200-Millionen-Investition Jena und Sonneberg wollen das Zukunftszentrum

Da soll’s hin: Sonnebergs Wunschstandort für das große „Zukunftszentrum“ des Bundes für den Osten Foto:  

200 Forscher, die an Rezepten für die deutsche Einheit und künftige Umbrüche in Europa arbeiten sollen: Das ist das „Zukunftszentrum“, das im Osten Deutschlands entstehen soll. Aber wo? Etliche Städte haben Bewerbungen abgegeben, darunter auch Sonneberg, Jena und Eisenach. Die Favoriten sitzen aber ganz woanders. Anfang 2023 soll die Standort-Entscheidung fallen.

Es soll ein Institut werden für Wissenschaft, Politik, Kultur und Austausch: Ein Haus, wo aus den Umbruchserfahrungen seit 1989 deutsche und europäische Perspektiven für kommende Umbrüche und Herausforderungen entwickelt werden sollen: Das „Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation“ soll eine richtig große Forschungseinrichtung im Osten werden.

200 Millionen Euro Anfangsinvestition und dann jährlich mehr 40 Millionen Euro für die Arbeit von 200 Beschäftigten: So viel Geld will der Bud in das Zentrum stecken, das nach einem Vorschlag der Einheitskommission unter Vorsitz des früheren brandenburgischen Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) bis 2028 errichtet werden soll. Am Freitag endete die Bewerbungsfrist für interessierte ostdeutsche Städte. Aus Thüringen gehen Jena, Eisenach und Sonneberg ins Rennen.

Eisenach wirft mit dem Slogan „Zukunft gehört ins Zentrum“ seine Lage im ungefähren Mittelpunkt Deutschlands in die Waagschale. Prominente Unterstützerin Eisenachs ist Ex-Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Insgesamt lief die Kampagne der Wartburgstadt mit arg gebremsten Schaum, die Chance dürften gering sein.

Jena hat mit dem Segen aus Erfurt einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Die Landesregierung habe vorab alle Thüringer Bewerbungen aus gesichtet und sich entschieden, „den Bewerbungsprozess von Jena ganz klar zu unterstützen“, sagte Ministerpräsident Bodo Ramelow diese Woche. Wenn Jena den Zuschlag erhalte, werde die Entstehung von der Landesregierung “abgesichert, zugesichert, umgesetzt - und auch als große Chance für ganz Thüringen begriffen“. Die Universität habe bereits jetzt gute Arbeits- und Forschungsverbünde in den Osten wie auch den Westen, sagte er.

Sonneberg führt „mächtig Rückenwind aus der thüringischen und vor allem bayerischen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft“ für seine von der bayerischen Nachbarstadt Neustadt mitgetragene Kandidatur ins Feld – und sieht die enge Verflechtung an der Landesgrenze als Pluspunkt für das Zukunftszentrum. Bayerns Europaministerin Melanie Huml, gar die Metropolregion Nürnberg und die Hochschulen in Bamberg, Coburg und Erfurt machen mit. Standort des Zentrums könnte eine Brachfläche gegenüber des Sonneberger Bahnhofs sein.

Als internationale Grenzstadt sehen viele Frankfurt (Oder) in der Favoritenrolle. Die Ostbrandenburger werden nicht nur vom eigenen Bundesland und der polnischen Schwesterstadt Slubice, sondern auch und Mecklenburg-Vorpommern unterstützt und von Berlin, desen Regierende Bürgermeisterin in Frankfurt geboren ist. Die „Stadt der Brückenbauer“, so der Slogan, führt die zahlreichen Verflechtungen Frankfurts und seiner Europa-Universität mit den Nachbarn in Polen und ganz Osteuropa an, wo es ja ebenfalls um Transformation und Umbrüche geht. Entstehen soll das Haus direkt an der Grenzbrücke an der Oder.

Halle/Saale hat sich mit Peter Maffay Showprominenz als Unterstützung geholt. Unter anderem durch die gute Erreichbarkeit er ICE-Verbindungen und zahlreiche Forschungseinrichtungen rechnen sich die Hallenser Chancen im Standortwettbewerb aus. Ei echtes Alleinstellungsmerkmal der Stadt ist allerdings nicht in Sicht.

Das haben Leipzig und Plauen mit ihrer gemeinsamen Bewerbung: Beide sächsischen Städte gelten als Keimzellen des Umbruchs von 1989. Zunächst am 7. Oktober in Plauen und zwei Tage später in Leipzig starteten jene Großdemonstrationen, die heute für den friedlichen Umsturz der SED-Diktatur stehen.

Die Bewerbungsunterlagen gehen jetzt an eine vom Ost-Beauftragten Carsten Schneider (SPD) berufene 15-köpfige Jury, die im Herbst die Bewerberstädte bereisen und eine Standort-Empfehlung an die Bundesregierung aussprechen wird. Die Entscheidung der Bundesregierung ist für Anfang kommenden Jahres avisiert.

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