Biathlon Der stille Leitwolf geht ganz leise

Auf dem Olymp: Am 11. Februar 2018 in Pyeongchang krönt Arnd Peiffer seine Karriere mit dem Olympiasieg im Sprint. Foto: dpa/Hendrik Schmidt

Aus und vorbei: Den aktiven Biathleten Arnd Peiffer gibt es nicht mehr. Der Harzer, der in Oberhof zur Weltspitze reifte, beendet zwei Tage vor seinem 34. Geburtstag seine Karriere. Das Saisonfinale in Schweden lässt er aus.

Oberhof/Holzkirchen - Arnd Peiffer macht Schluss, auch Olympia in Peking ist für ihn kein Anreiz mehr. Unprätentiös in acht knappen Sätzen verkündete der 33-Jährige am Dienstag ein Jahr vor den Winterspielen in China seinen Rücktritt vom Biathlon-Sport. „Wie Ihr Euch sicher denken könnt, ist das nach so langer Zeit keine leichte Entscheidung. Für mich hat sich aber schon länger herauskristallisiert, dass nach dieser Saison der ideale Zeitpunkt zum Aufhören gekommen ist“, schrieb der Harzer auf Facebook.

Damit ist der Sprint-Olympiasieger von Pyeongchang nach dem viermaligen Weltmeister Simon Schempp (32) der zweite langjährige Leistungsträger, der in dieser Saison seine Karriere beendet und eine große Lücke im Team von Bundestrainer Mark Kirchner hinterlässt. Der Ausnahmeathlet hatte im Sommer 2008 seinen Trainingsschwerpunkt aus dem Harz nach Oberhof verlegt und reifte hier zur Weltklasse. Rund ein Jahrzehnt lebte und trainierte Peiffer später in der Rennsteigstadt, wo er Anfang 2009 in der Staffel auch sein Weltcupdebüt feierte. Nach den Olympischen Spielen 2018 verlegte Peiffer seinen Wohnsitz aus privaten Gründen nach Bayern. Seit 2017 ist er verheiratet, seit gut zwei Jahren Vater einer Tochter.

„Arnd war unser stiller Leitwolf, ein leiser Anführer. Seine überlegten Worte hatten immer Gewicht“, sagte sein langjähriger Trainings- und Zimmerkollege Erik Lesser am Dienstagabend auf Nachfrage. Momentan fehle er noch nicht so sehr, aber in der kommenden Saison werde er „eine riesengroße Lücke“ hinterlassen, ahnt Lesser. Peiffers langjähriger Weggefährte war wie die Teamkollegen und Trainer seit Monaten in die Abschiedspläne eingeweiht. Lesser: „Arnd wollte aber auch zuletzt in Nove Mesto kein großes Brimborium, keine großen Worte.“ So, wie er von seinem Naturell her ist, hat der für seine sachlichen und selbstkritischen Analysen bekannte Weltklasse-Biathlet zwei Tage vor seinem 34. Geburtstag sein Karriereende verkündet: Still und leise, kurz und schmerzlos.

„Die Bandbreite reichte von süßen Erfolgen bis zu bitteren Niederlagen und allem, was dazwischenliegt. Der Sport und die Erlebnisse haben mich geprägt, und ich möchte die Erfahrungen, die ich sammeln durfte, nicht missen“, schrieb Peiffer. Beim Saisonfinale im schwedischen Östersund, das am Freitag beginnt, ist er aus familiären Gründen schon nicht mehr dabei. Eine ausgelassene Abschiedsparty im Kreise seiner Kollegen und einen Abschied vor vollen Zuschauerrängen hätte es angesichts der Corona-Umstände ohnehin nicht gegeben.

Und Peiffer erwischt genau den richtigen Zeitpunkt. Anders als Norwegens Legende Ole Einar Björndalen, der zu lange weiterlief und dann nicht mehr konkurrenzfähig war, hört Peiffer mit Erfolgserlebnissen auf. „In diesem Winter konnte ich mich noch über einige gute Rennen und Erfolge freuen, und es ist wunderbar, mit dem Gefühl aufzuhören, noch konkurrenzfähig zu sein“, schrieb Peiffer. Er holte bei der WM in Pokljuka mit Silber im Einzel seine 17. WM-Medaille, zudem seinen ersten Massenstartsieg beim Weltcup in Hochfilzen und stand insgesamt fünfmal auf dem Podium.

In seiner langen Karriere gewann er insgesamt fünfmal WM-Gold, neben seinem Sprint-Gold 2018 zudem je einmal Olympia-Silber und -Bronze sowie zehn Weltcups als Einzelsportler. Staffel-Gold von Sotschi könnte für ihn wie für Schempp noch nachträglich dazukommen, wenn den siegreichen Russen wegen Dopings Gold aberkannt wird. Das Verfahren läuft.

„Arnd war nicht nur im aktuellen Winter, sondern auch in den vergangenen Jahren einer unserer wichtigsten und beständigsten Leistungsträger“, sagte Sportdirektor Bernd Eisenbichler. Peiffer gehörte 13 Winter lang zum Nationalteam, brachte meist Top-Resultate und wird nun künftig schmerzlich fehlen. Ex-Biathlon-Bundestrainer Frank Ullrich aus Suhl, der Peiffer einst in die Nationalmannschaft beförderte, fand nur lobende Worte für den Musterathleten: „Arnd war nicht nur über viele Jahre hinweg ein Weltklasse-Athlet, sondern er ist ein überragender Mensch, eine Persönlichkeit.

Peiffer überzeugte nicht nur mit seinen sportlichen Leistungen, sondern war zudem immer ein lautstarker Kritiker, nicht nur in Sachen Doping, sondern auch was die Sportpolitik und soziale Themen betraf. So kritisierte er das Spektakel Olympia, das für ihn schon lange den Mythos verloren hatte. „Olympia wäre nichts, was mich motivieren würde, ein Jahr länger zu machen, obwohl ich eigentlich gar nicht mehr mag“, sagte er unlängst. Olympia – das sei Gigantismus, längst nicht mehr „für Athleten konstruiert, sondern für die Zuschauer. Das ist eine riesige aufgeblasene Veranstaltung, die brutal vermarktet wird.“ Die Leistungen und kritischen Töne von Peiffer werden fehlen.

 

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