» zur Übersicht Feuilleton
    
    
Artikel
 
Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text   


Der den Raum prägte

Am Montag ist der Bildhauer Waldo Dörsch gestorben - kurz nach seinem 83. Geburtstag. Heute wird er in seinem Heimatort Oberweid in der Rhön bestattet. Ein Nachruf.

Von Winfried Wiegand
  • Waldo Dörsch bei der Arbeit Archibfoto: FW
Bild von

Ohne längere Unterbrechungen hat er wie beinahe selbstverständlich in dem Ort, wo er am 31. Dezember 1928 geboren wurde, dem kleinen Rhöndorf Oberweid, sein Künstlerleben verbracht. Wer ihn kennen gelernt hat, als Mensch wie auch Künstler, wird sich zunächst - und das vielleicht sogar mit einem Schmunzeln - an die natürliche Wesensart, den bodenständigen Humor und die besondere Originalität dieses Mannes erinnern. Wenn er über das Leben oder über irgendein spezielles Thema zu reden begann, geschah es stets unprätentiös, nicht selten sogar schalkhaft, in jedem Fall aber ohne das Gehabe eines elitären und vom Erfolg verbogenen Künstlertums.

In dieser Manier reagierte Waldo Dörsch auch auf Fragen nach seinem künstlerischen Schaffen und seiner persönlichen Einstellung zur Kunst. Bei wirklichem Interesse seines jeweiligen Gegenübers kamen dabei auch professionelle Hingabe und beinahe grenzenlose Erzählfreude hinzu, so dass sich unverstellte Einblicke auf ein Werk öffneten, zu dem sich der Künstler ein ganzes Leben lang berufen fühlte.

Architektur und Städtebau

Nach einer dreijährigen Lehre als Holzschnitzer und Holzbildhauer in der Werkstatt seines Vaters, die in der Tradition der kunsthandwerklichen Rhönschnitzerei stand, absolvierte Waldo Dörsch ab 1948 ein Studium an der damaligen Hochschule für Baukunst und Bildende Kunst in Weimar, das er aber mit der Auflösung seiner Ausbildungsabteilung 1951 ohne Abschluss beendete. Dennoch wagte er schon ein Jahr später den Schritt in die freiberufliche Tätigkeit und untermauerte diese existenzielle Entscheidung mit seinem Eintritt in den Verband Bildender Künstler Deutschlands. Es dürfte für ihn von Vorteil gewesen sein, dass er von Anfang an nicht nur in den Dimensionen seines bevorzugten künstlerischen Metiers - der Plastik - dachte, sondern Gattungsgrenzen überschritt, um sich komplexeren künstlerischen Anforderungen zu stellen. So wurden vor allem Architektur und Städtebau, Platz- und Umweltgestaltung zu den maßgeblichen Eckpfeilern seines Schaffens.

Als Künstler fortan in diesem abgesteckten Terrain unterwegs, lernte er, gewisse Gesetzmäßigkeiten und Anforderungen als Richtlinien für die persönliche Arbeit zu akzeptieren, ohne dabei an kreativem Eigensinn zu verlieren. Der Monotonie und Langweiligkeit des modernen Bauens hatte Waldo Dörsch den Kampf angesagt und konnte ihn mit besonderem Einfallsreichtum hin und wieder sogar gewinnen.

Obwohl Waldo Dörsch nach damaligen Normen sicher kein angepasster Mensch gewesen ist und als Mitglied der "Erfurter Ateliergemeinschaft" zumindest zeitweilig auch einer oppositionellen Künstlergruppe angehörte, realisierte er über die gesamte DDR-Zeit hinweg zahlreiche bedeutende Kunstprojekte im öffentlichen Raum. Dabei blieb sein Wirken nicht nur auf Südthüringen begrenzt, sondern führte auch nach Erfurt, Berlin oder Magdeburg. Seine bedeutendsten Werke hat er mit zahlreichen Brunnenanlagen hinterlassen, in deren Reihe der 1980 vollendete "Neue Angerbrunnen" in Erfurt und der 1984 zum Abschluss gebrachte "Diana-Brunnen" in Suhl zweifellos die bemerkenswertesten Schöpfungen sind. Obwohl ganz unterschiedlich in ihrer formalen Ausprägung - der eine mehr von figürlicher Unbestimmtheit, der andere mehr von figürlicher Realistik - verraten sie einiges von den gestalterischen Grundintentionen ihres Urhebers: So ist in beiden Fällen die Suche nach einem spannungsvollen Zueinander raumgreifender Körper und Formen augenscheinlich. Hier wie dort öffnen sich für den Betrachter Assoziationsräume, die weit über das eigentlich zu Sehende hinaus führen. Es sind Metaphern für Lebendiges und Erlebtes und damit Verweilstätten im besten Sinn. Ganz ähnliche Absichten verfolgte der Künstler mit seinen konvertierbaren plastischen Gestaltungselementen, die er entweder an Gebäudefassaden formierte oder zu raumgreifenden Objekten zusammen fügte. Namentlich in diesem Schaffenssektor wagte Waldo Dörsch auch immer wieder das Experiment mit dem Material. Neben Bronze und Stahl wählte er auch Beton zu seinem bevorzugten Werkstoff und öffnete damit Wege für eine serielle Fertigung. Vielen in Erinnerung ist sicher noch die frei stehende, doppelläufige Wendeltreppe am ehemaligen Suhler Centrum-Warenhaus.

