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Thüringen

"Ramelow macht es sich einfach zu bequem"

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) will im Freistaat ab dem 6. Juni die Corona-Beschränkungen weitgehend aufheben. Einer seiner schärfsten Kritiker ist der Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach (SPD).



Interview: Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter der SPD und Mediziner.
Interview: Karl Lauterbach, Bundestagsabgeordneter der SPD und Mediziner.  

Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) will im Freistaat ab dem 6. Juni die Corona-Beschränkungen weitgehend aufheben. Einer seiner schärfsten Kritiker ist der Bundestagsabgeordnete und Mediziner Karl Lauterbach (SPD).

 

Herr Lauterbach, was stört Sie an Ramelows Vorstoß?

Das Signal, das von diesem Schritt ausgeht, kann sich zum jetzigen Zeitpunkt verheerend auswirken. Wir haben derzeit alle Hände damit zu tun, die Menschen davon zu überzeugen, sich weiter so zu verhalten, dass es nicht zu einer zweiten Welle kommt. Und die ist aus medizinischer Sicht nicht unwahrscheinlich. Eher ist die Frage, wie groß sie ausfallen wird. Deshalb ist es ausgesprochen kritisch zu sehen, wenn nun Abstandsgebot und Maskenpflicht zur Disposition stehen.

 

Nun sagt Herr Ramelow, dass im ÖPNV die Maskenpflicht weiter gelten soll.

Das überzeugt nicht, weil er gleichzeitig sagt, dass die letzte Entscheidung bei den Kommunen liegen soll. Wenn Kommunen auf ein Ordnungsgeld zur Durchsetzung der Maskenpflicht verzichten, dann hätte das eben Auswirkungen. Es geht hier um etwas Grundsätzliches: Es wird das Signal gegeben, dass wir in eine neue Runde des Lockerungswettbewerbs unter den Ministerpräsidenten gehen. Da will diesmal Bodo Ramelow an der Spitze stehen.

 

Der thüringische Ministerpräsident weist auf die Situation in seinem Land hin, in denen es eine Reihe wenig betroffener Landkreise gibt.

Ich bin der Meinung, dass es bei den zentralen Fragen - etwa der Abstandspflicht und der Frage, wo überall Masken verpflichtend zu tragen sind - überhaupt keine regionalen Unterschiede geben sollte. Masken wirken überall gleich gut. Wenn es in einigen Regionen weniger Corona-Fälle gibt, ist es eben trotzdem wichtig, die Masken zu tragen, denn es soll schließlich so bleiben. Ein Flickenteppich an Vorschriften wäre den Bürgern nicht zu vermitteln: Wenn ein Verzicht auf Masken gefährlich ist - und das ist der Fall -, dann muss das verboten bleiben.

 

33 Menschen sind in Thüringen wegen Covid-19 im Krankenhaus, 13 müssen beatmet werden. Muss man für diese Fallzahl tatsächlich einen täglich tagenden Krisenstab vorhalten?

Der Krisenstab wird ja nicht in erster Linie für die wenigen Fälle eingerichtet, die jetzt schwer erkrankt sind, sondern für die vielen, die zum Glück noch gesund sind. Die müssen geschützt werden. Wenn das Beispiel Ramelows Schule macht, wird die Verantwortung den Kommunen zugeschoben. Die könnten sich dann mit Lockerungen profilieren. Das birgt die Gefahr, dass weniger getestet wird als notwendig - nach dem Motto: Wenig testen, wenig Ärger. Für solche Entscheidungen sind die Kommunen nicht vorbereitet und nicht ausgestattet. Die Position Ramelows ist also einfach zu bequem.

Wann sähen Sie es denn angezeigt, das bisherige strikte Regime zu lockern?

Wir haben ja durchaus kein striktes Regime. Aber es gilt die Masken- und die Abstandspflicht. Worauf wir warten ist die App und Masken sehr guter Qualität. Mit diesen Pflichten, der App und dem systematischen Testen in gefährdeten Bereichen, etwa in Schulen, Kitas, Pflegeheimen und Gaststätten, können wir ganz gut leben, bis wir eine Impfung haben. Wir dürfen einfach nicht sorglos außer Acht lassen, dass die Pandemie zurückkommen kann. Ich mache mir da besonders für den Herbst Sorgen. Dann halten sich wieder mehr Leute in geschlossenen Räumen auf. Dann wird die Aerosol-Übertragung wieder eine größere Rolle spielen. Über den Sommer hin müssen wir die Fallzahlen niedrig halten, desto besser sind wir für die Herausforderungen im Herbst gerüstet.

Autor

Norbert Wallet
Kontakt zum Autor

Veröffentlicht am:
26. 05. 2020
07:32 Uhr

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Norbert Wallet

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26. 05. 2020
07:32 Uhr



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