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Regionalsport

Freudentränen auf einem Thüringer Riesen

Ein Team aus aktiven und ehemaligen Leistungssportlern erklimmt die Gipfel des Freistaats. Es geht um Solidarität und Heimat. Ein bisschen Perfektionismus ist auch dabei.



Auf dem Schneekopf überwältigen ihn die Emotionen: Axel Teichmann bedankt sich für die Unterstützung bei der diesjährigen Spendenaktion.	Fotos: Gerhard König
Auf dem Schneekopf überwältigen ihn die Emotionen: Axel Teichmann bedankt sich für die Unterstützung bei der diesjährigen Spendenaktion. Fotos: Gerhard König   » zu den Bildern

Es wird schon ordentlich gepumpt, als ein Teil der Läufer um den ehemaligen Weltklasse-Skilangläufer Axel Teichmann den letzten kleinen Anstieg hinauf zum Schneekopf bewältigt. Wenige Augenblicke später wird auf dem 978 Meter hohen Berg mit dem in diesem Jahr gewohnten Abstand der Stillstand in vollen Zügen ausgekostet. Nur einer hat noch nicht fertig. Es ist der Initiator der Spendenaktion "#Vierzehn9000er" - Axel Teichmann. Denn am Ende zeigt das persönliche Messgerät des 40-Jährigen, der bislang schon vier Mal den Rennsteiglauf-Supermarathon von Eisenach nach Schmiedefeld absolviert hat, nur 73,3 Kilometer an.

Teichmanns "Bergsteiger" und der gute Zweck

Zum wiederholten Male lief der ehemalige Skilangläufer Axel Teichmann gemeinsam mit einem Team, darunter aktive und ehemalige Wintersportler, für den guten Zweck durch den Thüringer Wald.

zirka 74 km: Axel Teichmann/Erik Schneider/Lukas Ernst; Sebastian Kleiner (bis Oberhof)/Christoph Büttner/Ron Voßhage; Gunter Rothe/Frank Aust; Tino Hagemann/Rico Bechmann; Christoph Beetz/Christopher Gellert/Marcus Clauder

zirka 20 km: Victoria Carl/Antonia Fräbel/Nadine Herrmann; Erik Lesser/Lucas Fratzscher; Philipp Horn/Justus Strelow; Thomas Bing

zirka 5 km: Martin Putze/Alexander Rödiger/Ronny Eckhardt

Von Eisenach nach Schmiedefeld lautete stets die altbewährte Strecke im Rahmen des Rennsteiglaufes.

Doch in Zeiten von Corona ging es unter dem Titel "#Vierzehn9000er" als Ausdruck der Heimatverbundenheit über Thüringens höchste Berge. Dabei wurden die über 900 Meter hohen Gipfel mit einem kleinen Augenzwinkern in Richtung Reinhold Messner, der als erster Mensch alle 14 Achttausender dieser Erde, erklommen hatte, in Dezimeter umgerechnet.

Die Teilnehmer der Aktion haben Bergpatenschaften übernommen. Dabei wurden die Meter in Euro umgerechnet (916 Meter =91,60 Euro). Spenden für das Kinderhospiz Tambach Dietharz sind jedoch für jeden möglich. Das Team um Teichmann hat auf allen Gipfeln Hinweisschilder mit bunten Skiern aufgebaut. Auf diesen ist der QR-Code für eine schnelle und unkomplizierte Spende angebracht.

"Wir hoffen, dass die nächsten zwei Wochen über Männertag und Pfingsten viele Leute rausgehen, vielleicht selbst den einen oder anderen Berg besteigen, die Aussicht genießen, und fünf oder zehn Euro spenden. Jeder Euro ist wichtig", so Teichmann.

 

So reizt der einstige Weltmeister den Durchmesser des Gipfels nochmal aus, dreht eine Runde, um am Ende auf 73,9 Kilometer - der offiziellen Supermarathon-Distanz - zu kommen. Lukas Ernst, Techniker des Deutschen Skiverbandes, kann da nur abwinken. Obwohl ihm und den anderen Mitstreitern, die von Schnepfenthal bis auf den Schneekopf gelaufen sind, ebenfalls noch ein paar hundert Meter fehlen. "Ich mach das aber nicht. Mir reicht das jetzt", sagt er und blickt in Richtung Teichmann, der anschließend sagt: "Ordnung muss sein. Hätte ich das jetzt nicht gemacht, hätte es sich für mich unvollständig angefühlt. Ich bin da dann doch lieber auf der akkuraten Seite und erfülle alle Kriterien", sagt er, der über den eigenen Hang zum Perfektionismus dann doch ein wenig schmunzeln muss.

 

Ordentlich was zu lachen gab es auch auf der Strecke. Für den ersten Lacher bei den Frühaufstehern - gegen vier Uhr morgens ging es in Schnepfenthal los - um Teichmann und Erik Schneider, Skilanglauf-Bundestrainer der Frauen, sorgte ein Irrweg im Morgengrauen. Auf dem Inselsberg hatte man einen falschen Weg eingeschlagen. "Das war ein kleines Abenteuer", gesteht Teichmann. Wäre der Irrweg nicht gewesen, dann wäre man wohl vor Viertel eins im Ziel gewesen. Doch um die Zeit ging es bei aller Detailverliebtheit des Initiatoren in Sachen Kilometer nicht.

