fahr-Rad-Festival Suhl mausert sich zur Rad-Fahr-Stadt

Mit dem Fahrrad über Rampen fahren und durch die Luft sausen. Der Traum von drei Jungs ist gewachsen. Und zwar zu einem großen fahr-Rad-Festival. Mitten auf dem Suhler Marktplatz.

Eigentlich war das ja alles ganz anders geplant. Kein großes Festival auf dem Suhler Marktplatz. Auch keine Aussteller. Nur einfach eine Präsentation einer Projektarbeit zum Mointainbiking. So war der Plan. Und doch war am Samstag auf dem Suhler Marktplatz das pralle Leben mit verschiedenen Akteuren, die vor allem Radfahrer anlockten.

Doch ganz von vorne: Joris Pöhlmann liebt das Fahrradfahren. In der Volkshochschule Suhl klopfte er an und wollte wissen, ob Unterstützung für die Idee zum Bau von Downhill-Rampen möglich sei. Gemeinsam seinen beiden Schulkameraden Pepe Peter und Marius Hantke, dem Kinderheim Benshausen und dem ADFC konnten drei Downhill-Rampen entstehen. Am Samstag wurden sie ganz offiziell eingeweiht.

„Wir haben überlegt, wen wir dazu mit einladen könnten – was dazu passt. Wir wollten Leute bewegen, sich zu bewegen“, sagt Adrienne Höfling von der VHS. Die anfängliche Idee, nur die Volkshochschule und den ADFC mit ins Boot zu holen, erschien zu klein. Warum also nicht größer planen?

Deshalb wurde bei den unterschiedlichsten Partnern angefragt. Und damit offene Türen eingerannt. Für die Suhler Grünen mit Bernhard Hofmeier ist klar: „Man kann sich vorstellen, dass Suhl zur Fahrradstadt wird. Das ist eine Frage des Willens.“ Da kann ihm Marko Türk nur Recht geben: „Wir sind eine Stadt der 15 Minuten. Ich fahre alle meine Wege hier mit dem Rad. Das Problem in Suhl ist die Infrastruktur. Wir haben im Moment gar keinen Platz für Fahrradfahrer, dafür aber zu viel Autoinfrastruktur.“

Damit die Radfahrer in Suhl sicher ans Ziel kommen, hat die Verkehrswacht ihren neuen Lichttunnel mitgebracht. Beim Blick hinein wird schnell klar: Radfahrer ohne Licht werden in der Nacht von Autofahrern viel zu spät erkannt. Das ist bei Fußgängern nicht anders. Mit dunkler Kleidung können Fahrzeuglenker sie erst 30 Meter vorher sehen.

Wer mehr als nur in der Stadt fahren möchte, dem haben gleich zwei Radreise-Veranstalter verschiedenste Möglichkeiten präsentiert. Auf eigene Faust die Umgebung mit dem Rad entdecken – dafür hat der Verlag Grünes Herz Fahrradführer und -karten vorgestellt.

André und Christine Hofmann haben die Gelegenheit genutzt und sind mit ihren e-Bikes an den Stand des ADFC gekommen. Sie wollen ihre Räder codieren lassen. Besser so, erfahren sie hier. Mit solch einer Codierung sei es schon öfter möglich gewesen, das eigene Rad nach einem Diebstahl zurück zu bekommen.

Dass man nicht nur als gesunder Mensch Fahrrad fahren kann, zeigt am Stand des Sozialen Zentrums und des Behindertenbeirates Wolfgang Scharr aus Schleusingen. Der 86-Jährige kann nicht mehr in die Pedale treten und ist deshalb seit zehn Jahren mit einem Handfahrrad unterwegs. „Damit war ich schon 200 000 Kilometer unterwegs, in ganz Deutschland“, verrät er. Und auch zum fahr-Rad-Festival ist er damit angereist. So wie Uwe Freund aus Waldau mit seinem Liegerad. „Es gibt keine Ausreden mehr“, sind sich die beiden Männer einig.

Zwar hat das Technische Hilfswerk eher weniger mit Fahrrädern zu tun. Dafür lockt es mit seiner Technikschau so manchen Zaungast auf den Marktplatz. “Vielleicht können wir heute sogar noch neue Helfer für uns gewinnen“, hofft Daniel Hofmann.

Zum fahr-Rad-Festival hat es auch Sylvia Luck gezogen. Sie ist betreuende Lehrerin an der Impulsschule in Suhl. Klar ist sie auf ihre drei Schüler stolz, die das alles angestoßen haben. Eben mit ihrer Projektarbeit zum Mountainbiking und dem Bau der Rampen. „Ohne sie wäre heute der Markt leer“, ist sie sich sicher. „Das, was aus ihrer Idee geworden ist, das ist fantastisch.“ Kein Wunder, dass es jetzt schon Pläne der Volkshochschule gibt, auch 2023 ein ähnliches Festival zu organisieren.

Autor

 

Bilder