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Thüringen

Ministerin: Thüringen weniger stark von Dürre betroffen

Viele Bauern blicken besorgt auf verdorrte Felder. Doch ist es schon ein nationaler Notstand, der umgehend staatliche Milliarden rechtfertigt? Das ist umstritten. Auch Thüringens Landwirtschaftsministerin sieht starke regionale Unterschiede.



Kein grünes Gras, so weit das Auge reicht: Eine Kuh auf einer vertrockneten Weide in Sachsen-Anhalt. Foto: Peter Förster/dpa
Kein grünes Gras, so weit das Auge reicht: Eine Kuh auf einer vertrockneten Weide in Sachsen-Anhalt. Foto: Peter Förster/dpa  

Erfurt/Berlin - Thüringen ist nach Einschätzung von Agrarministerin Birgit Keller (Linke) weniger als andere Bundesländer von drohenden Ernteausfällen wegen der anhaltenden Trockenheit betroffen. Kritischer sei die Lage vor allem im Nordosten und in Sachsen-Anhalt, sagte Keller am Dienstag. Allerdings sei die Situation im Land regional sehr unterschiedlich. Ein Arbeitsstab von Ministerium, Landwirtschaftsämtern und Landesanstalt für Landwirtschaft soll nun konkrete Daten der Unternehmen zu Ernteausfällen und Tierverlusten einholen. Er soll am Mittwoch die Arbeit aufnehmen.

Am Dienstag hatten sich Fachleute des Bundesagrarministeriums und der Länder in Berlin getroffen, um die Situation zu erörtern. Bundesagrarministerin Julia Klöckner beharrte auch danach trotz lauter werdender Rufe nach schnellen Dürre-Hilfen für die Bauern auf einer gründlichen Erntebilanz. "Das ist Steuerzahlergeld, und wir brauchen erst repräsentative Daten", sagte die CDU-Politikerin am Dienstag. An diesem Mittwoch will sie zunächst das Bundeskabinett über die Lage informieren.

Klöckner sagte: "Wir sehen, dass viele landwirtschaftliche Betriebe in Existenznöten sind." Es sei aber wichtig, valide Daten und nicht nur individuelle Einschätzungen zu haben. Die Situation sei regional sehr unterschiedlich, Landwirte wüssten teils noch nicht, wie ihre Ernte genau ausfällt. Mögliche Hilfen müssten aber nach den Vorgaben des Bundesrechnungshofs nach Bedürftigkeit erfolgen. Außerdem sei zu berücksichtigen, was die für Hilfen zuerst zuständigen Länder planen.

Der Bauernverband fordert umgehende Hilfen von möglichst einer Milliarde Euro. "Wir brauchen schnell Unterstützung für die Betriebe. Hier müssen in den nächsten Wochen Entscheidungen fallen, da brauchen wir nicht auf eine endgültige Erntestatistik zu warten", sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied.

Keller hält Klöckners Haltung für "nachvollziehbar". Zunächst seien seriöse Zahlen erforderlich. Die Bundesländer seien sich auf Arbeitsebene einig, dass Hilfen für die Landwirte erforderlich seien und dass sich der Bund mindestens zur Hälfte daran beteiligen müsse. Keller hatte dies im Vorfeld gefordert.

Finanzministerin Heike Taubert (SPD) verwies am Dienstag auf mögliche steuerliche Erleichterungen für dürregeschädigte Agrarbetriebe. Sie könnten unter anderem niedrigere Steuervorauszahlungen bei den zuständigen Finanzämtern beantragen. Nach bisherigen Schätzungen belaufen sich die Ernteausfälle in Thüringen bei Wintergetreide auf zehn bis 25 Prozent, bei Raps auf bis zu 50 Prozent.

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Veröffentlicht am:
01. 08. 2018
07:39 Uhr

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01. 08. 2018
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