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Thüringen

Neue Windparks versprechen stürmische Aussichten

Der Region stehen wohl aufregende Zeiten bevor: Aussichten auf mehrere Windparks in Südwestthüringen sorgen für Diskussionen.



Spaziergang unter Windrädern: Auch in Südwestthüringen werden Windparks geplant. Derzeit können die Unterlagen dazu eingesehen werden. Fabian Sommer/dpa
Spaziergang unter Windrädern: Auch in Südwestthüringen werden Windparks geplant. Derzeit können die Unterlagen dazu eingesehen werden. Fabian Sommer/dpa  

Auf dem Papier ist alles so einfach. Thüringen will seinen Beitrag für den Klimaschutz leisten. Der Ausstoß an klimaschädlichem Kohlendioxid soll sinken. Bis 2040 soll dafür etwa auch die Energieversorgung aus eigener Kraft zu schaffen sein - unter Nutzung regenerativer Quellen. Dafür sollen die Flächen für Windkraftanlagen mehr als verdreifacht werden, hatte die rot-rot-grüne Landesregierung im Zuge ihrer Klimaschutz-Pläne verkündet. Von bislang etwa 0,3 Prozent der Landesfläche, auf denen Windräder stehen, würde die Fläche auf ein Prozent anwachsen. "Für die Nutzung der Windenergie wird dazu ein Prozent der gesamten Landesfläche bereitgestellt", heißt es in Paragraf 4, Absatz 2 des Thüringer Klimagesetzes wörtlich. Das Gesetz ist noch in den letzten Tagen des alten Jahres in Kraft getreten.

Pläne liegen aus

Dienststellen der Landratsämter in Bad Salzungen, Eisenach, Meiningen, Hildburghausen und Sonneberg;

Stadtverwaltungen Eisenach, Suhl, Bad Salzungen, Schmalkalden, Meiningen, Zella-Mehlis, Hildburghausen, Sonneberg, Neuhaus am Rennweg und Lauscha;

Regionale Planungsstelle Karl-Liebknecht-Straße 4 in Suhl;

hier zum Plan-Entwurf im Internet

 

Wie so ein Zur-Verfügung-Stellen geschehen kann - das ist allerdings die große Frage. Denn einfach so die Windkraft-Propeller in die Landschaft zu pflanzen, das geht mitnichten. Erst einmal müssen geeignete Flächen ausgemacht und dann auch entsprechend geplant werden. Und Widerstand in den betroffenen Orten gibt es sowieso. Wer will sich schon gern ein Windrad vor die Haustür stellen lassen?

 

Neun Flächen geplant

Dementsprechend sorgt in der Region Südwestthüringen der Entwurf eines neuen Regionalplans für große Aufregung. Seit vorigem Montag liegt der Planentwurf zur öffentlichen Einsichtnahme und Bürgerbeteiligung aus. Bis zum 15. Mai können Bürger ihre Einwände gegen den Plan vorbringen - und dabei geht es beileibe nicht nur um Windkraft. Schließlich legt der Plan die gesamte Entwicklungsrichtung für die nächsten Jahre fest. Das reicht von der Rolle zentraler Orte mit ihren Leistungen auch für das Umland über Flächen, die künftig vielleicht für den Straßenbau benötigt werden könnten, bis hin zur touristischen Nutzung einiger Waldgebiete.

Erfahrungsgemäß sei mit 5000 bis 7000 Einwendungen der Bürger zu rechnen, sagt Peter Möhring, der Leiter der Regionalen Planungsstelle Südwestthüringen - also quasi der Geschäftsstelle der Regionalen Planungsgemeinschaft. Die umfasst die Landkreise von Sonneberg über Hildburghausen, Suhl, Schmalkalden-Meiningen und Eisenach bis in den nördlichen Wartburgkreis.

Allerdings muss man kein Hellseher sein, um vorauszusagen, dass es gerade die im Plan-Entwurf enthaltenen neun Vorranggebiete für Windkraft sein werden, die für Einsprüche der Bürger sorgen dürften:

  • am Reitenberg nördlich von Eisenach;
  • auf der Tüngedaer Höhe ganz im Nordosten des Wartburgkreises an der Grenze zum Landkreis Gotha;
  • bei Martinroda im Wartburgkreis etwa auf halber Strecke in Richtung Vacha;
  • östlich Stadtlengsfeld (Wartburgkreis);
  • südwestlich von Springstille (Schmalkalden-Meiningen);
  • nordöstlich von Oberstadt und Grub (Kreis Hildburghausen) in Richtung Suhl;
  • bei Schleusingen (Kreis Hildburghausen) zwischen Fischbach und Gethles;
  • östlich von Eisfeld (Kreis Hildburghausen) sowie
  • bei Judenbach-Föritz (Kreis Sonneberg) in Richtung der Landesgrenze und zum bayerischen Welitsch.

Protest aus Bayern

Gerade das letzte Gebiet bei Föritz auf dem Höhenzug Konreuth hat schon im Vorfeld für viel Aufregung gesorgt - nicht zuletzt, weil auch Protest von bayerischer Seite kam. Im südlichen Nachbar-Freistaat nämlich ist der Bau neuer Windkraftanlagen fast zum Erliegen gekommen, seit die Regierung in München 2014 die sogenannte 10-H-Regelung eingeführt hat: Windräder müssen demnach mindestens das Zehnfache ihrer Höhe von der nächsten Wohnbebauung entfernt sein. Und schließlich sind heutzutage Windräder mit einer Nabenhöhe von 140 bis 160 Metern Stand der Technik - was zusammen mit dem Rotorflügel locker 240 Meter Gesamthöhe ergibt. Bei knapp zweieinhalb Kilometer Entfernung vom Ortsrand kommt man allerdings oft schon wieder dem nächsten Ort zu nahe.

