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Thüringen

Ramelow testet neue ICE-Trasse durch Thüringer Wald

Thüringen wird nach Ansicht von Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) durch die Inbetriebnahme der schnellen ICE-Strecke von Berlin nach München «Deutschlands schnelle Mitte». Davon sollen nicht nur Erfurt, sondern auch andere Landesteile profitieren.



Ministerpräsident Bodo Ramelow schaut am Bamberger Bahnhof aus dem Führerstand des ICE.   Foto: Ermert

Erfurt - Erfurt wird sich nach Inbetriebnahme der schnellen ICE-Strecke von Berlin nach München aus Sicht von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) als Kongressstadt profilieren. Über Erfurt führe mit dem Start des Abschnitts nach Bamberg in Bayern zum Fahrplanwechsel im Dezember eine der deutschen Hauptverkehrsachsen der Bahn, sagte Ramelow am Montag bei einer Testfahrt zwischen beiden Städten. «Thüringen wird Deutschlands schnelle Mitte. Wir werden mit diesem Standortfaktor massiv werben.»

Künftig ist Erfurt sowohl von Berlin als auch von München in etwa zwei Stunden erreichbar. Prognosen gehen von bis zu drei Millionen Fahrgästen jährlich zwischen München und Berlin aus.

Die Landesregierung werde sich dafür einsetzen, dass nicht nur Erfurt als ICE-Knoten, sondern auch andere Landesteile von dem Verkehrsprojekt profitieren, kündigte Ramelow an. In Erfurt erwarte er, dass es weitere neue Hotelprojekte gibt. «Die Hotelkapazität reicht nicht aus.» Damit auch die Menschen in anderen Regionen Thüringens die Vorteile der Schnellverbindung nutzen können, werde an einem vertakteten Schienennahverkehrssystem gearbeitet. «Wir sind strikt für einen Verkehrsverbund in Thüringen.»

Ramelow kündigte einen Bahngipfel für Ostthüringen an, der für den 29. November in Jena geplant sei. Dort solle es unter anderem um den weiteren Ausbau der Mitte-Deutschland-Verbindung gehen. Er werde auch Vertreter der sächsischen Regierung dazu einladen.

In den Neu- und Ausbau der ICE-Sprintstrecke wurden seit Baubeginn 1996 rund zehn Milliarden Euro investiert. Zeitweise hatte es auf der Strecke durch den Thüringer Wald, die zu den technisch und finanziell aufwendigesten der Bahn gehörte, Baustopps gegeben.

Mit dem Fahrplanwechsel am 10. Dezember geht es mit Tempo 300 durch den Thüringer Wald. Diese Geschwindigkeit wird derzeit bereits bei den Testfahren erreicht. Nach Angaben eines Bahnsprechers läuft derzeit noch das Training von mehr als 100 Lokführern auf der Strecke.

Die Bahn-Fernverkehrschefin Birgit Bohle nennt es "einen Quantensprung" und die "größte Angebotsverbesserung in der Geschichte der DB", und auch für den Thüringer Wald beginnt am 10. Dezember durchaus eine neue Epoche im Bahnverkehr. Wenn an diesem zweiten Advent erstmals reguläre Züge mit echten Fahrgästen im Stundentakt über die gigantische Schnellbahntrasse zwischen Erfurt und dem Coburger Land donnern, dann berührt das ICE-System der Deutschen Bahn erstmals den Thüringer Wald.

Trotzdem ist den Bewohnern der Region nicht feierlich zumute. Während das andere Mega-Verkehrsprojekt, die Waldautobahn A71/A73, den Südthüringern selber mehr Mobilität brachte, dienen die 22 Tunnel und 29 Talbrücken und null Bahnhöfe der ICE-Trasse nur einem Ziel: Reisende zwischen Berlin und München möglichst schnell durchs Gebirge zu transportieren. Wenig mehr als zehn Minuten brauchen die 250 Stundenkilometer schnellen Züge für die eigentliche Wald-Strecke zwischen Wipfratal bei Ilmenau und dem Froschgrundsee bei Schalkau - und selbst diese kurze Zeit verbringen die ICE zur Hälfte im Tunnel.

Dennoch bringt die neue Trasse auch für Bahnfahrer in Südthüringen eine stattliche Zahl von Verbesserungen. Das liegt weniger daran, dass bis zu drei ICE pro Tag und Richtung nun auch in Coburg halten - was außer in der direkten Nachbarschaft der Vestestadt keine Reise-Vorteile bringt, da die Schienenlücke zwischen Werrabahn und Coburg weiter klafft. Sondern daran, dass das neu entstandene ICE-Drehkreuz Erfurt so ausgeklügelt in den Fern- und Regionalfahrplan eingetaktet worden ist, dass auch viele Südthüringer künftig öfter und flotter an ihr Ziel kommen. red/dpa
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Veröffentlicht am:
06. 11. 2017
14:09 Uhr

Aktualisiert am:
06. 11. 2017
16:32 Uhr

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06. 11. 2017
14:09 Uhr

Aktualisiert am:
06. 11. 2017
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