg GmbH übertragen werden. Das MVZ "Poliklinik am Markt" GmbH Hildburghausen ist bereits eine Tochtergesellschaft der Klinikum Coburg GmbH. Danach ist geplant, eben diese Tochtergesellschaften der Klinikum Coburg GmbH in der Ambulante Zentrum Henneberger Land GmbH rückwirkend zum 31. Dezember 2018 oder 2. Januar 2019 zusammenzuführen. Außerdem sollen die Anteile der Klinikum Lichtenfels Medizinische Versorgungszentren GmbH auf die Klinikum Coburg GmbH übertragen werden.

Infolge dieser Maßnahmen werden aus den bislang sechs unter der Klinikum Coburg GmbH stehenden MVZ vier: die Ambulantes Zentrum Henneberger Land GmbH, die MVZ Klinikum Coburg GmbH, die MVZ Klinik Neustadt GmbH und die Klinikum Lichtenfels MVZ GmbH. Perspektivisch soll es im Sinne der Verschlankung und Effizienz nur noch eine GmbH geben mit einem Wirtschaftsplan und einem Jahresabschluss. Gegenwärtig werden diese Zahlenwerke noch separat erstellt.

Die Zustimmung der Kreisräte, die am 15. August noch für eine Vertagung des Antrages wegen unzureichender Information votiert hatten, basiert auf einer Präsentation des Gutachtens der Unternehmensberatung Roland Berger über den Zustand des Klinikverbundes. Dazu stellten die Kreistagsmitglieder eine Reihe von Fragen und der nichtöffentliche Teil der Sitzung zog sich deshalb in die Länge. Die Unternehmensberater gehen von einer positiven Fortführungsprognose für Regiomed aus. Das soll heißen, der Klinikverbund kann in absehbarer Zeit wieder schwarze Zahlen schreiben. Landrat Thomas Müller sagt, laut Studie könne das bereits im Jahr 2021 der Fall sein. Für Hauptgeschäftsführer Alexander Schmidtke war der nichtöffentliche Teil der Sitzung mit Überlänge sehr gut investierte Zeit. "Ich glaube es ist wichtig, umfassend und transparent zu informieren und kritische Fragen ernst zu nehmen", sagt er. "Wenn die Kommunalpolitik merkt, dass man sie ernst nimmt, kann sie auch solche schweren Entscheidungen fällen. Dazu muss Vertrauen aufgebaut werden."

 

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