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Thüringen

Schädlingsbekämpfer fordert 800 Euro für getötete Wespen

Sie öffnen Türen, reinigen Rohre und bekämpfen Insekten: Einige Handwerker-Notdienste sind mit horrenden Preisen in Thüringen unterwegs. Dabei setzen Betrüger jetzt auf eine neue Masche, um Menschen in Not abzuzocken. Die Verbraucherzentrale warnt vor Schädlingsbekämpfern, die schon mal 800 Euro für tote Wespen fordern.



Abtrennung eines Wespennests
EIn Wespennest wird zur Umsiedlung abgetrennt und in einem Plastikeimer aufgefangen.   Foto: Matthias Merz/Archiv

Erfurt - Wespen stehen unter Artenschutz. Doch wenn sie zu Dutzenden auftreten, empfinden das viele Menschen als bedrohlich. Ein Wespennest am Küchenfenster oder dort, wo Kinder spielen, kann ein echter Stressfaktor sein. Das nutzen momentan Handwerker-Notdienste aus, die thüringenweit Verbraucher abzocken. Ihre Arbeit wirkt zumeist unfachmännisch – auch für einen Laien. Im Anschluss präsentieren sie horrende Rechnungen. Das Geld wollen sie noch an der Haustür sehen. Die Verbraucher werden unter Druck gesetzt. Beim Entfernen von Wespennestern wird der Artenschutz ignoriert.

In den vergangenen Tagen haben sich mehrfach Ratsuchende an die Verbraucherzentrale Thüringen gewandt, bei denen solche Schädlingsbekämpfer tätig wurden. So auch eine Frau aus Erfurt. Sie sollte 800 Euro für die getöteten Wespen zahlen. Üblich sind in Thüringen Preise zwischen 80 und 150 Euro, wenn ein Wespennest abgetötet oder umgesiedelt werden soll. Teurer wird es allenfalls, wenn beispielsweise eine Hebebühne bestellt werden muss.

Die Erfurterin hatte nach Angaben der Verbraucherzentrale online nach einem Schädlingsbekämpfer gesucht. Die Internetseite erweckte den Anschein, dass es sich um ein Erfurter Unternehmen handelt. Tatsächlich aber versteckt sich hinter mehreren, ähnlichen Online-Angeboten eine Firma mit Sitz in Regensburg. Diese vermittelt quer durch den Gemüsegarten Notdienste: vom Schlüsseldienst über Rohrreinigung bis hin zum Kammerjäger. Die Vermittler-Firma ist unter mehreren Namen wie „DHE Haus- und Gebäudetechnik“ oder „Handwerker Engel“ unterwegs. „Die Adresse ist aber immer dieselbe“, weiß Rebecca Bergmann von der Verbraucherzentrale Thüringen.

Von Regensburg aus schickt das Unternehmen kleinere Betriebe zu den Verbrauchern nach Hause. Erst mit denen kommt ein Vertrag über die Leistung zustande. Rebecca Bergmann rät dennoch, die Wucher-Preise bei der Polizei anzuzeigen. „Solche Preise sind sittenwidrig“, sagt die Juristin.

Die Regensburger Innung für Elektro- und Informationstechnik hat dem Unternehmen in den Medien Rufschädigung für ihre Branche vorgeworfen. Demnach hätte diese allein 518 Euro für den Austausch einer Steckdose gefordert.

Die Erfurter Verbraucherin hatte sich geweigert, die 800 Euro für die toten Wespen zu zahlen. Zumal einige Posten für ein und dieselbe Leistung mehrfach auf der Rechnung auftauchten. Als sie die Männer zur Rede stellte, dampften diese den Betrag spontan auf 400 Euro ein – zum Glück vergebens. Die Verbraucherin zahlte trotzdem nicht. „Wer zahlt, bekommt sein Geld nur schwer zurück“, warnt Rebecca Bergmann. Denn herauszufinden, wer hinter dem Notdienst steht, ist oft unmöglich. Adressen werden erfunden. Die Steuernummer wird auf der Rechnung mit „in Gründung“ angegeben. Hinzu kommt: Auf Vermittler-Seite agieren weitere Unternehmen mit ähnlicher Masche wie das aus Regensburg.

Kriminell sind deren Aktionen laut Verbraucherzentrale auch noch: Wespennester dürfen nur entfernt werden, wenn die Insekten eine unmittelbare Gefahr für den Menschen darstellen. Das kann bei Allergikern oder in Kindergärten der Fall sein. Im Zweifelsfall ordnet ein Profi an, das Küchenfenster nicht mehr zu öffnen. Noch strenger durch das Bundesnaturschutzgesetz geschützt sind Hornissen, Wildbienen und einige besondere Wespenarten. Verstöße können mit hohen Geldbußen geahndet werden, so die Verbraucherschützer. vz

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Veröffentlicht am:
25. 07. 2018
07:41 Uhr

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