Sensibler Zeichner

Dass Waldo Dörsch für seine hier nur andeutungsweise skizzierte Rolle als künstlerischer Akteur im öffentlichen Raum auch immer wieder Findungs- und Schöpfungsphasen durchlaufen musste, bedarf keiner Erklärung. Quasi unbemerkt hat er sich dabei zu einem Zeichner profiliert, dessen sensibler und feinnerviger Duktus erstaunlich ist: Figürliches, Landschaftliches bis hin zu Abstrakt-Dekorativen, in den unterschiedlichsten zeichnerischen Techniken vorgetragen, ist in über sechzig Jahren zu einem Schaffenskonvolut angewachsen, das dem künstlerischen Lebenswerk des Verstorbenen noch eine ganz besondere Note gibt.

    
    

Diesen Artikel

  • Teilen:
  •  
  • Facebook
  •  
  • Twitter
  •  
  •  
Bewertung: 
  •  
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
0 Bewertungen (Sie müssen angemeldet sein)
    
    

Die neuesten Kommentare

Es wurden noch keine Kommentare geschrieben...
Zum Kommentar abschicken bitte vorher einloggen
Benutzername
Passwort
 
     
Sie sind noch kein Mitglied auf insuedthueringen.de? Dann jetzt gleich »hier registrieren
    
    

Ȇbersicht Feuilleton

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel

Was ist schon Liebe

Zwei Probanden und viel zu viel Psychopharmaka: Das ist die Versuchsanordnung für "The Effect". An diesem Donnerstag hat das Kammerspiel in der Regie von Barbara Neureiter in Meiningen Premiere. »mehr
    
    

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel
An jedem Abend eine Andere

Die Katerina in der Oper "Katja Kabanova" ist die jüngste Rolle von Camila Ribero-Souza in Meiningen. Wieder eine Frau, ... »mehr
    
 
    

bezahlter Premium-Artikel
Premium-Artikel
Vor dem Ende der heilen Welt

Wieder lässt sich das Südthüringer Amateurtheater von der Historie begeistern: Mit dem Schauspiel "1914" beschreibt es d... »mehr
    
 
    

Lyrik der Seele: Sägebrecht las Hilde Domin

Seit vergangenem Wochenende locken die 22. Tage der jüdisch-israelischen Kultur in elf Thüringer Städte. Bis zum 23. Nov... »mehr
    
    

Das könnte Sie auch interessieren 

    
    

Die neuesten Bilderserien

    
    

Prospekte aus der Region

Leserreisen 2015
Leserreisen 2014
    
Anzeige
    

Magazine

Pflege und Gesundheitsmagazin 2014/2015
Leben im Osten
IHK Ratgeber Berufswahl 2014
Anpfiff Fußballbeilage BASA 2014/2015
Anpfiff Fußballbeilage SON 2014/2015
Anpfiff Fußballbeilage HBN 2014/2015
Gesunheitsführer Ilmenau 2014
Fachhochschule Schmalkalden FW Juni 2014
A bis Z für Suhler Hausbesitzer 2014
Mit dem Fahrrad unterwegs
Bikers Guide 2014
Gesundheitsführer Meiningen 2014
Thüringen im Blick 2014
Gesundheitsführer Landkreis Hildburghausen
Wir heiraten
Ehrenamt Landkreis Hildburghausen
Trauerratgeber
Leserreisen 2014
    
    

Umfrage

Lade TED
 
Die Umfrage wird geladen, bitte warten...
 

    
    
Zur Kinderzeitung

Grüner Shrek singt auf der Bühne

Der dicke grüne Shrek mit Tröten-Ohren steht jetzt auch auf der Musical-Bühne: Bislang waren die Shrek-Geschichten vielen aus Filmen bekannt. Nun spielen und singen echte Darsteller die Abenteuer live auf der Bühne. »mehr
    
    

Webcams aus der Region 

Eine Vielzahl von Webcams, die von Firmen, öffentlichen Einrichtungen oder Privatpersonen installiert wurden, zeigen aktuelle Bilder aus der Region. »mehr
    
    

Die besten Urlaubs-Fotografen erhielten ihre Preise 

Im Rahmen eines kleinen Empfangs wurden die Preise an die Gewinner des diesjährigen Urlaubsfotowettbewerbs von FW Meininger Tageblatt übergeben. »mehr
    
    

Unsere professionellen Fotopartner 

    
    

Börseninformationen