Corona-Pandemie Noch zu viele Fälle: Landrat für Total-Lockdown

Thomas Müller. Foto: frankphoto.de

Von Montag an sollen Schulen und Kitas wieder in den eingeschränkten Regelbetrieb übergehen. Viel zu riskant und falsch, sagt Landrat Thomas Müller. Er fordert vom Land noch vor Weihnachten weitere und schärfere Einschränkungen.

Hildburghausen - Auch wenn der Landkreis Hildburghausen deutschlandweit nicht mehr Spitzenreiter bei den Corona-Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage, bezogen auf 100.000 Einwohner, ist: „Es kann bezüglich des aktuellen Inzidenzwerts von derzeit rund um 400 Fällen für den Landkreis keine Entwarnung geben“, sagt Hildburghausens Landrat Thomas Müller (CDU).

Am Mittwochabend habe es eine Schaltkonferenz mit dem Thüringer Bildungsministerium gegeben. Es sei viel und auch kontrovers diskutiert worden, konkrete Ergebnisse habe es aber nicht gegeben, sagt der Landrat auf Anfrage unserer Redaktion. Was er nicht verstehe: „Es kann nicht sein, dass wir am kommenden Montag in allen Schulen und Kitas wieder zum eingeschränkten Regelbetrieb der Stufe Gelb auf der Corona-Ampel übergehen müssen.“ Der Massentest in Kitas und Schulen im Landkreis Hildburghausen habe gezeigt, dass es bei etwa 2500 freiwillig am Massentest teilgenommenen Personen zwar nur 17 bisher unentdeckte, positive Corona-Fälle gegeben habe, die zuvor keine typischen Corona-Symptome gehabt hätten. „Doch was wäre gewesen, wenn diese 17 Personen – ohne Entdeckung und Anordnung von Quarantäne - zig weitere Menschen in Kitas und Schulen angesteckt hätten“, fragt Müller. Dann wären wir ganz schnell wieder Spitzenreiter im Corona-Ranking der Neuinfektionen geworden, sagt er.

Nach den jüngsten Äußerungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom Mittwoch, schärfere Beschränkungen und auch längere Weihnachtsferien vorzusehen, fordert Hildburghausens Landrat vom Land ganz schnelle Entscheidungen und zwar noch vor Weihnachten, um das Infektionsgeschehen spürbar einzudämmen. „Wenn wir noch die Chance haben wollen, Weihnachten in der Familie, wenn auch in eingeschränktem Umfang, feiern zu wollen, müssen wir jetzt vor Weihnachten rasch und schnell landesweit schärfere Einschränkungen verordnen“, fordert Müller. Das bedeute, Schulen und Kitas zu schließen, ebenso auch nicht relevante Einzelhandelsgeschäfte.

Da solle man sich an die beschlossenen Maßnahmen in Sachsen anlehnen. „Wir müssen bis zu den Festtagen das Infektionsgeschehen senken, damit Familien wenigstens in abgespeckter Form Weihachten feiern können“, so der Landrat. Und diese Entscheidungen müssten jetzt ganz schnell kommen. Müller plädiert auch – ähnlich wie die Bundeskanzlerin – für verlängerte Weihnachts-Schulferien: am besten schon ab 14. und nicht erst vom 19. Dezember an sowie möglichst bis zum 10. Januar 2021. „Das ist erforderlich, wenn wir wirklich etwas erreichen wollen“, sagt Müller. Rund um Weihnachten und über die Feiertage, würden zu Recht keine Labore arbeiten. „Wenn wir vor Weihnachten nicht mit den Infektionszahlen runterkommen, dann werden wir nach Weihnachten unser blaues Wunder erleben“, prophezeit der Landrat.

Unterdessen hat sich das Infektionsgeschehen auch in Pflegeeinrichtungen wieder weiter ausgebreitet. So wurden in einem Pflegeheim in Schleusingen 51 Neuinfektionen registriert. In einem Pflegeheim in Hildburghausen-Birkenfeld hat sich das Infektionsgeschehen dagegen wieder spürbar entspannt. Wurden mit Stichtag vom 26. November laut Landratsamt von 172 getesteten Bewohnern und Mitarbeitern noch mehr als 80 Personen positiv getestet, sind die meisten davon wieder genesen. Von den ursprünglich 89 Bewohnern sind inzwischen vier Bewohner mit dem Coronavirus verstorben. Die restlichen 85 Bewohner sind nach einem jüngsten Schnelltest wieder genesen beziehungsweise haben ein negatives Testergebnis bekommen. Von den insgesamt knapp 130 Mitarbeitern ist derzeit lediglich noch eine Pflegehilfskraft positiv auf das Coronavirus getestet worden und befindet sich deshalb in Quarantäne.

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