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Thüringen

Zumba unter Tage und "Hol' dir ein Stückchen Glück!"

Monique Buchholz hat aus ihrem Hobby einen Beruf gemacht. "Zumba hat mein Leben verändert", sagt sie. Bei der tiefsten Zumba-Fitness-Party der Welt in Merkers wird sie dabei sein.



Strong by Zumba: Monique Buchholz in ihrem Element bei diesem hochintensiven Training. Auch hier gibt die Musik den Rhythmus vor und reißt mit. Foto: Schunk
Strong by Zumba: Monique Buchholz in ihrem Element bei diesem hochintensiven Training. Auch hier gibt die Musik den Rhythmus vor und reißt mit. Foto: Schunk  

Trusetal - Das sind so Momente, in denen Monique Buchholz am liebsten etwas sagen würde. Wenn sie mit ihrem Einkaufskorb an der Kasse steht, es nur schleppend vorwärts geht und der Kunde hinter ihr schon genervt schwer durchatmet. Sein Korb schiebt von hinten, obgleich es dadurch wahrlich nicht schneller geht. "Da merke ich, dass der Stress hat." Und sie wünscht sich für den Mann: Werde ruhiger, denn du kannst es eh nicht ändern.

Zweite Zumba-Party unter Tage

Am Sonnabend, dem 23. Juni, findet im Erlebnis Bergwerk Merkers die zweite Zumba-Party 500 Meter unter der Erdoberfläche statt. Zur Einfahrt ins Erlebnisbergwerk Merkers sollten die Teilnehmer bis spätestens 13.30 Uhr vor Ort sein. Aufenthaltsdauer unter Tage 14.30-18.30 Uhr. Ab 18.30 Uhr beginnt die Ausfahrt. Spätestens 20 Uhr sind wieder alle über Tage.

Die Karte kostet 69 Euro. Im Preis ist die Einfahrt ins Bergwerk enthalten. Die Teilnehmer erwarten zudem eine große Lasershow und ein Zumba-Shop. Kurzentschlossene können auch am 23. Juni vor Ort noch Karten kaufen. Diese dann aber zum Preis von 79 Euro.

Karten gibt es über die Veranstalterin Sandra Kretzing:

party@sandra-kretzing.de

 

Die Kassiererin wird vielleicht gerade erst angelernt oder die Oma kramt nur ganz langsam ihre Geldstücke aus dem Portemonnaie. Da braucht man Geduld. "Es gibt aber wahrlich Schlimmeres im Leben", sagt die Trusetalerin und möchte in solchen Situationen die Genervten dann am liebsten alle mit in ihren Zumba-Kurs nehmen, damit sie runterkommen und sich endlich wieder einmal gut fühlen. Solche Erfahrungen hat sie selbst schließlich zur Genüge gemacht - und gibt sie gerne an andere weiter.

 

Etwas für die Seele tun

Tanzen und Schwitzen zu heißen Rhythmen reißt Männer und Frauen mit. "Das macht den Kopf frei und erdet." Zumba, das von Kolumbien über die USA nach Europa schwappte, war kein Strohfeuer, sondern hält sich hartnäckig. Für Po, Beine, Arme und Bauch wird zudem etwas getan. "Und vor allem auch für die Seele", sagt Monique Buchholz. Die Kalorien purzeln - und das in der Gemeinschaft mit Gleichgesinnten und mit mehr Spaß als vielleicht einsam in der Muckibude oder zu Hause zu trainieren. "Zumba war für mich der Schlüssel zum Glück", sagt die Trusetalerin. "Und das ist nicht übertrieben."

Zumba hat der heute 43-Jährigen nicht nur einmal geholfen, über schwierige Klippen hinwegzukommen. Es gab öfters Situationen, wo sie nicht richtig wusste, wie es nun weitergeht. Wenn die Songs aber losgehen, hält es Monique Buchholz nicht mehr. Arme, Beine, Hüfte - alles ist in Bewegung. Sorgen werden weggetanzt. Max Giesingers Song "Wenn sie tanzt" könnte sie glatt unterschreiben. Dann ist auch sie jemand anderes. "Lässt alles los - Nur für das Gefühl" - wie im Song eben. Barfuß war sie zwar nicht in New York, alleine ist sie auch nicht durch Alaska geschwommen und vor Bali nicht über Bord gesprungen. Aber wenn Monique Buchholz die Gelegenheit gehabt hätte, wer weiß ... Vor etlichen Jahren hat sie Zumba für sich entdeckt. "In einer Dauerwerbesendung habe ich mir die erste DVD gekauft und für mich zu Hause getanzt." Seitdem hat Zumba sie nicht mehr losgelassen - ein bisschen Suchtpotenzial inklusive. "Wenn es gut tut und glücklich macht", sagt sie. Die Idee, den Trainerschein zu machen, kam schnell. Das Tanzen daheim genügte ihr nicht mehr, sie wollte die Freude auch mit anderen teilen. Doch Fitness, Zumba und das ganze Drumherum zum Beruf zu machen, davon war Monique Buchholz da noch ein ganzes Stück entfernt.

