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Lokalsport Ilmenau

Brand-Faust und Wintermärchen

Der "Handball-Kaiser" besucht Arnstadt. Und plaudert dabei über Vereinstreue, alte Freunde, das Wintermärchen und Hobbies im Ruhestand.



Heiner Brand (rechts) plaudert mit Moderator Lars Sänger. Foto: Berit Richter
Heiner Brand (rechts) plaudert mit Moderator Lars Sänger. Foto: Berit Richter  

Arnstadt - "Wie könnte es mir nicht gefallen - ich schlafe in einer Brauerei!", sagte Heiner Brand mit Augenzwinkern auf die abschließende Frage, wie es ihm denn in Arnstadt gefalle. Die anderthalb Stunden zuvor hatte sich der Handball-Weltmeister - als Spieler und Trainer - als charmanter Gesprächspartner von Moderator Lars Sänger erwiesen und geduldig alle Fragen beantwortet, die das Publikum im Vorfeld auf Bierdeckel geschrieben hatte.

Die Fragen drehten sich am vom SV 09 Arnstadt organisierten Abend um sportliche Erfolge, aber auch manches Private. Arnstadt, so räumte Heiner Brand ein, habe er bisher "allenfalls vom Durchfahren und da auch nicht bewusst" gekannt. Ins nahe Mühlberg komme er aber ganz gern - nämlich zum Golfen.

Dass es sich an einem Abend, den ein Fußballverein organisiert, mitunter mehr um das Spiel mit dem Fuß denn der Hand dreht, war logisch. So gab es einige Fragen zum Vergleich beider Sportarten. Er müsse schon "manchmal schmunzeln, wenn man sieht, dass Weltmeisterschaften fünf Wochen dauern und manchmal eine Woche Pause zwischen den Spielen ist", räumte Brand auf die Frage, ob er das Klagen der Fußballer über "englische Wochen" verstehen könne. So richtig vergleichen könne man beide Sportarten aber nicht, auch weil es an entsprechenden wissenschaftlichen Nachweisen fehle, wie denn die unterschiedlichen Belastungen zu werten sind.

"Als Bundestrainer hatten wir ein gutes Verhältnis, aber als Vereinstrainer war er schon eine Herausforderung", beschied Brand auf die Frage nach seinem "schwierigsten Spieler" und hatte dabei natürlich das ehemalige Handball-Enfant terrible Stefan Kretschmar im Blick.

Unvermeidlich die Frage nach der "Brand-Faust" im WM-Halbfinale 2009, als Brand nach der knappen Niederlage gegen Norwegen erbost den slowenischen Schiedsrichtern hinterherrennt. "Ich bin nach wie vor der Meinung, dass diese Gefühlsregung rechtens war von meiner Seite", räumt Brand ein. "Es hat aber nie die Gefahr bestanden, dass ich die Schiedsrichter schlage. Ich habe mich auch ein bisschen geschämt gegenüber meinen Enkeln. Was mögen die von mir gedacht haben ..."

Vom 2007-Wintermärchen, dem deutschen WM-Titel im eigenen Land hingegen, habe er nur wenig Finalerinnerungen, räumt der Erfolgstrainer ein. "Danach hatte ich auch so ein bisschen einen Moralischen, bin wie Beckenbauer allein übers Feld", ist ihm im Gedächtnis geblieben. Und wieder kommt der Schwenk zum Fußball. Ohne die Stimmung, welche das vorangegangene "Sommermärchen" im Lande erblühen ließ, hätten die Handballer kaum so eine große Unterstützung erfahren, zeigte er sich überzeugt.

Emotional wurde es, als Brand von seiner 1978er-Weltmeistermannschaft berichtete. "Wir treffen uns noch immer einmal im Jahr"; sagte er. Mehr als der Titel habe aber der spätere schwere Unfall von Joachim Deckarm die Truppe zusammengeschweißt.

Auch das wollten die Arnstädter wissen: Wie gelang es im kleinen Gummersbach, jahrzehntelang Top-Handball zu spielen und was könnte der SV 09 davon lernen? "Schaffen Sie eine Atmosphäre, ein Umfeld, dass die Spieler gern im Verein bleiben, auch wenn es woanders vielleicht mehr Geld gibt" riet Brand.

Der Anfang dafür scheint mit diesem Abend gemacht. "Wir sind ein gutes Team, bei dem es Spaß macht, solche Veranstaltungen zu organisieren. Ich denke, es ist ein neuer Weg, die Stadt und die Region zu präsentieren und auch für uns als SV 09 mal neue Wege zu gehen, nicht nur im Fußball", zog SV 09-Vorsitzender Lars Fabig Bilanz. "Es gibt für uns Sportler wenig Persönlichkeiten in Deutschland, die so eine Strahlkraft haben wie Heiner Brand. Für mich ist er neben Franz Beckenbauer die Lichtgestalt schlechthin." Mit 150 Besuchern zeigte sich Fabig zufrieden. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist daher nicht ausgeschlossen.

Nur der heimische Handball, er kam an diesem Abend etwas zu kurz. "Wir haben in Arnstadt auch einen erfolgreichen Handballverein", erfuhr Heiner Brand erst bei der abschließenden Autogrammstunde von Michael Seever (SG Motor Arnstadt), der bedauerte, "dass es keine Trainingseinheit mit dem Nachwuchs gab."

Autor

Berit Richter
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Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
00:00 Uhr

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Autor

Berit Richter

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Veröffentlicht am:
09. 09. 2019
00:00 Uhr



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