Kloster Veßra - Stellt euch vor: Draußen ist es klirrend kalt, der Schnee glitzert, der Wind scheint an jedem Fleckchen nackter Haut zu beißen. Nichts wie rein in die warme Stube! Der Wasserkessel auf der heißen Herdplatte gibt Geräusche von sich – und wenig später siedet das Nass. Sanft küsst das Wasser die Kräuter in der Teekanne. Riecht das verführerisch – und schmeckt das gut! Es ist selbst gesammelter Tee, der im Winter zur erlesenen Köstlichkeit wird, der von innen wärmt, der glücklich macht. Sigrid Niedner hört die Bienen summen, wenn sie ihren Tee im Winter genießt, sie sieht blühende Wiesen vor ihrem inneren Auge und Lebensfreude steigt in ihr auf. Schon der bloße Gedanke daran schüttet Glückshormone aus. Sigrid Niedner ist glücklich. Die Landschaftsgärtnerin, die sich in Kloster Veßra und den riesigen Klostergarten verliebt hat, genießt den Spaziergang durchs Grün, schöpft Kraft und scheint jedes Kräutchen zu kennen. Sie möchte ihr Wissen mit anderen teilen. Sie lächelt, als sie am Grünen Mittwoch in Kloster Veßra ihre Gäste auf eine „ganz wunderbare Reise“ in die Welt der Kräuter und Tees mitnimmt. „Es ist eine Reise zu euch selbst“, sagt sie – und längst hat sie mit ihrer Ausstrahlungskraft die Mitwanderer in ihren Bann gezogen. Die Gruppe ist abgetaucht in den Supermarkt der Natur – und entdeckt in seinen Regalen Spitzwegerich, Rotklee, dazwischen Gänseblümchen und am Rand Brennnesseln. Der Alltag ist vergessen. Und vergessen geglaubtes Wissen der Ahnen wird zurück ins Bewusstsein gespült. Sigrid Niedner hilft dabei. „Unsere Vorfahren waren auf das Wissen um die Wirkung von Kräutern angewiesen. Sie wussten, was sie sammeln können. Und dieses Wissen müssen wir wieder herauskitzeln.“ Sie lerne die Pflanzen bei ihren Ausflügen in die Welt der Wiesenkräuter neu kennen, hat entdeckt, dass der Frauenmantel den Gundermann mag, weiß mittlerweile, wo welches Kräutchen zu finden ist. Und sie ist überzeugt, dass auf den Wiesen „alles für uns wächst“. Kräuter, Spinat, Salat – nur zugreifen müsse man.