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Thüringen

Meiningen wird abgehängt

Meiningen bezahlt die Modernisierung seines Bahnhofs mit einer zehnwöchigen Komplettsperrung. Die Zugbetreiber von der STB sind empört.



Meiningen - Der 20. September bringt den Thüringern erstmals den neuen Kinder-Feiertag. Meiningen hat an diesem Datum eher wenig Grund zum Feiern: Ab diesem Tag wird der Bahnhof mehr als zehn Wochen lang vom Zugverkehr abgehängt - so lange wie wohl noch nie in seiner 161-jährigen Geschichte.

Oberrohn: 200 Meter Dauerbaustelle

Eine andere Südthüringer Baustelle wird die Deutsche Bahn auch in den kommenden Jahren nicht los: Die so genannte Bergsenke Oberrohn zwischen Bad Salzungen und Eisenach. Dort schleichen die Züge auf 200 Metern dauerhaft mit Tempo 10, weil der instabile Untergrund immer wieder absinkt. Gerade eben ist ein Bachlauf verlegt und zum wiederholten Male der Bahndamm saniert worden; Bautrupps stopfen regelmäßig den absackenden Schotter nach. "Damit werden wir für drei, vier Jahre die Befahrbarkeit halten können", sagte der regionale DB-Netzchef Uwe Krüger. Inzwischen sei ein Alarmsystem installiert, dass plötzliche Senkungen signalisiert. Zusätzlich versuche man mit Messfeldern im Boden irgendwann einen ruhigen Punkt zu finden, an dem ein Widerlager befestigt werden könne. Auch falls dann eine Brücke technisch möglich wäre, müsse man prüfen, ob diese billiger wäre als die bisherige Praxis, das 200 Meter lange Stück alle paar Jahre immer wieder neu aufzubauen.

 

"Wir benutzen in Meiningen Technik, die teils 100 Jahre alt ist", sagt Uwe Krüger, Thüringen-Chef der DB Netz AG, die nun eine umfassende Modernisierung des traditionellen Knotenbahnhofs in Angriff nimmt. 14 Weichen werden erneuert, Gleise ab- und umgebaut, Technik-Anlagen in einem modernisierten Gebäude konzentriert, und die betagten Schaltzentralen werden durch ein modernes elektronisches Stellwerk ersetzt. Der Zugbetrieb, so verspricht Krüger, soll damit sicherer und flüssiger werden - und mit weniger Leuten auskommen.

 

Künftig überwacht ein einziger Fahrdienstleiter den gesamten Bahnverkehr in der Region. "Wir warten schon sehnsüchtig auf die Kollegen, die wir in Meiningen freisetzen", so Krüger, der 23,6 Millionen Euro verbauen darf. Der Personal- und Fachkräftemangel hat auch die DB erreicht, und er ist aus deren Sicht auch einer der Gründe für die ungewöhnlich lange Sperrzeit. Nicht immer seien die Bau-Firmen so verfügbar wie man sich das wünsche, erklärt DB-Projektleiter Stephan Poppe.

Die Vertreter der Süd-Thüringen-Bahn (STB), deren Züge 100 Prozent des Meininger Bahn-Personenverkehrs ausmachen, können da nur säuerlich lächeln. Man sei von der Nachricht, dass die Sperrung mehr als doppelt so lange dauere wie geplant, im Juli kalt erwischt worden, sagte STB-Chef Thomas Grewing.

Meiningen ist Endpunkt STB-Regionalbahn-Linien nach Erfurt und Schweinfurt sowie der bedeutendste te Halt auf der Werrabahn zwischen Eisfeld und Bad Salzungen. Diese Züge sind von Meiningen während der Sperrung nur mit Bussen zu erreichen, die nach Walldorf, Grimmenthal und Bad Neustadt pendeln. Umständliches Umsteigen, längere Fahrzeiten, eingeschränkte Fahrradmitnahme: Für die Passagiere verschlechtert sich das Angebot in den zehn Wochen erheblich. Wer über Meiningen hinaus unterwegs ist (etwa von Themar nach Wasungen oder von Eisfeld nach Eisenach), braucht sogar eine volle Stunde länger und muss drei Mal umsteigen - was bedeutet, dass die Werrabahn ab 20. September für solche längeren Fahrten praktisch unbenutzbar ist. Die RE-Linie Erfurt-Suhl-Würzburg ist von all dem übrigens nicht betroffen, sie verkehrt wie gewohnt.

"Wir werden mit Sicherheit Fahrgäste verlieren", sagt denn auch STB-Planer René Siegling voraus. Den verbleibenden Kunden will man wenigstens guten Service bieten: Die Ersatzbusfahrer seien mit den Bahnern im Kontakt, damit auch bei Verspätungen alle Anschlüsse klappen. Auf dem Bahnhof Grimmenthal werde ein Fahrgastbetreuer als Ansprechpartner postiert. Alle Ersatzverkehre seien bereits in die Online-Auskunft integriert, so dass Kunden ab sofort unter www.bahn.de die neuen Umsteigeverbindungen abrufen und damit planen können, sagte Siegling.

Doch nicht nur für Passagiere und Fahrplan-Macher bringt der Umbau große Unannehmlichkeiten. Die STB hat in Meiningen ihre Betriebszentrale: Abstellanlagen, Entsorgungseinrichtungen, Tankstelle und Werkstatt sind vielfach nicht anfahrbar. "Das trifft uns an einer empfindlichen Stelle", sagte STB-Standortleiterin Thurid Rohrbeck. Provisorische Container und Abstellmöglichkeiten am Bahnhof Grimmenthal sollen den Betrieb sichern, andere Dinge werden in der Zeit am zweiten STB- Standort in Erfurt erledigt.

Die Kosten für all diese Ersatzmaßnahmen muss die STB selber tragen. Über einen zumindest teilweisen finanziellen Ausgleich sei man "im Gespräch", deutete Bahn-Vertreter Poppe an, ohne Details zu nennen. Auf jeden Fall zahlen muss die Süd-Thüringen-Bahn für Werbemaßnahmen, die wohl nötig sein werden, um die zehn Wochen lang abgeschreckten Kunden "wieder für das System Bahn zu begeistern", wie es STB-Chef Grewing fomulierte. er

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06. 09. 2019
17:02 Uhr

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06. 09. 2019
17:02 Uhr



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