Vielmehr spielte wie in den Jahren zuvor der gute Zweck eine Rolle. Beziehungsweise spielt, denn die Aktion "läuft" - um im Bilde zu bleiben - nach wie vor. Auch diesmal soll die Aktion dem Kinderhospiz Tambach-Dietharz finanziell zugute kommen. Den ersten Schritt machten aktive und ehemalige Wintersportler, Läufer aus der Ultra-Marathon-Szene, und andere engagierte Unterstützer der Aktion am gestrigen Freitag. Dabei wurden auch Bergpatenschaften übernommen. So verschrieb sich Biathlet Erik Lesser Thüringens größtem Berg, dem Großen Beerberg (983 m) - macht umgerechnet 98,3 Euro.

Lesser zollt Respekt

Apropos Lesser: Während Schneider und Co bereits in aller Herrgottsfrühe die Laufschuhe schnürten, konnte der Biathlet vom SV Frankenhain noch vom Laufen träumen. Denn er absolvierte gemeinsam mit anderen Biathleten und Skilangläufern - darunter Philipp Horn und Victoria Carl - ein paar Kilometer weniger, und das zu einer etwas christlicheren Zeit. "Ich habe absolute Hochachtung vor denen, die heute die lange Strecke gelaufen sind. Bei der Länge spielt es, finde ich, keine Rolle ob es am Ende 71, 73 oder 74 km sind", so Lesser, der letztlich auf 23 Kilometer kam und damit vollends zufrieden war. Das sei für ihn das absolute Maximum, so der Skijäger, der neben dem Sport auf den schmalen Brettern vor allem dem Mountainbike frönt.

Mit dem war an diesem Tag lediglich Sven Fischer unterwegs. Der mehrfache Olympiasieger war nämlich für die Verpflegung zuständig. Dabei wäre der 49-Jährige, der neben einer Marathon-Teilnahme am Rennsteiglauf schon mehrmals den Halbmarathon auf Thüringens Höhen durchgezogen hat, gern auch gelaufen. "Ich hatte mich letztes Jahr bei einem Fußballspiel verletzt. Das ist immer noch nicht hundertprozentig und ehe ich mir da komplett was kaputt mache, habe ich gesagt, steige ich lieber aufs Rad und sorge für die Verpflegung und leiste so meinen Beitrag für die Truppe", so Fischer, der an diesem Tag nicht immer so gut gerollt ist. "Vor allem bergauf ist das nicht so optimal, wenn das Gewicht das Rad nach hinten zieht", sagt er, der am Ende von drei Kilo Bananen noch ein halbes übrig hatte.

Auf die Kraft der Banane hat auch diesmal Axel Teichmann, dem die Wurst während seines ersten Supermarathons wohl immer eine Lehre sein wird, vertraut. Körperliche Probleme gab es weder bei ihm noch bei seinen Mitstreitern. Am Ende sind alle gesund und wohlbehalten ins Ziel gekommen. Wenngleich Teichmann auf den Schwierigkeitsgrad der neuen Route angesprochen von einer "mentalen Herausforderung" spricht. "Es ist für den Kopf durchaus schwierig, wenn man einen Gipfel hin- und wieder zurückläuft. Beim traditionellen Supermarathon läufst du hingegen von A nach B. Das macht es einfacher."

Schöne Flecken

Welche Strecke nun besser sei, darauf wollte er sich nicht festlegen. Jede Strecke habe ihren Reiz, und auch jeder Berg habe auf seine Weise eine schöne Aussicht - so der positiv verrückte Ausdauersportler, der eine Patenschaft für den Inselsberg übernommen hatte. Auf dem 916 Meter hohen Thüringer Riesen erlebte er mit den anderen Frühaufstehern einen magischen Tagesanbruch. "Dieser traumhafte Sonnenaufgang, zusammen mit dem Vogelgezwitscher hat für das frühe Aufstehen entschädigt", schwärmt der Versorger des Teams, Sven Fischer, der zugibt, dass er an diesem Tag schöne Ecken kennen gelernt hat, die er zuvor noch nicht kannte.

"Das war heute ein Signal", sagt er und spielt dabei auf den Zweck der Veranstaltung an. So wollte man mit dieser Aktion die Menschen im Freistaat auch dazu animieren, besonders in Zeiten der Krise nicht stehen zu bleiben, die Heimat zu entdecken und sich im grünen Herzen Thüringens sportlich zu betätigen.

Und wenn dann noch ein paar Euro - Stichwort Solidarität, was nicht nur in Zeiten wie diesen eine Rolle spielt - für das Kinderhospiz zusammen kommen, dann können die Verantwortlichen um Teichmann vollends zufrieden sein. "Mein Dank gilt all denen, die hier mitgemacht haben", sagt Teichmann am Ende seines zweiten Versuchs. Denn der erste Versuch der Rede scheitert.

Nach all den Strapazen fällt es ihm sichtlich schwer, nun auch noch die Emotionen zu bändigen. Freudentränen kullern. Auf einem der 14 Thüringer Riesen braucht er mal einen kleinen Moment für sich.

Autor

Carsten Jentzsch
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
16. 05. 2020
00:00 Uhr

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Carsten Jentzsch

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16. 05. 2020
00:00 Uhr



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