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Thüringen

Überraschende Wende im Mordfall Ramona: Tatverdächtiger entlassen

Vor 23 Jahren wurde die zehnjährige Schülerin Ramona in Jena ermordet - im Januar kam ein Verdächtiger in Haft. Jetzt hat ein Gericht den Haftbefehl aufgehoben. Hatten Verdeckte Ermittler dem Mann eine Falle gestellt?



Erinnerung an die getötete zehnjährige Ramona bei der Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft in Weimar am Mittwoch.   Foto: Michael Reichel/dpa

Jena - In dem 23 Jahre alten Mordfall Ramona hat das Oberlandesgericht (OLG) in Jena den Haftbefehl gegen den 76 Jahre alten Verdächtigen aufgehoben. «Nach Auffassung des OLG besteht kein dringender Tatverdacht gegenüber dem Beschuldigten», sagte ein Sprecher des Gerichts am Donnerstag in Jena. Der 76-Jährige kommt damit aus der Untersuchungshaft frei. Ermittler hatten ihn im Januar in Erfurt gefasst. Ihm wurde vorgeworfen, im August 1996 die zehnjährige Ramona in Jena umgebracht zu haben. Bei dem Verdächtigen handelt es sich um einen mehrfach vorbestraften Sexualstraftäter.

Nach Angaben des Gerichtssprechers seien im Zuge der Ermittlungen Beweise gesammelt worden, die vor Gericht nicht verwendet werden können. «Der dringende Tatverdacht geht über den einfachen Tatverdacht hinaus», sagte der Sprecher. Dafür seien die Voraussetzungen in diesem Fall nicht erfüllt. Demnach fehlt auch die Voraussetzung für die Untersuchungshaft.

Nach Darstellung des Gerichtes waren die Verdeckten Ermittler als Mitglieder einer international agierenden und an der Mitarbeit des Beschuldigten interessierten Mädchenhändlerringes aufgetreten und hatten dem Beschuldigten eine Falle gestellt.

Sie hatten dem 76-Jährigen vorgetäuscht, ihn vor einer Inhaftierung verschonen zu können, «indem sie jemanden besorgen, der gegen ein Entgelt für den Beschuldigten ins Gefängnis gehe.» Diese Person habe Krebs und wolle mit dem Geld seine Familie versorgen. Damit das funktioniere - der vermeintlich Krebskranke also ein glaubhaftes Geständnis ablegen könne - müsse er aber mit konkreten Informationen über die Tat versorgt werden.

Es sei den Verdeckten Ermittlern schließlich gelungen, den Beschuldigten zur Mitwirkung ein einer «Tatrekonstruktion» zu bewegen, obwohl sich dieser bei seiner ersten Befragung 1996 wie auch später darauf berufen hatte, mit der Tat nichts zu tun zu haben und nichts dazu sagen zu können. Für die «Tatrekonstruktion» hätten sich die Verdeckten Ermittler mit dem Beschuldigten sowohl zum Tat- beziehungsweise Entführungsort nach Jena als auch zu dem späteren Leichenfundort begeben, um ihn auf diese Weise zur selbstbelastenden Preisgabe von Täterwissen zu bewegen. Sämtliche im Rahmen dieser Vorgehensweise gewonnen Erkenntnisse unterlägen einem Beweisverwertungsverbot und seien daher auch nicht geeignet, einen dringenden Tatverdacht zu begründen, legte das Gericht abschließend dar.
 

Der Mord an der kleinen Ramona ist seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht aufgeklärt. Das Mädchen war Mitte August 1996 verschwunden. Im Januar 1997 wurden ihre sterblichen Überreste dann in einem Waldstück in Westthüringen gefunden. Die Ende 2016 gegründete «Soko Altfälle» rollte den Fall dann wieder neu auf, wobei der 76-Jährige aus Sachsen stammende Deutsche erneut in den Fokus der Ermittlungen geriet.
 

Schon 1996 hätten die Ermittler den 76-Jährigen als Verdächtigen im Visier gehabt, sagte Sven Opitz von der Landespolizeiinspektion Jena im Januar. Denn der Mann wohnte 1996 nahe des Einkaufscenters in Jena, wo Ramona das letzte Mal gesehen wurde. Er war außerdem bereits in der Vergangenheit wegen Sexualstraftaten aufgefallen. Der Verdacht habe sich damals aber nicht erhärtet.
 

Der Einsatz Verdeckter Ermittler ist immer wieder in der Kritik. Weil sie oft selbst aus kriminellen Kreisen kommen, wird ihr Einsatz und die Zuverlässigkeit ihrer Ermittlungen oft infrage gestellt. In diesem Fall stellte das Gericht zudem fest, dass die Erkenntnisse jedenfalls zum Teil einem Beweisverwertungsverbot unterlägen, weil sie mittels einer die Befugnisse eines Verdeckten Ermittlers überschreitenden, mit dem Strafprozessrecht und insbesondere dem Grundsatz der Selbstbelastungsfreiheit nicht zu vereinbarenden Täuschung des Beschuldigten gewonnen wurden. dpa
 

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Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
21:36 Uhr

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Veröffentlicht am:
08. 08. 2019
21:36 Uhr



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