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Suhl trifft? Suhl klebt!

So ein Angebot hört man gerne: Die Deutsche Post hat Suhl vorgeschlagen, doch wieder mal eine Briefmarke zu gestalten. Zu DDR-Zeiten konnte sich die Stadt nicht beklagen. Danach gab es nur noch eine Ausgabe und die ist auch schon abgelaufen.

Von Olaf Amm
  • Dieter Schellenberger vom Thüringer Briefmarkensammlerverein Suhl 1927 hält die Briefmarkengeschichte der Stadt in der Hand. Foto: frankphoto.de
  • Sozialistische Architektur 1969.
  • Ein Simson-Moped SR 2E von 1959.
  • Heinrichs 1978.
  • Heinrichs 1994.
  • Das Schießsportzentrum 1976.
  • Das alte und das neue Suhl samt Stadtwappen 1980.
Bild von

Suhl - Die Suhler halten viel von ihrer Stadt, aber außerhalb der Landesgrenzen nimmt der Bekanntheitsgrad rapide ab - Jäger (Waffen) und Mopedfahrer (Simson) einmal ausgenommen. Ein Klassiker ist die Verwechslung von Suhl und Seoul in Südkorea.

Vielleicht wäre Suhl bekannter, wenn in Büros und Haushalten von Flensburg bis Berchtesgaden eine Briefmarke über die Waffenstadt berichten würde. Brigitte Ullrich, regionale Politikbeauftragte für Thüringen und Sachsen bei der Deutsche Post AG, sieht da nicht einmal ein Problem. "Suhl sollte ruhig einmal eine neue Briefmarkenausgabe beantragen", sagte sie Oberbürgermeister Jens Triebel am Rande einer Veranstaltung. Die Zeit sei günstig. Was das denn kosten würde, war die Frage. Gar nichts, nur etwas Geduld. Drei Jahre Vorlauf braucht es ungefähr von der ersten Idee über den Antrag beim Bundesfinanzministerium bis zur Ausgabe am Postschalter. Wichtig ist erst einmal eine Idee - ein Jubiläum, ein großer Sohn (oder eine große Tochter) der Stadt, ein bedeutendes Ereignis. Die künstlerische Umsetzung liegt dann bei den Experten der Post. Triebel könnte sich den fünften Deutschen Medailleurpreis vorstellen, den die Stadt Suhl auslobt. Andere würden mit den großen Wettbewerben im Schießsportzentrum werben - die Diskussion ist eröffnet.

Ein gewichtiges Wort können die Suhler Briefmarkensammler - Philatelisten - mitreden, die die lokalen Experten für gezähnte Werte sind.

Dieter Schellenberger vom Thüringer Briefmarkensammlerverein Suhl 1927 hat für Freies Wort recherchiert und interessantes aus Alben und Katalogen zusammengetragen. Vor 1945 schaffte es Suhl auf drei Sonderstempel der Post, unter anderem als "Waffenstadt". In der DDR platzte dann der Knoten und die Bezirkshauptstadt wurde mit Motiven auf Briefmarken regelrecht überschüttet. Auf 19 Sonderbriefmarken hat es die Stadt geschafft. In 16 Fällen davon wird Suhl auch namentlich genannt.

Den Auftakt machte 1959 eine Sonderausgabe zum Tag der Briefmarke. Unter dem Titel "Neuzeitliche Postzustellung" fährt dort eine fesche Briefträgerin klar erkennbar auf einem Simson-Roller SR 2E durchs Land. 1967 schaffte es ein Satz Küchengeräte aus dem EGS auf die Marke zur Leipziger Herbstmesse und 1969 endlich kam eine Ortsansicht auf eine 10-Pfennig-Marke. Kleiner Wert und große Wirkung: Ein Groschen reichte für Postkarten aus, die damals eine Art Vorläufer von SMS und facebook war - stolze zehn Millionen Exemplare wurden von der sozialistischen Stadtansicht mit Wohnhochhaus, Hotel Thüringen Tourist und Herrenteich unters Volk gebracht. Es ist aber wahrscheinlich nicht die schönste Suhler Marke.

Die Hitliste führt bis heute eine Darstellung des Heinrichser Rathauses von 1978 an, die gleich 15 Millionen Mal - ebenfalls für Postkarten geeignet - gedruckt wurde. Im gleichen Jahr erschienen sechs Marken mit historischen und modernen Jagdwaffen. Der Knaller in der (wortwörtlichen) Breitenwirkung folgte 1980. Damals fand die 6. Briefmarkenausstellung der Jugend in Zella-Mehlis statt, aber auf die zwei Wertmarken zum Thema kamen das alte und das neue Suhl, dazwischen prangte das Stadtwappen - zur Beruhigung für die Zella-Mehliser: Es wurden "nur" 3,5 Millionen gedruckt. Mit der Weltmeisterschaft im Schießen 1986 endete die ergiebige Briefmarkenzeit für Suhl in der DDR. Suhler Mopeds und Motorräder schafften es außerdem auf Postwerteichen in Kambodscha und Kuba.

1994 kam die Deutsche Bundespost noch einmal mit dem Heinrichser Rathaus für 5,50 D-Mark. Die Auflage war gigantisch: 53 685 000! Nur leider wurde die Marke mit der Euroeinführung wenige Jahre später zumindest für den Postverkehr wertlos.

Der Thüringer Zustelldienst legte 2008 und 2009 Marken vom Waffenmuseum und mit Waffen auf, aber nicht mehr in nationaler Verbreitung. Nun sind die Suhler mit neuen Ideen gefordert, um den Namen ihrer Stadt in die Welt zu senden.

 


    
    

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