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"Die Elektroautos sind immer als erste vom Hof"

Drei Pflegedienste in Thüringen haben zwei Jahre lang Elektroautos im Arbeitsalltag getestet. Nach 600 000 Kilometern fällt ihre Bilanz durchweg positiv aus.



Läuft doch: Konsortialführer Frank Schnellhardt (links) im Gespräche mit den Pflegedienstleistern Christian Böttcher (AWO) und Karsten Hamm (Volkssolidarität). Foto: Innoman
Läuft doch: Konsortialführer Frank Schnellhardt (links) im Gespräche mit den Pflegedienstleistern Christian Böttcher (AWO) und Karsten Hamm (Volkssolidarität). Foto: Innoman  

Ilmenau/Nohra - Zwei Jahre lang mussten sich Elektroautos im Rahmen eines Forschungsprojektes bei mehreren ambulanten Pflegediensten beweisen. Nun zogen die drei Pflegedienste und sechs Entwicklungspartner auf einem Anwenderforum in Nohra Bilanz. Und die fällt durchweg positiv aus. 600 000 elektrisch gefahrenen Kilometern legten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von AWO, Volkssolidarität und Lebenshilfe in der ambulanten Pflege und sozialen Betreuung zurück. Zum Einsatz kamen 25 Elektroautos an acht Standorten in Erfurt und Umgebung.

"Die Elektroautos sind immer als erste vom Hof", sagt Karsten Hamm, Pflegedienstleister der Volkssolidarität in Erfurt. Und das im doppelten Sinn. Nicht nur schneller, sondern auch beliebter sind die leisen E-Autos und daher auch ein echter Mitarbeitermagnet. Das bestätigt auch Christian Böttcher von der AWO. Seine Mitarbeiter würden die Fahrzeuge lieber gar nicht mehr zurückgeben wollen. Die Erprobung war für die Pflegedienste ein voller Erfolg. Aus Sicht des Forschungsprojektes S-MobilityCom zeigte sich auch, dass in der Branche bereits heute ein wirtschaftlicher Einsatz auf allen Touren absehbar ist.

"Die Herausforderung sind die noch sehr hohen, aber in Zukunft deutlich fallenden Anschaffungskosten, welche derzeit durch die deutlich geringeren Betriebskosten noch schwer aufzufangen sind", sagt Frank Schnellhardt vom Konsortialführer Innoman GmbH aus Ilmenau.

So wurden im Projekt der Einsatz von innovativen Fahrstromtarifen und die Nutzung von eigenerzeugtem Sonnenstrom zur Reduzierung der Stromkosten erprobt. Außerdem testeten die Pflegedienste die bedarfsabhängige Beladung, so dass die Anschlussleistung und damit die Kosten gesenkt werden konnten.

Insgesamt gelang es den Entwicklern aus sechs Partnern aus Thüringen, Sachsen und Berlin aufzuzeigen, dass die Stromkosten auf 15 Cent je Kilowattstunde und damit die Betriebskosten auf 50 Prozent im Vergleich zu herkömmlichen Benzinfahrzeugen gesenkt werden können.

Im Fazit des Pilotversuches wird die Volkssolidarität in Erfurt weiter mit "… Spannung pflegen" und auch "…dann pflegen, wenn andere Tanken" werben. So jedenfalls die Slogan auf den bisherigen und auch auf den neuen Elektro-Fahrzeugen. Auch Christian Böttcher betont: "Wir fahren weiter elektrisch und mit den kommenden neuen Fahrzeugmodellen dann auch wirtschaftlich."

Die Branche der ambulanten Pflegedienste eignet sich durch die hohe Zahl an Fahrzeugen und die typischen Tourenverläufe besonders für Elektroautos. Die Unternehmen arbeiten äußerst kostensensibel, was Herausforderung und Chance zugleich ist. Durch den Einsatz innovativer Fahrzeuge mit geringeren Energiekosten und einer höheren Jahresfahrleistung wird die Wirtschaftlichkeitsschwelle eher erreicht. Den wirtschaftlichen und komfortablen Einsatz von Elektrofahrzeugen hat sich das Konsortium von S-Mobility-Com zum Ziel gesetzt.

Das Konsortium hatte, nach der erfolgreichen Bewerbung im Technologiewettbewerb "IKT für Elektromobilität III" des Bundeswirtschafts-ministeriums, im Januar 2016 seine Projektarbeit aufgenommen. red

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Veröffentlicht am:
03. 12. 2018
22:17 Uhr

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03. 12. 2018
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