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Thüringen

Wasserstoffzug soll auch Windräder in Thüringen fördern

Nicht nur für Bahn-Fans war es ein Erlebnis: Ein mit Wasserstoff betriebener Zug ist durch das Schwarzatal gerollt. Bei dem Projekt geht es um mehr als umweltfreundliches Zugfahren.



2019-02-04
Von vielen Schaulustigen bestaunt: Der Wasserstoffzug, der am 4. Februar in Thüringen auf Tour war.   Foto: Michael Reichel

Rottenbach/Katzhütte - Begleitet von hunderten Schaulustigen hat einer jener wasserstoffbetriebenen Zügen seine Pilotfahrt durch das Thüringer Schwarztal absolviert, die nach dem Willen von Thüringens Energieministerin Anja Siegesmund (Grüne) bald regelmäßig auf der Strecke unterwegs sein sollen. Sowohl am Startbahnhof der Fahrt in Rottenbach als auch immer wieder entlang der Strecke nach Katzhütte standen zahlreiche Männer, Frauen und Kinder, um einen Blick auf den Zug zu erhaschen, der vom französischen Bahnunternehmen Alstom hergestellt worden ist. Nach Angaben des Thüringer Energieministeriums soll das Projekt auch Windrädern eine Perspektive bieten, deren staatliche Förderung demnächst ausläuft.

Der Zug, der am Montag durch den Freistaat rollte, wird in Niedersachsen bereits im regulären Bahnbetrieb eingesetzt. Er ist einer von zwei Wasserstoff-Zügen, die in der Region Bremervörde seit einigen Monaten im Linienbetrieb im Einsatz sind. Die Maschine vom Typ „Coradia iLint“ ist von Alstom in Salzgitter gebaut worden und hat Brennstoffzellen an Bord, die Wasserstoff und Sauerstoff in Strom umwandeln, mit dem dann wiederum der Antrieb des Zuges gespeist wird. Der Zug gibt lediglich Wasserdampf und Kondenswasser ab. Wenn der Wasserstoff mit Hilfe von grünem Strom gewonnen wird, ermögliche der Zug es den Reisenden ganz ohne den Ausstoß von Schadstoffen unterwegs zu sein, sagte der Geschäftsführer von Alstom Deutschland, Jörg Nikutta, in Rottenbach. Der Zug verursache während seines Betriebs unter dieser Bedingung weder Kohlendioxid noch Stichoxide und auch keinen Feinstaub.

Siegesmund bekräftigte, die Idee, in Thüringen Züge fahren zu lassen, die mit Wasserstoff angetrieben werden, sei eine Reaktion darauf, dass 70 Prozent des Schienennetzes in Thüringen über keine Oberleitungen verfügten, also nicht elektrifiziert seien. Das macht es unmöglich, auf diesen Strecken elektrisch angetriebene Züge einzusetzen, die den Strom nicht selbst erzeugen können, den sie brauchen. „Deshalb suchen wir uns andere Wege, das zeichnet uns aus“, sagte Siegesmund. Der Einsatz von zwei wasserstoffbetriebenen Zügen zwischen Rottenbach und Katzhütte ab Ende 2021 sei ein Schritt auf dem Weg, die Thüringer Klimaziele zu erreichen. Der Freistaat soll seinen Energiebedarf im Jahr 2040 nach dem Willen der Landesregierung zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken.

Nach Angaben des Umweltministeriums eignet sich die Strecke zwischen Rottenbach und Katzhütte – beide Orte liegen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt – besonders gut, um dort mit dem Einsatz von zwei wasserstoffbetriebenen Zügen zu starten, weil der Streckenabschnitt ohnehin zur Neuausschreibung ansteht. Es sei durchaus möglich, in die Bedingungen der neuen Ausschreibungen die Forderung zu formulieren, dass der neue Bahnbetreiber dann emissionsfrei fahrenden Züge einsetzen müsse, sagte ein Sprecher Siegesmunds. Diese Forderung würde dann wohl fast zwangsläufig dazu führen, dass dort zwei Coradia-iLint-Züge von Alstom eingesetzt werden müssen. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen das einzige weltweit, das derzeit marktreife, wasserstoffbetriebene Züge anbietet. Im November 2017 hatten Alstom und die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen bereits einen Auftrag über die Lieferung von 14 Brennstoffzellen-Zügen unterschrieben.

Der Einsatz von zwei dieser Züge auf der Strecke würde auch für den Weiterbetrieb mehrerer Thüringer Windräder Sinn machen – denn ihr Strom könnte dann genutzt werden, um den Wasserstoff zu erzeugen, der für die Züge gebraucht wird. Nach Angaben des Umweltministeriums wird bis Ende 2022 die staatliche Förderung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz für Windräder im Freistaat mit einer Gesamtleistung von mehr als 240 Megawatt enden. Sollten die Windräder dann zur Erzeugung von Strom für die Herstellung von Wasserstoff verwendet werde, „wäre ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Anlagen möglich“, sagte der Sprecher der Siegesmunds.

Lesen Sie dazu auch: Land will Wasserstoff-Zug als Pilotprojekt im Schwarzatal erproben

 

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Von Sebastian Haak
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Veröffentlicht am:
04. 02. 2019
17:23 Uhr

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Von Sebastian Haak

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04. 02. 2019
17:23 Uhr



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