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Thüringen

Heizen und Fahren mit Wasserstoff

Aus Strom und Wasser wird Wasserstoff, der sich in einer Brennstoffzelle wieder zurück in Strom verwandeln lässt - eine spannende Technologie. Die hat in Thüringen noch Reserven.



Wasserstoff im Tank - nur an einer Stelle in Thüringen kann man derzeit überhaupt Nachschub zapfen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa
Wasserstoff im Tank - nur an einer Stelle in Thüringen kann man derzeit überhaupt Nachschub zapfen. Foto: Sebastian Kahnert/dpa  

Erfurt - Geht es nach den Vorstellungen von Thüringens Energieministerin Anja Siegesmund, sollen in Thüringen bei der Energiegewinnung der Zukunft Wasserstofftechnologien bald eine große Rolle spielen. Mit der Hilfe der dabei eingesetzten Brennstoffzellen könnten in den nächsten Jahren nicht nur Züge, Busse und Lkws angetrieben werden, die in Thüringen unterwegs sind. Zudem sollten mit Hilfe von Wasserstoff Gebäude geheizt und gekühlt werden, sagte die Grüne-Politikerin am Mittwoch in Erfurt am Rande einer Wasserstoff-Konferenz. "Wasserstoff aus erneuerbaren Energien steht für Hochtechnologie und Klimaschutz." Das sei gut für die Menschen und für das Klima.

Vor wenigen Wochen war bereits ein Wasserstoffzug zu einer Testfahrt durch das Schwarzatal in Ostthüringen gerollt. Auf der Strecke zwischen Rottenbach und Katzhütte sollen ab Ende 2021 zwei solcher Wasserstoff-Züge im Regelbetrieb unterwegs sein. Um zu klären, wie genau im Freistaat in den nächsten Jahren Wasserstoff ein wichtiger Baustein für die zukünftige Energiegewinnung werden kann, wird nach Angaben von Siegesmund derzeit eine Thüringer Wasserstoffstrategie erarbeitet. Sie soll noch vor Ende der Legislaturperiode im Herbst fertig werden.

Neben Siegesmund betonte auch der Leiter der Thüringer Energie- und Green-Tech-Agentur, Dieter Sell, der Freistaat habe ein enormes Potenzial, um in Zukunft Wasserstoff einzusetzen - weil auf diesem Technologiefeld bislang nur einzelne Firmen tätig seien. "Wir haben die Chance, von der Pike auf ein grünes, wasserstoffbasiertes Industriezentrum der Zukunft zu denken", sagte er. Derzeit gleiche der Freistaat beim Wasserstoff eher einer "weißen Karte".

In Thüringen gibt es nach Angaben von Sell beispielsweise derzeit nur eine einzige Wasserstofftankstelle: in Sonneberg, auf einem Firmengelände. Eine weitere dieser Anlagen soll im Laufe des Jahres in Erfurt eröffnen. Die Kosten für den Bau solcher Tankstellen sind den Angaben zufolge noch enorm: Der Aufbau einer Wasserstofftankstelle koste im Moment schnell fast eine Million Euro, hieß es am Rande der Konferenz. Zum Vergleich: Beim zuletzt vom Freistaat forcierten Aufbau zusätzlicher Ladesäulen für Elektroautos in Thüringen ist eine solche Säule laut Siegesmund im Durchschnitt für etwa 10.000 Euro zu haben.

Unternehmensvertreter, die sich schon seit Jahren mit Wasserstofftechnologie beschäftigen, kritisierten trotz der Ankündigungen, in Deutschland bewege sich derzeit noch viel zu wenig. In Ländern wie der Schweiz oder China gebe es bereits viel umfassendere Projekte, bei denen Wasserstoff zum Beispiel als Treibstoff von Lkws eingesetzt werde.

Klar wurde auf der Konferenz zudem, dass Wasserstofftechnologien häufig auf Fördergelder angewiesen sein werden, damit sich ihre Anschaffung für private oder gewerbliche Verbraucher rechnet. Es gebe allerdings bereits entsprechende Fördertöpfe, sagte Sell.

Der Wissenschaftler Mark Jentsch, der an der Bauhaus-Universität in Weimar eine Professur für urbane Energiesysteme innehat, fügte jedoch hinzu, solche Wirtschaftlichkeitsüberlegungen dürften nicht überbewertet werden. Schon gar nicht dürften sie die Entwicklung von Wasserstofftechnologien bremsen. Sollte in Deutschland beispielsweise tatsächlich eine CO2-Steuer eingeführt werden, würden derartige Maschinen und Anlagen sofort deutlich wirtschaftlicher sein, weil bei ihrem Betrieb kein klimaschädliches Kohlendioxid ausgestoßen werde.

Autor
Sebastian Haak

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Veröffentlicht am:
06. 06. 2019
07:12 Uhr

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Sebastian Haak

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06. 06. 2019
07:12 Uhr



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