Bis nach Afghanistan

Ihr beruflicher Weg war nicht schnurgerade. Lange war sie auf der Suche. "Jetzt aber bin ich angekommen", sagt sie. Und Zumba hat ihr dabei geholfen. Die Powerfrau hat ihr eigenes kleines Unternehmen. Sie ist seit 2012 Zumba-Fitness-Instructor. Außerdem hat sie die Fitness Trainer B Lizenz sowie die Personal Trainer Lizenz und zahlreiche weitere Abschlüsse in der Tasche. Und dabei war sie einmal ganz anders beruflich unterwegs. Nach der Schule hatte sie zunächst keinen Plan, was sie lernen könnte. "Erst machte ich eine Ausbildung zur Zahnarzthelferin - doch gearbeitet habe ich in dem Beruf nicht", blickt sie heute zurück. Das alles war dann irgendwie doch nicht ihr Ding. Die Suche ging weiter. Dann begann sie eine Ausbildung als Physiotherapeutin auf einer Privatschule. "Die Kosten waren hoch und ich hatte kein dickes Sparbuch - deshalb habe ich abgebrochen." Später jobbte sie als Verkäuferin im Modebereich. Schicke Schuhe waren und sind heute noch ihr Ding, obwohl sie eh meist Sporttreter trägt. Doch ihr Schuhregal im Flur ist dennoch proppenvoll und bekommt weiter Zuwachs. Hier ist Monique Buchholz ganz Frau.

Und irgendwann las sie 2001 eine Anzeige in der Zeitung: Für die Bundeswehr wurden Frauen gesucht. "Das war die Zeit, als gerichtlich entschieden worden war, dass Frauen auch ihren Dienst an der Waffe tun dürfen", sagt sie. Das war nun wieder eine ganz andere Richtung, hörte sich aber nach Herausforderung an. "Ich wollte sehen, ob ich das schaffe." Mit 26 stieg sie ein und landete hier zunächst erst mal wieder in ihrem alten Beruf als Zahnarzthelferin, später verwaltete sie Gesundheitsakten. Die ganze Grundausbildung absolvierte sie dennoch - mit Schießen, Geländemarsch, Sturmgepäck und allem Drum und Dran. Halle, Potsdam, Hamburg und Mühlhausen waren Stationen. Sie absolvierte auch eine Ausbildung zum Rettungsassistenten. 2007 kam der Einsatz in Afghanistan, 2011 ging es in den Kosovo. Nach 13 Jahren Bundeswehr hieß es, adieu zu sagen. "Der Abschied fiel mir schwer, ich wäre gerne Berufssoldatin damals geworden", sagt sie. Doch daraus wurde nichts. Es gab mehr Bewerber als Stellen, umstrukturiert wurde auch gerade. "Meine Beurteilung war wahrscheinlich auch nicht die beste."

Und schon wieder stand sie vor einem Neuanfang, der nicht leicht fiel. Dass sie zu jener Zeit bereits als Zumba-Trainerin nebenberuflich arbeitete, kam ihr zugute. "Das hat mich nicht nur aufgebaut und aus einem Tief geholt, da reifte auch der Gedanke, aus dem Hobby den Beruf zu machen." Kurse gab sie ohnehin schon - einen Kundenstamm, der gerne mit ihr tanzte und schwitzte, ebenso. Die Familie sagte: "Mach das, du kannst das."

