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Thüringen

"In Südthüringen wird genauso viel getestet wie anderswo"

In Südthüringen werden weniger Corona-Infizierte gezählt als in vielen anderen Regionen. Wegen der geringen Anzahl von Tests? Experten sagen: Nein. Aber es gibt Ungewissheit, ob das Material reicht.



Sind Coronaviren in der Probe? Marie Gumpert, Laborantin im MVZ-Gemeinschaftslabor in Suhl, wird es erst später wissen. Hier wird gerade die Pipette eingesetzt, um den Abstrich eines Patienten bereit für die Analyse zu machen. Das Labor - eines von neun in Thüringen - schafft derzeit bis zu 200 Tests pro Tag. Foto: ari
Sind Coronaviren in der Probe? Marie Gumpert, Laborantin im MVZ-Gemeinschaftslabor in Suhl, wird es erst später wissen. Hier wird gerade die Pipette eingesetzt, um den Abstrich eines Patienten bereit für die Analyse zu machen. Das Labor - eines von neun in Thüringen - schafft derzeit bis zu 200 Tests pro Tag. Foto: ari  

Suhl - Medizinische Labore gehören zu den Betrieben, die in der Corona-Krise ständig an der Kapazitätsgrenze arbeiten. Nicht anders ist das im MVZ-Gemeinschaftslabor Suhl, einer von nur zwei Einrichtungen in Südthüringen, die Corona-Abstriche analysieren - und das an sieben Tagen in der Woche. Umso verwunderter war Laborchef Robert Siegmund, als die Thüringer Landesregierung jüngst verlauten ließ, es gebe noch freie Kapazitäten im Land für noch mehr Corona-Tests, wie sie in diesen Wochen von vielen Seiten gefordert werden.

Vier in der JVA infiziert

Drei Gefangene und ein Bediensteter der Justizvollzugsanstalt Untermaßfeld sind positiv auf Corona getestet worden. Das Meininger Gesundheitsamt hatte Tests angeordnet, nachdem sich der freiberufliche Anstaltsarzt infiziert hatte. Die drei infizierten und ein weiterer Insasse seien auf der Isolierstation. Weitere Testergebnisse stehen aus.

 

" Ich weiß nicht, wie die Landesregierung darauf kommt", sagt der Labormediziner, der darauf verweist, das die privaten Labore ihre Kapazitäten ohne Zutun des Freistaats oder der Gesundheitsämter ausgeweitet haben. Seit der Corona-Welle seien zwar Aufträge in den meisten anderen Bereichen drastisch zurückgegangen. Doch musste das Suhler Institut in jüngster Zeit neue Mitarbeiter anlernen - die sogenannten PCR-Tests brauchen auch und gerade bei modernster Technik Mitarbeiter mit Spezialkenntnissen. Das MVZ-Gemeinschaftslabor gehört zur Limbach-Laborgruppe, einem bundesweiten Verbund mit Sitz in Heidelberg. Entsprechend kommen Aufträge von nah und fern. Kliniken machen den Hauptanteil davon aus, darunter das Suhler Zentralklinikum gleich nebenan.

 

Zwischen 150 und 200 Tests schafft das Suhler Labor laut Siegmund pro Tag. Vier bis fünf Stunden dauert es, bis das Ergebnis vorliegt. Jeder Test braucht Reagenzien sowie Extraktions-Kits - und die sind ebenso knapp wie die Entnahme-Sets, die die Ärzte brauchen, um überhaupt Tests in die Labore schicken zu können. "Die Hersteller kommen nicht hinterher", sagt Robert Siegmund. Üblich seien Tests aus England oder auch den USA, in Suhl sei man inzwischen auf eine deutsche Lieferfirma umgestiegen. "Das funktioniert ganz gut", sagt der Chef. Auch wenn man sich stets nur für einen kurzen Zeitraum bevorraten könne, auch wenn Verbrauchsmaterialien wie Tupfer und Plastikplättchen knapp und teuer geworden seien: Noch sei genügend Nachschub da.

Ob das immer so bleibt, ist allerdings alles andere als sicher. Im Zuge der aktuellen Exit-Debatte werden auch immer mehr Forderungen nach mehr Corona-Tests laut. Doch woher die Kapazitäten dafür nehmen?

Laut Robert Koch-Institut bewältigen die 150 deutschen Labore inzwischen wöchentlich mehr als 400 000 Tests. In Thüringen sind es laut Gesundheitsministerium zwei staatliche und sieben private Labore mit einem Limit von 21 000 Tests pro Woche. Allerdings werden Proben auch länderübergreifend hin- und hergeschickt. Ärzte, Kliniken und Abstrichstellen entscheiden selbst, wo sie analysieren lassen. Daher gibt es keine genauen Statistiken darüber, in welchen Regionen Bürger häufiger oder weniger oft getestet werden. Den Gesundheitsämtern müssen nur die positiven Tests gemeldet werden.

Nur 3,5 Prozent positiv

Da nun diese Gesundheitsamts-Statistiken in Suhl, Schmalkalden-Meiningen, Hildburghausen und dem Wartburgkreis weitaus weniger Corona-Infektionen zählen als im Thüringer Durchschnitt, vermutet so mancher, dies könne schlicht an einer geringeren Test-Bereitschaft dortiger Ärzte und Patienten liegen. Die eher spärlichen Besucherzahlen der Südthüringer Abstrichstellen, die über Ostern sogar teils geschlossen waren, nährten diesen Verdacht.

Die geringe Infiziertenzahl liege aber keineswegs an weniger Tests, sagt Robert Siegmund. "In Suhl und Umgebung werden genauso viele Untersuchungen auf Corona durchgeführt wie in anderen Regionen Thüringens." So habe man allein von Suhler Patienten 340 Proben im Labor gehabt. Auf alle Tests bezogen seien 3,5 Prozent positiv gewesen - ein im Vergleich sehr niedriger Wert. Im Schnitt der Labore seines Verbunds liege diese Positiv-Quote mit 8,7 Prozent mehr als doppelt so hoch. Auch dies lege nahe: Es gibt im ländlich geprägten Südthüringen fernab der bekannten Corona-Hotspots nicht nur in der Statistik, sondern auch tatsächlich sehr wenige Infizierte. Die Suhler Gesundheitsamtschefin hatte jüngst gemutmaßt, die niedrigen Zahlen in der Stadt seien der großen Kontakt-Disziplin der älteren Bürger geschuldet.

Trotzdem könnte die Laborkapazität bald zum neuen Flaschenhals der Pandemie werden. "Wir kommen jetzt an den Punkt, wo die Diagnostik der exponenziellen Entwicklung der Fallzahlen nicht mehr hinterherkommt", hatte der Virologe Christian Drosten bereits Ende März erklärt und gefordert: "Jetzt kommt es darauf an, die Richtigen zu testen."

Das sieht auch Robert Siegmund so. "Zurückhaltende Untersuchungsanforderungen von symptomlosen Personen sind durchaus angebracht", sagt er und verweist auf die Empfehlungen des RKI, die Tests nur in begründeten Fällen vorsehen und Massentests ausschließen. Solange die Materialversorgung so unsicher und damit die Laborkapazität nicht planbar sei, müssten Schwerkranke und Risikoberufe wie Pfleger und Ärzte Vorrang haben. Bevor flächendeckend getestet werde, müsse die Politik sicherstellen, dass genügend Reagenzien an die Labore geliefert werden. "Aufgrund der Pandemie gibt es ein weltweites Interesse an diesen Tests", sagt Siegmund. er

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Veröffentlicht am:
16. 04. 2020
07:32 Uhr

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16. 04. 2020
07:32 Uhr



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