Bundestagswahl SPD findet neuen Direktkandidaten

Michael Müller Foto: Privat

Die SPD hat einen neuen Direktkandidaten für die Bundestagswahl gefunden. Es ist Michael Müller aus Waltershausen.

Waltershausen - „Ich sehe mich nicht als Ersatzmann von Stephan Kramer“, sagt Michael Müller, neuer SPD-Direktkandidat für die Bundestagswahl im Wahlkreis 192 Ilm-Kreis – Gotha. Ursprünglich hatten die SPD-Kreisverbände den Präsidenten des Thüringer Verfassungsschutzes nominiert, der Mitte Mai aber seine Direktkandidatur zurückzog. Müller hatte im letzten Herbst selbst eine Kandidatur erwogen, aus gesundheitlichen Gründen dann aber verzichtet. Nun habe er nicht lange überlegen müssen, sagt der 44-Jährige, der bei der Wahlversammlung in Gotha 61 von 64 Stimmen erhielt. Mittlerweile sei er wieder fit und bereit für die Kandidatur.

Michael Müller gehört seit 2011 der SPD an. Er ist stellvertretender Vorsitzender des Ortsvereins Waltershausen und des Landesparteirates. Der gelernte Sozialversicherungsfachangestellte hat zuletzt zwei Jahre als Geschäftsführer das Kur- und Familienbad Tabbs in Bad Tabarz geleitet, das er zuvor aus der Insolvenz führte. Jetzt will der begeisterte Radfahrer, der schon bis in den Iran radelte, sich beruflich neu orientieren und in der Tourismusbranche arbeiten.

„Meine Motivation für meine Kandidatur ist, die Spaltung unserer Gesellschaft und diese Polarisierung, die für mich fast unerträglich ist, zu überwinden“, sagt Müller. „Diese tut unserer Gesellschaft nicht gut.“ Die Diskussionskultur, die bei den anstehenden Herausforderungen wie Klimaschutz und Digitalisierung dringend notwendig sei, sei verloren gegangen. „Wir müssen wieder eine bessere Streitkultur entwickeln und das auch aushalten und daran wachsen“, so Michael Müller. Er wolle deshalb während des Wahlkampfes mit den Menschen ins Gespräch kommen, sich viele Meinungen anhören.

Auch auf der Liste

Er strebe das Direktmandat an, so Müller weiter, „auch wenn das in der Kürze der Zeit schwierig wird, sich im Ilm-Kreis bekannt zu machen. Aber sonst würde ich nicht antreten.“ Bei der Aufstellung der SPD-Landesliste am Samstag wurde Michael Müller zudem auf Platz sieben gewählt.

Als wichtige Themen seines Wahlkampfes sieht der Waltershäuser die Verbesserung der sozialen Sicherung und den Klimaschutz an. „Die Leute denken immer, man will ihnen etwas wegnehmen. Wir müssen mehr darüber reden, was bedeutet dieser Wandel“, so Müller. „Wir müssen verstehen, wir verbrauchen so viele Ressourcen, da bräuchten wir drei Erden.“ Man müsse den Wandel als Chance begreifen, zum Beispiel um neue Technologien zu entwickeln und zu exportieren. Aufgabe müsse es sein, die Energiewende so zu gestalten, „dass nicht die großen Konzerne gewinnen, sondern die Leute vor Ort. Dann wird auch das Windrad vor dem Dorf akzeptiert, wenn man selber davon profitiert.“

Auch die Verkehrswende müsse „sozial verträglich“ gestaltet werden. „Man darf nicht Stadt gegen Land ausspielen. In der Stadt brauche ich kein Auto, auf dem Dorf schon“, sagt Michael Müller. Eine weitere Steigerung des Benzinpreises sei nur dann akzeptabel, wenn gleichzeitig „das Ein-Liter-Auto kommt.“

 

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