Zwischen EBV und Multipler Sklerose gibt es einen klaren Zusammenhang. Jemand, der EBV-negativ ist, wird niemals Multiple Sklerose bekommen. Also: Alle Menschen, die MS haben, sind auch EBV-positiv. MS tritt allerdings auch bei Menschen auf, die nicht an Pfeifferschem Drüsenfieber erkrankt waren. Hat man diese Krankheit aber durchgemacht, ist das Risiko, jung an Multipler Sklerose zu erkranken, drei- bis fünfmal so hoch.
Sie arbeiten an einer Impfung. Wann wird sie auf den Markt kommen?
Es gibt mittlerweile mehrere Aktivitäten weltweit. Wir am Helmholtz-Zentrum München entwickeln einen Impfstoff, der frühestens 2025 oder 2026 in die relevante Phase der klinischen Prüfung gehen wird. Wir setzen bei unserem Kandidaten auf virusähnliche Partikel. Sie signalisieren dem Immunsystem eine EBV-Infektion und lösen so eine breite Abwehrreaktion aus. Dadurch soll das Immunsystem vorbereitet sein, wenn es in der Pubertät erstmals mit dem Virus in Kontakt kommt.
Wer soll eines Tages geimpft werden?
Es macht Sinn, EBV-negative Kinder zu impfen, die vor der Pubertät stehen. Wie bei der Impfung gegen Humane Papillom-Viren werden das Neun- bis 14-Jährige sein. Sie sollen einen Immunschutz bekommen, bevor sie sexuell aktiv werden und möglicherweise an Pfeifferschem Drüsenfieber erkranken. Eine Impfung ist aber auch für EBV-negative Heranwachsende und junge Erwachsene angeraten. Ob jemand bereits Kontakt zu EBV hatte, lässt sich mit einem einfachen Bluttest feststellen.
Der Impfstoffforscher
Wissenschaft
Der Virologe und Immunologe Wolfgang Hammerschmidt (66) leitet das „EBV Vaccine Development“ Team am Helmholtz Zentrum München. Er erforscht das Epstein-Barr-Virus und dessen Beitrag zu verschiedenen Krankheiten seit vielen Jahren und arbeitet zusätzlich an einem EBV-Impfstoff.