Alltag mit Zwillingen

Inzwischen war Monique Buchholz auch Mutter geworden - und das gleich zweimal. Kein leichter Spagat, sich mit Zwillingen selbstständig zu machen - zumal die Kurse, die sie anbietet, in der Regel vom späten Nachmittag bis in den Abend hinein laufen. "Wenn man will, geht alles", sagt die taffe Frau. "4M Fitness" hat sie ihre kleine Firma genannt. Viermal der Buchstabe M bedeutet Monique, Partner Marcus und die Töchter Mia und Mara. Und da wären auch noch ihre Mutter und ihr Vater, die helfen, wo es nur geht.

Heute sind die beiden Kinder und ihr Partner oft mit dabei, wenn sie einen Kurs gibt, und machen mit. Wird es den Kinder zu lang, turnen sie auf einer Matte herum oder malen. In dem Tanzstudio in Trusetal gibt es einen Spieltisch und Buntstifte. Hier können auch andere Muttis gerne ihre Kinder mitbringen. Auch die Oma und eine gute Freundin haben die Kleinen schon oft betreut. "Da muss man auch kein schlechtes Gewissen haben, man muss lernen, auch für sich selbst da zu sein", sagt Monique Buchholz.

So tanke man Kraft für den Alltag, der immer mehr Kraft koste. Und so beschäftigt sie sich längst nicht nur mit Tanzen, Schwitzen und Trainieren, sondern auch mit gesunder Ernährung, Körper und Seele. Das tut sie nicht nur, weil sie weiß, dass sie als Frontfrau nicht bis zur Rente durchpowern kann. "Irgendwie gehört alles auch zusammen", sagt sie und spricht von "psychischer Widerstandsfähigkeit", die heute unabdingbar sei. Auch in Sachen Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation und Stressmanagement hat sie sich fit gemacht.

Viel bewusster leben

Dass psychische Krankheiten, Belastungen am Arbeitsplatz und Druck immer mehr zunehmen, sei kein Geheimnis. "Und dem muss man etwas entgegensetzen", sagt Buchholz und durchläuft gerade eine Weiterbildung zum betrieblichen Gesundheitsmanager. Auch Firmen will sie künftig ihre Dienste anbieten. "Mitarbeiter müssen lernen, einen Schnitt zu machen, bevor der erste Infarkt kommt. Und Chefs müssen lernen, dass es auch mit normalen Arbeitstagen gehen kann, weil die Mitarbeiter dann gesünder, leistungsfähiger und motivierter sind, anstatt sich mit Druck und einem Berg an Überstunden von Woche zu Woche durchzuhangeln." Kommt erst der große Zusammenbruch, habe schließlich keiner etwas davon. "Wenn einer sich mit Fieber an die Arbeit schleppt, muss man ihn dafür nicht noch als besonders einsatzbereiten Kollegen loben", sagt sie.

Ihre Lebenserfahrungen und viel Auf und Ab haben sie geprägt. "Ich lebe und erlebe viel bewusster als früher", sagt sie. Auch der Einsatz in Afghanistan hat Spuren hinterlassen. "Ich bin glücklich, in Europa zu leben. Als Frau kann ich arbeiten, mein Leben gestalten und mich frei bewegen - das weiß man erst richtig zu schätzen, wenn man gesehen hat, dass vieles anderswo nicht selbstverständlich ist."

In einer großen Familie

Ihren Wissensdurst hat sie noch lange nicht gestillt. Weitere Trainerscheine will sie aber nicht mehr machen. Doch neue Musik und Tanzschritte wird sie immer wieder in sich aufsaugen und weitergeben. Schon heute bekommt sie Gänsehaut, wenn sie an den 23. Juni 2018 denkt. Dann wird es 500 m unter der Erde im Erlebnisbergwerk Merkers eine volle Ladung Zumba-Fitness mit internationalen Top-Stars geben. 2017 hatte dort bereits die Weltpremiere der ersten und tiefsten Zumba Fitness-Party unter Tage stattgefunden. "Auch da war ich schon dabei." Willkommen sind dann nicht nur die Frontfrauen und -männer der Branche, sondern alle - von groß bis klein, jung bis alt, Anfänger bis Profis. "Zumba ist eine große Familie", sagt Monique Buchholz. Auch das soll Merkers wieder zeigen. "Man muss nicht perfekt sein und alle Schritte beherrschen, um dabei zu sein." Schließlich gibt es keine Noten beim Zumba. "Geh einfach hin, mach' mit und hol' dir ein Stückchen Glück!"

Autor

Birgitt Schunk
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
12. 06. 2018
13:28 Uhr

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Birgitt Schunk

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Veröffentlicht am:
12. 06. 2018
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