Diner en Blanc Ganz in weiß...

Wer hätte das gedacht: Der Mühlplatz im Herzen Suhls kann auch stilvoll und romantisch, als er beim Diner en Blanc in ganz neuem Glanze erstrahlt. Foto: wai

Der Mühlplatz zwischen Lauter, Malzhaus, Hochhäusern und CCS war vergangenen Samstag Schauplatz eines ganz besonderen Spektakels. Etwa 30 Suhler und Gäste der Stadt verpassten dem sonst wenig einladenden Platz bei einem Diner en Blanc ein stilvolles Ambiente.

Eine Hochzeit, die Tagung einer neuen Sekte oder ein Treffen von Vertretern der Bleichmittelindustrie? Nicht wenige Passanten zeigten sich am Samstagabend verwundert über die Schar von Damen und Herren in stilvoller weißer Kleidung, die es sich an weiß gedeckten Tafeln auf weißen Stühlen unter den schattenspendenden Bäumchen des Mühlplatzes bequem gemacht hatten, festlich tafelten und plauderten. Zu fortgeschrittener Stunde bekam das Ganze mit kleinen Lichtern und einer in den Bäumen aufgehängten Lichterkette sogar noch einen höchst romantischen, mediterranen Touch, sodass fast der Eindruck entstand, hier werde auf einem idyllischen Marktplatz in der Toskana oder in Griechenland gefeiert.

Bloß kein Plastik!

Doch weit gefehlt: Hier trafen sich Suhler und Gäste der Stadt, die einfach nur stilvoll ein paar entspannte und gesellige Stunden mit anregenden Gesprächen und kulinarischen Genüssen verbringen wollten. 2018 wurde das Experiment eines solchen Dinners en blanc erstmals im Stadtpark gewagt und stieß dabei auf große Resonanz, sodass zur zweiten Auflage 2019 an der Sauer-Villa schon deutlich mehr Gäste kamen. 2020 fiele das Treffen dann aufgrund der Corona-Pandemie aus und im vergangenen Jahr ging es in kleinerem Rahmen am Herrenteich über die Bühne.

Die Idee hinter dem von der Stadt ausdrücklich erwünschten und insbesondere von Robert Stelzer aus dem Kulturamt unkompliziert unterstützten Flashmob-Dinner: Jeder bringt einen Tisch, einen Stuhl, Porzellan-Geschirr, Besteck – Plastik ist streng verpönt – Dekoration und Kerzen mit und natürlich etwas Leckeres zu Essen und zu Trinken. Dann tafelt man bei einem Zwei- bis Drei-Gänge-Menü gemeinsam mit den anderen in geselliger Runde. „Einzige Auflage dabei: Es soll möglichst alles in weiß gehalten sein“, erklärt Sibylle Merkel, eine von mehreren Personen, bei denen die Fäden zusammenlaufen, denn einen Verantwortlichen gibt es nicht und die Organisatoren bleiben im Verborgenen. „Es ist eine rein private Initiative ohne kommerziellen oder politischen Hintergrund. Jeder ist für sich selbst verantwortlich“, sagt sie unserer Zeitung. Die Verabredung läuft über soziale Netzwerke im Internet.

Das schöne dabei sei, sagt etwa Holger Buchler aus Suhl, dass man auf so viele verschiedene Leute zum Austausch treffe. „Aus allen Einkommensschichten, aus verschiedenen Ländern und Religionen – das macht die Sache so spannend und interessant.“ Wichtig sei dabei der Mensch, nicht seine Herkunft oder Profession. Dass dabei der eine oder andere gute Tropfen kredenzt werde, mancher sogar seinen Lieblingswein oder Champagner zum Verkosten mitbringe, sei ein schöner Nebeneffekt.

Der Spaß am Leben

„Der Spaß an der Freud’, der Spaß am Leben steht im Mittelpunkt“, pflichtet ihm Sibylle Merkel bei und ist sich dabei mit Rewe-Inhaberin Katja Fiedler oder Fahrzeugmuseumschef Thorsten Orban ein, die ebenso an der weißen Tafel Platz genommen hatten. So wie übrigens auch einige Zaungäste, die zuerst schauten und fragten, was denn hier los sei, und sich dann – mit einer weißen Tischdecke über den Schultern – ganz spontan zu der bis in den Abend hinein tafelnden Runde hinzugestellten.

Auch im nächsten Sommer, blicken die Teilnehmer voraus, soll in Suhl wieder geschlemmt, geplaudert und gelacht werden. dann vielleicht mit mehr Teilnehmern und wieder an einem anderen Suhler Platz.

Die Idee des in vielen Städten zelebrierten Diner en Blanc entstand 1988 in Paris , als Francois Pasquier seine überfüllte private Gartenparty mit 200 Freunden spontan in den nahe gelegenen Park „Bois de Boulogne” verlegte. In der Folge entstand das Dîner en Blanc – eine Art Flashmob-Dinner an einem öffentlichen Platz mitten in der Stadt.

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