Und so sind es auch beim Konreuth nach Schätzungen oberfränkischer Kommunalpolitiker nur etwa 1,5 Kilometer bis zum nächsten Haus auf bayerischer Seite. Das könnte also Ärger geben. Erst recht, wenn man bedenkt, dass längst Windräder mit einer Nabe (Achse des Rotors) in 200 Metern Höhe geplant werden - was eine Gesamthöhe von deutlich über 300 Metern entspricht.

Inzwischen hat auch der Südthüringer Bundestagsabgeordnete Mark Hauptmann (CDU) das Thema entdeckt: "Die Thüringer Landesregierung fordert beim Bau des Südlinks - mit gutem Recht - den Schutz von Naturräumen wie dem Grünen Band. Geht es aber um Waldflächen wie den Konreuth, die hektarweise Platz machen sollen für Windkraftanlagen, zählt das Argument des Naturschutzes auf einmal nicht mehr. Das ist ein Widerspruch in sich."

Hier droht allerdings der sich abzeichnende Wahlkampf den Blick auf die Art und Weise zu überlagern, wie solch ein Regionalplan überhaupt erstellt wird. Es gebe zwar die Festlegung im Klimagesetz mit dem einen Prozent Windkraft-Fläche im Land - aber überhaupt keine Klarheit, woher diese Flächen kommen sollen, sagt Möhring. "Wir haben nur Flächen zu ermitteln, die sich eignen", sagt der Regionalplaner. Und das geschehe unabhängig von politischen Vorgaben, nur "nach bestem Wissen und Gewissen".

Viele Gründe für ein Tabu

Insider kennen das komplizierte Verfahren unter dem schönen Namen "Weißflächenplanung". Vereinfacht gesagt: Man nimmt sich eine Landkarte und zeichnet alle Flächen ein, die von vornherein ausgeschlossen werden können. Dies betrifft zum Beispiel schon einmal die Kammlagen des Rennsteigs - obwohl dort noch der meiste Wind zu erwarten wäre. Am Ende werden die noch verbliebenen Flächen daraufhin geprüft, wie viel Wind hier weht, ob sich also eine Anlage lohnt. Man spricht von der sogenannten "Windhöffigkeit". Nur lohnende Gebiete schaffen es in die Planung.

Biosphärenreservate wie der Thüringer Wald/Vessertal und die Rhön sind generell schon einmal ausgeschlossen, auch der Nationalpark Hainich gilt als generell tabu. Schließlich definiert sich die Region als besonders touristisches Gebiet. Im Regionalplan-Entwurf steht deshalb zu lesen: "Des Weiteren besitzen sowohl der Wald als auch das Landschaftsbild in der Planungsregion Südwestthüringen einen generell hohen Stellenwert, insbesondere für den Erhalt einer besonderen kulturlandschaftlichen Spezifik und der damit verbundenen hohen Erholungseignung der Landschaft." Man könnte auch ganz platt sagen: Unter einem Windrad findet auch der größte Herbert-Roth-Fan keine Ruh und würde hier nie Urlaub machen.

Einwände sind gefragt

So kommen noch viele weitere Hinderungsgründe hinzu. Zum Beispiel auch der Denkmalschutz, wenn es etwa heißt, dass die "landschaftlichen Höhepunkte" der Region nicht beeinträchtigt, also nicht durch die Propeller verschandelt werden sollen. Und was den Umgang mit dem Wald betrifft: Hier hatten die Regionalplaner unter anderem eben auch nach Flächen geschaut, die durch den Orkan "Kyrill" oder andere Stürme ohnehin geschädigt waren. Lange Jahre war beispielsweise in Thüringen auch darüber diskutiert worden, ob man generell Windräder im Wald errichten können sollte. Es gibt zwar kein generelles Verbot, allerdings gewisse Tabuzonen und Mindest-Abstände vor allem zu größeren zusammenhängenden Waldflächen.

Der Windenergieerlass der Landesregierung hat allein zehn DIN-A4-Seiten Anlage, in denen harte und weiche Tabuzonen definiert werden. Darunter ist auch schon das "Nationale Naturmonument" des Grünen Bandes im einstigen Grenzstreifen. Dessen Ausweisung im vergangenen November reicht in die Erarbeitung des Regionalplan-Entwurfs hinein.

Weitere Hinderungsgründe sind nicht ausgeschlossen: Gut begründet sollen sie durch das laufende Verfahren nämlich aufgespürt werden. Einwendungen, die gegen den ausgelegten Planentwurf vorgebracht werden, können nicht einfach unter den Tisch gewischt werden. Auch deshalb rechnet Regionalplaner Peter Möhring damit, dass sich an den geplanten Windvorrangflächen noch einige Änderungen ergeben. Die Diskussion darüber ist gerade erst eröffnet. Es kann durchaus noch stürmischer werden.

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Jens Wenzel

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Veröffentlicht am:
17. 03. 2019
18:34 Uhr

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Jens Wenzel

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17. 03. 2019
18:34 Uhr



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