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Thüringen

Seniorenrat: Beim Bauen mehr an Ältere denken

Der Thüringer Landesseniorenrat fordert von den Kommunen, dass sie bei der Gestaltung von Wegen und Plätzen viel mehr an die Bedürfnisse älterer Menschen denken - etwa an Licht und Toiletten.



Rollatoren
Über Stock und Stein? Glatter Asphalt ist für die meisten Rollatoren kein Problem. Doch sobald es uneben wird oder Stufen auftauchen, bekommen ältere Menschen mächtige Probleme.   Foto: Andrea Warnecke

Erfurt - Aus Sicht der Interessenvertreter älterer Menschen in Thüringen müssen Städte und Gemeinden bei der Gestaltung des öffentlichen Raums noch viel mehr als bislang daran denken, dass zum Beispiel Wege und Plätze auch im hohen Alter benutzt werden sollen. "Die Beleuchtung ist dabei immer wieder Thema", sagte der Geschäftsführer des Landesseniorenrates, Jan Steinhaußen, unserer Zeitung. Viele Wege seien bis heute nicht ausreichend hell ausgeleuchtet, teilweise würden Kommunen aus Kostengründen manche Straßenzüge nachts sogar nicht mehr beleuchten. Gerade in Kleinstädten, in denen Plätze und Wege mit Kopfsteinpflaster versehen seien, würden solche dunklen Bereiche für Ältere ein unwahrscheinlich hohes Sturzrisiko bergen. Zugleich plädierte Steinhaußen dafür, es ernst zu nehmen, dass viele ältere Menschen sich unsicher fühlten, auch wenn es laut Statistiken gar keine Häufung der Kriminalität gebe.

Neben der Beleuchtung ist nach Einschätzung Steinhaußens auch die Verfügbarkeit von öffentlich zugänglichen Toiletten ein Problem, an das Stadtplaner bislang viel zu selten denken. Es gebe nach Schätzungen etwa zehn Millionen inkontinente Menschen in Deutschland, die darauf angewiesen seien, schnell Toiletten erreichen zu können, sagte er. Für diese Menschen seien Wege etwa zum Arzt oder zum Einkaufen nur schwer zurückzulegen, wenn es keine ausreichenden WCs gebe.

Dass derartige Forderungen nicht völlig neu sind, räumte Steinhaußen ein. Allerdings sei es beim Bauen und Planen aus der Sicht von alten Menschen ähnlich wie bei allem, was mit Pflege oder Altersarmut zusammenhänge, sagte Steinhaußen. "Wir reden seit etwa 15 Jahren über die gleichen Dinge und Probleme, aber passiert ist auf all diesen Gebieten tatsächlich relativ wenig." Der Landesseniorenrat hatte erst vor Kurzem ein Positionspapier veröffentlicht, in dem er eine völlig neue Thüringer Pflegepolitik fordert, um dem mutmaßlichen Stillstand auf diesem Gebiet zu begegnen. Es gebe einen "eklatanten Handlungsbedarf", wenn es um die Sorge und Versorgung vor allem älterer Menschen gehe, heißt es in dem Papier.

Dass gerade ältere Menschen sich auf dem Weg zum Einkaufen oder zum Arzt sicher fühlen, ist nach Einschätzung Steinhaußens auch wichtig, um ihrer Angst zu begegnen, zum Opfer von Kriminellen zu werden. Verschiedene Studien haben immer wieder gezeigt, dass ältere Menschen zwar tatsächlich seltener als junge Menschen mit Kriminalität konfrontiert werden - trotzdem ist ihre Angst, dass genau das passieren könnte, sehr viel größer als bei Jüngeren.

Steinhaußen sagte, aus Sicht des Landesseniorenrates könne diesem Phänomen nicht durch mehr Polizeibeamte auf der Straße begegnet werden. "Wir fordern nicht immer mehr Polizeipräsenz, weil das das Problem von älteren Menschen nicht löst." Tatsächlich sei die hohe Angst vor Kriminalität bei älteren Menschen oft eine Folge von Vereinsamung. Dem könne nur begegnet werden, wenn Betroffene häufig Kontakt zu Angehörigen, Freunden oder auch Pflegern hätten.

Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
05. 10. 2019
08:31 Uhr

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Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
05. 10. 2019
08:31 Uhr



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